Stand: 10.09.2019 21:15 Uhr

Schlachthof dicht: Probleme für Schweinebauern

von Simona Dürnberg
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Bauer Torsten Roder muss seine Schweine nun wesentlich weiter fahren, um sie schlachten zu lassen.

Torsten Roders Schweinen fehlt es an nichts: optimale Raumtemperatur, viel Licht und Strohboden. Mit dieser Haltungsform füllt der Landwirt eine Nische - zwischen der konventionellen und der Bio-Produktion. "Es soll den Tieren gut gehen, und wir sind der Meinung, dass das eine Art der Haltung ist, die das zu großen Teilen erfüllt", erzählt der Bauer aus Viecheln.

Und Torsten Roder legt nicht nur großen Wert darauf, dass seine Tiere gut leben. Auch die Schlachtung soll möglichst stressfrei verlaufen. Bisher hat er beim Schlachtbetrieb Danish Crown in Teterow schlachten lassen. Das ist quasi um die Ecke, nur 35 Kilometer von seinem Hof entfernt. Doch Danish Crown hat die Schweineschlachtung zum 31. August eingestellt.

Der Konzern Danish Crown schließt den letzten großen Schlachthof für Schweine im mecklenburgischen Teterow. © NDR

Schlachthof dicht: Probleme für Schweinebauern

Panorama 3 -

2017 hatte der internationale Konzern Danish Crown den Schlachtbetrieb im mecklenburgischen Teterow übernommen. Nun stellte der Konzern die Schweineschlafchtung ein.

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Eine Katastrophe für Kleinbauern

Für Torsten Roder ist das eine Katastrophe: "Wir haben seit 1994 unsere Schweine nach Teterow gefahren, immer selber transportiert. Das heißt, wir haben das Aufladen hier selber organisiert und die Angestellten, die Mitarbeiter, die mit den Schweinen Kontakt haben, die waren auch an dem Tag da und laden auf, also sind die Schweine da ganz entspannt und ganz ruhig bei der Geschichte. Jetzt wird es bei uns so sein, dass wir die Tiere jetzt fahren lassen müssen."

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Wenn der Transport zum Schlachthof nun länger wird, ist das nicht im Sinne des Tierwohls.

Neben den steigenden Kosten für den Landwirt kommen auf die Tiere längere Transportwege zu. Der neue Schlachthof liegt 194 Kilometer entfernt. Damit erfüllt Roder zudem nur noch knapp die Vorlage des Labels des Deutschen Tierschutzbundes - hier dürfen die Schweine nicht weiter als 200 Kilometer transportiert werden.

Danish Crown: Wir haben hier Geld verloren

2017 hatte der internationale Konzern Danish Crown den Schlachtbetrieb in Teterow übernommen. Hier wurden sowohl Rinder als auch Schweine geschlachtet. Ein sogenannter kombinierter Schlachthof. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus freute sich damals über den neuen Besitzer. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die Schweineschlachtung in Teterow auch erhalten bleibt.

Doch zwei Jahre später kommt die große Ernüchterung. In Teterow werden nun keine Schweine mehr geschlachtet. Danish Crown begründet dies damit, dass die Schweinschlachtung für sie nicht profitabel sei. "Es war so, dass die Schweineschlachtung hier eine Herausforderung war, als wir den Standort übernommen haben, aber wir können hier kein Geld verdienen, wir haben hier viel Geld verloren", sagt der Pressesprecher des Unternehmens, Jens Hansen.

Backhaus fühlt sich hintergangen

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Landwirtschaftsminister Backhaus bedauert, dass der Schlachtbetrieb eingestellt wird.

Backhaus sieht sich von Danish Crown getäuscht: "Insgesamt ist das natürlich eine Tragödie. Ich bedauere, dass die Entscheidung getroffen worden ist, diesen Schlachtbetrieb dort einzustellen, und sich nur noch auf die Rinder zu konzentrieren. Wir reden über Tierwohl, wir reden über das Verkürzen von Tiertransportzeiten und jetzt führt das dazu: Wir erhöhen hier die Transportzeiten, wir erfüllen damit nicht aus meiner Sicht diese Tierwohl-Aktivitäten, die wir ausgelöst haben."

"Kein gutes Business"

Danish Crown kann die Diskussion über das Tierwohl verstehen. "Aber in diesem Fall geht es um Fakten. Die Diskussion geht hier nicht um das Tierwohl, die geht um den Fakt, dass wir hier kein gutes Business haben können", sagt Unternehmenssprecher Hansen.

Landwirte wie Torsten Roder aber versuchen seit Jahren den Verbraucheransprüchen gerecht zu werden: bessere Tierhaltung, bessere Fleischqualität. Ihn allerdings plagen jetzt Existenzängste. Denn seine Tiere müssen ab sofort außerhalb des Landes Mecklenburg-Vorpommern geschlachtet werden.

Immer mehr große Schlachthöfe machen zu

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"Für Landwirte wird es immer schwieriger, in der heutigen Zeit zu produzieren", sagt Stefanie Töwe von Greenpeace.

Für Stefanie Töwe von Greenpeace ist "dieser Fall ist ein gutes Beispiel, dass wir einen massiven Strukturwandel in der Landwirtschaft haben. Nicht nur viele kleine Höfe sterben, sondern auch immer mehr große Schlachthöfe machen zu. Regionale Strukturen verändern sich. Es wird immer globaler und größer. Und für die Landwirte immer schwieriger, in diesen regionalen Strukturen zu produzieren."

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Dieses Thema im Programm:

Panorama | 10.09.2019 | 21:15 Uhr

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