Stand: 16.03.2017 18:36 Uhr

Schweriner AfD-Chef tritt nach Intrige zurück

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"Tiefgreifende Vertrauensverluste": AfD-Kreisverbands-Chef Thomas de Jesus Fernandes tritt zurück. (Archivbild)

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Mecklenburg-Schwerin, der Landtagsabgeordnete Thomas de Jesus Fernandes, ist überraschend zurückgetreten. Anlass sind offenbar parteiinterne Intrigen, bei denen es auch um Gewaltandrohungen gegangen sein soll. Fernandes war erst im vergangenen Dezember von einem Sonderparteitag im Amt bestätigt worden.

Fernandes: Vorstand nicht mehr arbeitsfähig

Nach nur gut drei Monaten wirft der Abgeordnete mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern das Handtuch, darunter sein Landtagskollege Jörg Kröger. Fernandes bestätigte den Schritt im Gespräch mit NDR 1 Radio MV, wollte sich aber zu Einzelheiten nicht äußern. In dem Rücktrittsschreiben an die Mitglieder, das dem NDR vorliegt, ist jedoch von "tiefgreifenden Vertrauensverlusten" die Rede. Der Vorstand sei deshalb nicht mehr arbeitsfähig.

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Vorfall auf Landesparteitag?

Anlass ist offenbar der Versuch von anderen Vorstandsmitgliedern, den Kreisverband vorzeitig in zwei eigenständige Verbände zu teilen. Vorbei an dem im Urlaub weilenden Fernandes haben sie für diesen Sonntag einen Sonder-Kreisparteitag in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) auf den Weg gebracht. Im Mittelpunkt steht dabei das Kreis-Vorstandsmitglied Philip Steinbeck. Es ist davon die Rede, dass er ein AfD-Mitglied auf dem vergangenen Landesparteitag in Sparow körperlich bedroht haben soll. Anlass war offenbar ein nicht genehmes Stimmverhalten bei der Wahl des von Steinbeck favorisierten Bundestagskandidaten Dennis Augustin.

Holm schweigt

Der Vorfall beschäftigt den Landesvorstand, er sorgte am Rande des Parteitages nach Teilnehmerangaben für Aufsehen. Der AfD-Landesvorsitzende Leif-Erik Holm wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Er vermeidet offenbar eine klare Festlegung. Steinbeck stellt die Angelegenheit anders dar, der Parteitag in Sparow habe die Teilung des Kreisverbandes Mecklenburg-Schwerin in zwei Verbände beschlossen, mit einer Intrige habe das nichs zu tun. Es habe auch keinerlei Gewaltandrohungen gegeben, möglicherweise aber "erhitzte Gespräche", so der Unternehmer. Die AfD sei bekannt dafür, "dass in der Sache auch mal hart, aber fair diskutiert wird". Steinbeck wurde in der Vergangenheit mehrfach in die Nähe zur rechtsextremen NPD gerückt, hatte Verbindungen zu der Partei aber stets zurückgewiesen. Steinbeck wird nachgesagt, er betreibe die Teilung des AfD-Kreisverbandes, um den Bereich Ludwigslust-Parchim stärker als eigene Machtbasis zu nutzen.

In der Landtagsfraktion hat er offenbar bereits Verbündete: Der Abgeordnete Bert Obereiner hat als Adresse für sein Wahlkreisbüro in Lübtheen eine Immobilie angegeben, die Steinbeck gehört. Dort findet am Wochenende auch der von Steinbeck initiierte Sonder-Parteitag der Kreis-AfD statt. Obereiner sagte, er habe dort nur einen Postkasten als Kontaktmöglichkeit installiert, er stamme schließlich aus Lübtheen. Sein eigentliches Bürgerbüro eröffne er demnächst aber in Schwerin. Obereiner unterhält dennoch enge Beziehungen zur Familie: Steinbecks Frau arbeitet für ihn im Rahmen eines Minijobs.

Der AfD-Kreisverband in der Landeshauptstadt hat schon in der Vergangenheit durch die völkisch-nationalistisch auftretende Stadtvertreterin Petra Federau für Schlagzeilen gesorgt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.03.2017 | 16:00 Uhr

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