Verkehrsgesellschaften in MV wollen Nachfolge des 9-Euro-Tickets

Stand: 01.09.2022 17:34 Uhr

Busse und Regionalbahnen sind seit Donnerstag (1. September) an wieder deutlich teurer geworden. Das bundesweite Neun-Euro-Ticket ist ausgelaufen. Und auch für Benzin und Diesel muss man tiefer in die Tasche greifen. Welche Bilanz ziehen denn die Verkehrsunternehmen im Land?

Grundsätzlich sind die Unternehmen im Land zufrieden mit dem 9-Euro-Ticket. Nach Angaben eines Sprechers der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen haben in den vergangenen Monaten etwa 50 Prozent mehr Fahrgäste die Busse genutzt. Auch die Ilse-Rufbusse im Süden Vorpommerns sind deutlich stärker gebucht worden.

Bis zu 15.000 Fahrgäste mehr pro Tag in Rostock

Auch in Rostock habe man in den drei Monaten neue Passagiere gewinnen können, berichtete Verkehrssenator Holger Matthäus: "Für die Monate Juni, Juli und August lagen die Fahrgastzahlen zwischen 6 und 13 Prozent höher gegenüber dem Jahr 2019." Pro Tag seien das bis zu 15.000 Fahrgäste mehr gewesen. Im Juni sei mit 3,86 Millionen in der Hansestadt ein Höchststand für diesen Monat seit mehr als zehn Jahren erreicht worden. Die zusätzlichen Nutzer seien vor allem im Freizeitverkehr nachmittags und abends und auch am Wochenende Bus und Bahn gefahren.

Gestuftes Nachfolgemodell gefordert

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim lagen die Fahrgastzahlen in den drei Monaten 23 Prozent über dem Niveau des Vergleichszeitraums 2019, sagte der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft VLP, Stefan Lösel. Das sei ein hervorragendes Ergebnis für den ländlichen Raum. Er sprach sich für ein gestuftes Nachfolgemodell aus: Am besten wäre aus seiner Sicht ein 365-Euro-Jahresticket für den kompletten Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern und ein 69-Euro-Monatsticket für die bundesweite Nahverkehrsnutzung.

Folgeangebote regional in Planung

Die Verkehrsgesellschaften haben wegen gestiegener Fahrgastzahlen oft größere Busse eingesetzt. Die Kosten dafür bekommen sie jedoch nicht erstattet, auch nicht die höheren Spritkosten. Dennoch machen einige Unternehmen den Fahrgästen auch nach Ende des 9-Euro-Tickets preiswerte Angebote, wie etwa die Verkehrsgesellschaft Nahbus in Nordwestmecklenburg und der Verkehrsbetrieb in Greifswald.

Tourismusbetriebe profitieren kaum

Einer Umfrage des Landestourismusverbands zufolge wirkte sich das Ticket bei den meisten Tourismusbetrieben nicht auf das Geschäft aus. Mehr als drei Viertel der Betriebe gaben demnach an, dass das Angebot für sie irrelevant war. Die bestehenden Verbindungen in die Tourismusregionen seien schon vor Einführung des Tickets stark genutzt gewesen.

Woitendorf: Stärkere Betrachtung touristischer Ströme

Die Saisonumfrage des Landestourismusverbandes unter mehr als 450 Unternehmen richtete sich etwa an Hotels, Pensionen und Betreiber von Ferienwohnungen sowie Gastronomiebetriebe, Freizeitanbieter sowie Verkehrsträger wie Nahverkehrsbetriebe. Verkehrsträger gaben eine geringere Gästezufriedenheit als die anderen Branchen an. Nur jedes zweite Unternehmen spricht hier von zufriedenen Gästen. "Die Unzufriedenheit bei den Verkehrsträgern ist auf die Unsicherheiten im Zuge der Einführung des 9-Euro-Tickets zurückzuführen", erklärte Woitendorf. "Hier kam es insbesondere auf den Strecken aus den Metropolen Hamburg und Berlin nach Mecklenburg-Vorpommern zu Überlastungen, die kurzfristig nicht abgefedert werden konnten." Bei einer Neuauflage bräuchte es eine stärkere Betrachtung touristischer Ströme.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 01.09.2022 | 13:00 Uhr

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