Stand: 19.06.2020 12:00 Uhr

Tod nach Misshandlung: Geldstrafe für Angeklagten

Das Justizzentrum in Neubrandenburg © DPA-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Der Angeklagte stand in dem Fall bereits zum dritten Mal vor Gericht. (Symbolbild)

Im Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod einer jungen Frau in Alt Rehse (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) muss der 54-jährige Angeklagte nicht wieder ins Gefängnis. Vor dem Neubrandenburger Landgericht wurde der Mann heute wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt.

Todesursache ungeklärt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte seine 32 Jahre alte Lebensgefährtin im Sommer 2016 in Alt Rehse geschlagen, aber nicht getötet hat. Ob die Frau gestorben ist, weil sie ein schmerzstillendes Medikament eingenommen hatte oder aufgrund von Herzversagen, konnten die Rechtsmediziner nicht heraussfinden.

Verminderte Schuldfähigkeit festgestellt

Das Gericht geht nach dem heutigen Revisionsprozess von einer verminderten Schuldfähigkeit bei dem 54-Jährigen aus, weil er wegen Beziehungsproblemen unter starker psychischer Anspannung stand. Außerdem standen der Angeklagte und das Opfer zum Zeitpunkt des Todes unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Diese verminderte Schuldfähigkeit wurde erst in diesem Prozess auf Verlangen des Bundesgerichtshofes festgestellt. Dieses hatte das erste Urteil aus dem Jahr 2017 aufgehoben. Damals war der Mann noch zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Tote bei Einsatz wegen Ruhestörung entdeckt

Der Mann aus Alt Rehse hatte die 32-Jährige aus Rheinland-Pfalz via Internet kennengelernt. Im ersten Prozess hatte er geschwiegen, aber Polizisten bereits erzählt, dass er das Opfer im Streit nackt an ein Bett gefesselt hatte. Dann habe er die Frau mit einer Peitsche misshandelt und ohne Essen und Trinken liegen gelassen, bis sie starb. Die Beamten waren von Nachbarn gerufen worden, weil der Mann nachts Trompete im Garten spielte. Dabei entdeckte die Polizei die seit einigen Wochen tote Frau im Haus.

Weitere Informationen
Das Justizzentrum in Neubrandenburg © DPA-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.06.2020 | 12:00 Uhr

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