In einer Geburtsstation liegt ein Säugling in einem Bett und hält seine eigenen Füße fest. © NDR Foto: Julius Matuschik

Schwerin: Demo für Erhalt von Kinder- und Geburtsstationen in MV

Stand: 09.06.2021 14:35 Uhr

Wenn Kinder zur Welt kommen oder im Notfall einen Arzt brauchen, dann sollten die Wege bis ins nächste Krankenhaus möglichst kurz sein. Eltern und Vertreter von Bürgerinitiativen haben am Mittwoch vor dem Schweriner Landtag für eine wohnortnahe Versorgung demonstriert.

von Mareen Steinert, NDR 1 Radio MV

Mit Babystramplern und großen Plakaten versammelten sich vor dem Schloss rund 30 Menschen aus Crivitz, Parchim, Wolgast und Bergen auf Rügen. An diesen Orten sind in den vergangnen Jahren Kinder- oder Geburtsstationen ganz oder vorübergehend geschlossen worden. Zuletzt wurde im Mai die Geburtsstation in Bergen "vorübergehend" abgemeldet. Es fehlen Hebammen. Schwangere von der Insel müssen nun bis nach Stralsund zur Entbindung fahren. Karin Breitenfeld ist in Bergen zu Hause und kam extra nach Schwerin, weil sie den Zustand nicht hinnehmen möchte: "Wir sind immer stolz darauf gewesen, dass Rüganer auf der Insel geboren werden. Und jetzt ist das nicht mehr so." Für die Frauen eine sehr verunsichernde Situation. Die Wege sind weit. Ein Problem, dass sich künftig auch woanders im Land auftun könnte, befürchten die Demonstranten.

Glawe: Konzept für Crivitz wird erarbeitet

Auch in Crivitz, wo die Geburtsstation seit einem Jahr geschlossen ist, bleibe die Zukunft ungewiss, sagt der ehemalige langjährige Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Bernhard Moldenhauer. "Wir haben es in Crivitz geschafft, dass wir rekommunalisiert wurden. Jetzt haben wir die Situation, dass die öffentliche Hand der Arbeitgeber beziehungsweise der Besitzer der Klinik ist und der kommt auch nicht in die Pötte." Kurz darauf kam Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) auf dem Weg in den Landtag bei den Demonstranten vorbei. Er nahm sich die Zeit, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ging auf die jeweiligen Probleme ein. Für Crivitz kündigte er an, dass weiter an einem Konzept gearbeitet werde und, dass das Land Geld zur Verfügung stellen werde.

Stationäre Versorgung in Parchim soll im August wieder losgehen

Auch die seit zwei Jahren geschlossene Kinderstation in Parchim wurde thematisiert. Glawe kündigte an, dass im August der Rund-um-die-Uhr-Betrieb auf der Station wieder starten kann. "Ich bin der Gesundheitsminister und ich setze mich dafür ein, dass die Dinge laufen. Auch wenn Parchim es nicht glaubt, ich sage Ihnen, es geht im August mit der stationären Versorgung wieder los. Das können Sie dann auch im Wahlkampf für den Deutschen Bundestag nutzen und auch den Minister loben."

Laut Parchimer Asklepios-Klinik fehlt noch mindestens ein Facharzt

Der Geschäftsführer der Parchimer Asklepios-Klinik Mathias Dürkop äußerte sich heute nicht ganz so optimistisch wie Glawe. Er sagte im Gespräch mit NDR1 Radio MV, dass noch nicht sicher sei, ob bis August ausreichend Fachärzte auf der Kinderstation arbeiten werden. Die Gespräche mit Bewerbern laufen noch. Eine Chefärztin ist zwar schon da, auch genug Assistenzärzte wird es bis zum Sommer in Parchim geben. Um die Station wieder an sieben Tagen in der Woche Rund-um-die Uhr zu öffnen, fehlt aber mindestens noch ein Facharzt.

Enquete-Kommission des Landtags hat keine Lösung gefunden

Die medizinische Versorgung von Kindern- und Jugendlichen in Mecklenburg Vorpommern sowie von Frauen auf den gynäkologischen und Geburtshilfe-Stationen wird auch nach den Wahlen im September ein Thema sein. Die Enquete-Kommission des Landtags, die sich mit der Zukunft der medizischen Versorgung in Mecklenburg Vorpommern befasst, hat jedenfalls keine Lösungen gefunden. Der 180 Seiten starke Bericht wird am Abend Thema im Landtag sein. Darin empfiehlt die Kommission der Landesregierung "Konzepte zur bedarfsgerechten, qualitativ hochwertigen geburtshilflichen und pädiatrischen Versorgung zu erarbeiten, um den demographischen und arbeitsmarktrelevanten Herausforderungen der kommenden Jahre Rechnung zu tragen." Ein noch einmal zu berufendes Expertengremium solle binnen 24 Monaten ein Konzept vorlegen, das auch die Situation an den Standorten in Crivitz oder Bergen einbeziehe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.06.2021 | 10:00 Uhr

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