Stand: 05.04.2019 17:03 Uhr

Demografischer Wandel: MV verliert stark

Mecklenburg-Vorpommern steht ein deutlicher Bevölkerungsrückgang bevor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das gemeinnützige Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Freitag veröffentlicht hat. Demnach verliert der Nordosten bis 2035 rund 200.000 Einwohner. Laut der Prognose wird die Bevölkerung bis dahin von 1,6 Millionen am 31. Dezember 2017 auf 1,4 Millionen gesunken sein (- 11,05 %). Für ganz Norddeutschland werden wachsende Städte und schrumpfende ländliche Regionen vorausgesagt. "Je peripherer (randständiger; Anm. d. Red.) ein Kreis gelegen ist, desto rasanter wird der Bevölkerungsschwund ausfallen", sagte Manuel Slupina vom Berlin-Institut.

Nur Rostock wächst bis 2035

Die Hansestadt Rostock ist das einzige Gebiet in MV, dem die Wissenschaftler bis 2035 ein leichtes Einwohner-Plus zuschreiben - um 1,3 Prozent. Die Landeshauptstadt Schwerin büßt dagegen fast 5 (4.300 Einwohner) Prozent der Bevölkerung ein. Schlusslicht in ganz Norddeutschland ist der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, dem laut Studie ein Rückgang von 18 Prozent droht - von gegenwärtig 261.000 Menschen auf dann 214.000.

Vorerst noch "demografisches Zwischenhoch"

Doch bis es soweit ist, macht sich laut den Forschern noch ein "demografisches Zwischenhoch" bemerkbar. Seit einigen Jahren ziehen erstmals seit den 1990er-Jahren wieder mehr Menschen nach Mecklenburg-Vorpommern als von dort weg. Das liegt sowohl an der Zuwanderung von Flüchtlingen als auch am innerdeutschen Zuzug. Selbst im Osten des Landes gab es zuletzt einen positiven Wanderungssaldo, wie es die Statistiker nennen.

Es beginnt mit dem Wegzug der Jungen

Als Gründe für den Rückgang haben die Wissenschaftler in erster Linie den Wegzug junger Menschen ausgemacht. Viele verließen ihre Heimatdörfer, um in Städten eine Ausbildung zu machen oder um zu studieren. Meistens kämen sie dann nicht zurück, sondern gründen ihre Familie dann in der Stadt. Übrig blieben dann die Älteren. Dass junge Menschen ländliche Gebiete verlassen, ist laut den Forschern zwar schon immer so gewesen, allerdings waren früher die Familien größer, so dass immer auch Kinder in den Dörfern geblieben sind. Doch nun beginne eine Abwärtsspirale: Die Einwohnerzahl auf den Dörfern geht zurück, die Schule schließt, der Dorfladen gibt auf, der Hausarzt geht in den Ruhestand - und das Landleben wird dann immer unattraktiver.

Weitere Informationen

Hamburgs Bevölkerung wächst - MV verliert stark

05.04.2019 13:00 Uhr

Im Jahr 2035 wird Hamburg rund 200.000 Einwohner mehr haben - so viele wird Mecklenburg-Vorpommern bis dahin verloren haben. Auch für die anderen Nord-Länder gibt es Prognosen. mehr

Betrieben fehlen Arbeitskräfte

Ein weiterer Faktor ist die wirtschaftliche Entwicklung. Eine stabile Einwohnerzahl sei für die ansässigen Betriebe wichtig, um genügend Arbeitskräfte zu haben, sagte der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz: "Es war lange so, dass die Menschen aus Ostdeutschland abgewandert sind, weil es dort keine Jobs gab." Mittlerweile sei es immer häufiger so, dass es Jobs gebe, aber keine Arbeitskräfte. "Das heißt: Unternehmen werden künftig Probleme haben oder verschwinden, weil sie keine Arbeitskräfte mehr finden."

Was die Politik tun kann

Die Forscher warnen die Politik angesichts der prognostizierten Entwicklung davor, falsche Erwartungen zu wecken. Denn die Lebensbedingungen für Landbewohner und Städter könnten niemals gleich sein. Auf dem Land werde es immer weniger Geschäfte, Ärzte und Busse geben. Das werde auch die Politik nicht grundlegend ändern können. Jedoch könnte sie die Menschen vor Ort unterstützen, durch Engagement etwas an ihrer Situation zu ändern. Es sei immer wieder feststellbar, dass es an den Menschen vor Ort liege, wie aktiv ein Sportverein oder die Freiwillige Feuerwehr ist. Als Beispiele nennen die Forscher genossenschaftlich betriebene Dorfläden, Schwimmbäder oder Bürgerbusse. Die Politik könnte für finanzielle Förderung und günstige gesetzliche Rahmenbedingungen sorgen.

Weitere Informationen

Wismar profitiert vom "Werft-Effekt" - und wächst

24.01.2019 08:40 Uhr

Die Einwohnerzahl Wismars wird laut einer Studie in den kommenden Jahren weiter steigen. Der "Werft-Effekt" wirkt sich zunehmend auch auf den Bedarf an Mietwohnungen und Kita- sowie Schulplätzen aus. mehr

Erstmals seit 1991 mehr Zuzug in den Osten von MV

13.10.2017 12:00 Uhr

Im Osten des Landes zeichnet sich laut der IHK Neubrandenburg eine Trendwende beim Bevölkerungswachstum ab. Es gab unter den Menschen im arbeitsfähigen Alter mehr Zuzügler als Wegzieher. mehr

Vorpommern: Garten der Metropolen?

23.05.2014 12:00 Uhr

Dörfer im Osten Mecklenburg-Vorpommerns leiden oft unter Abwanderung. Doch in jüngster Zeit ziehen vermehrt Großstädter zu. Eine Initiative will Konzepte für bessere Lebensbedingungen erarbeiten. mehr

Trend umgekehrt: MV wird Zuwanderer-Land

06.02.2014 16:00 Uhr

Jahrelang kehrten mehr Menschen Mecklenburg-Vorpommern den Rücken als zuzogen. Dieser Trend ist nun gebrochen. 2013 gibt es erstmals seit 1996 ein Zuwanderungs-Plus. mehr

Studie: Deutschland schrumpft, Hamburg wächst

01.10.2018 17:30 Uhr

Während in ganz Deutschland in 30 Jahren weniger Menschen leben werden, wird Hamburg weiter wachsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag vorgestellte Studie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.04.2019 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

05:45
Nordmagazin
02:23
Nordmagazin
02:54
Nordmagazin