Stand: 21.01.2020 18:17 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Spannervideos von Tutow: Zahlreiche Anzeigen

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Auf dem Musikfestival "Monis Rache" in Tutow wurden heimlich Spannervideos in Dixi-Toiletten angefertigt.

Im Fall der auf einem Festival in Tutow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) aufgenommenen Spannervideos haben mittlerweile 20 potentiell Betroffene Strafanzeige gestellt. Die Polizei ermittelt derzeit gegen eine Person, die als mutmaßlicher Täter infrage kommt. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Bericht des ARD-Online-Jugendmagazins STRG_F von Anfang Januar. Reporter deckten auf, dass Festivalbesucher mit versteckten Kameras auf mobilen Toiletten gefilmt wurden. Die Bilder wurden anschließend online gestellt.

Spanner filmte Frauen auf Festivaltoiletten

Nordmagazin -

Laut einem Bericht des Jugendformats "STRG_F" der ARD wurden beim Musikfestival "Monis Rache" in Tutow Gäste beim Besuch der Toiletten gefilmt. Die Polizei ermittelt.

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Anzeige von Amts wegen

Schauplatz war der Flugplatz Tutow bei Demmin. Von 2016 bis 2018 fand dort jährlich das Musikfestival "Monis Rache" statt. Die Veranstaltung ist nach der STRG-F-Berichterstattung nun in den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten. "Wir haben diesen Beitrag gesehen und von Amts wegen eine Anzeige wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches und Verbreitung pornografischer Schriften erstattet", sagte Nicole Buchfink vom Polizeipräsidium Neubrandenburg dem NDR Nordmagazin.

Verdächtiger belastet sich selbst

Der Verdächtige hatte sich im Bericht des Online-Magazins selbst belastet. Gegenüber der STRG_F-Reporterin hatte der Mann erklärt, die Kamera gefunden, die Videos anschließend auf Pornoseiten veröffentlicht - und damit Geld verdient zu haben. Von 8.000 Euro ist die Rede. Die Veranstalter des Festivals in Tutow, das 2018 zum letzten Mal stattfand, erklärten auf ihrer Internetseite, sie seien entsetzt und teilweise selbst betroffen. Die meisten der Crew hätten erst in der vergangenen Woche von den Geschehnissen erfahren.

Cyber-Crime-Abteilung ermittelt im Netz

"Wir versuchen jetzt den Tatverdächtigen namhaft und ausfindig zu machen", so Polizeisprecherin Buchfink weiter. Dabei wollen sich die Beamten nicht auf die Medienberichterstattung verlassen, in der teilweise schon ein Name genannt werde. "Wir müssen das natürlich verifizieren und arbeiten jetzt mit Behörden beim mutmaßlichen Wohnort des Tatverdächtigen zusammen und ermitteln auch in den Internetplattformen. Da ist unsere Abteilung für Cyber-Crime zuständig."

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Minikameras in Kugelschreibern oder Rauchmeldern

Tutow ist kein Einzelfall. Berichte über Aufnahmen in Umkleiden, Duschen und Saunen häufen sich. Zum Einsatz kommen dabei immer wieder Minikameras. Der Landesdatenschutzbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern, Heinz Müller, weist darauf hin, dass solche Aufnahmen strafbar sind, weil sie den höchstpersönlichen Lebensbereich der Betroffenen verletzen. "Aufnahmen solcher Kameras können im Grunde jeden von uns treffen", so Müller. Solche Minikameras können in einem Rauchmelder, einem Kugelschreiber, einem Kleiderhaken oder einem Ladegerät versteckt sein. Das Internet ist voll mit Angeboten. Sie werden sogar mit Nachtsichtoption angeboten.

"Schutz ist kaum möglich"

Ein Schutz sei kaum möglich, sagt auch Ulrike Kollwitz, Beauftragte der Justiz für Opferhilfe. "Die Betroffenen, die sich an uns gewandt haben, sind sehr verunsichert, von Scham geprägt und neben der juristischen Aufarbeitung haben die auch psychologische Probleme, mit denen sie fertig werden müssen."

Polizei sucht weitere Betroffene

Derzeit sucht die Polizei weitere potentiell Geschädigte. Sie bittet betroffene Besucher des Festivals, Strafanzeige zu stellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.01.2020 | 19:30 Uhr

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