Stand: 11.01.2019 18:15 Uhr

Poggenburg-Austritt: "Wird Wähler von AfD abziehen"

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Bild vergrößern
Die beiden Landesvorsitzenden Holm und Augustin äußern sich zunächst nicht zum Austritt Poggenburgs. (Archivbild)

AfD-Landeschef Leif-Erik Holm hat am Freitag im sächsischen Riesa zu tun. In der Kleinstadt trifft sich die Bundes-AfD zu ihrem Europa-Parteitag. Das eigentliche Thema - Vorbereitung der Europawahl - ist aber in den Hintergrund gerückt. Denn einer der Rechtsaußen der Partei, der ehemalige Partei- und Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, hat seinen Austritt aus der Partei erklärt und gleichzeitig die Gründung einer eigenen Partei angekündigt. Es ist nach der Abspaltung von AfD-Mitgründer Bernd Lucke und der von Ex-Parteichefin Frauke Petry schon der dritte Aderlass.

Zerwürfnis mit Parteiführung

Die Causa Poggenburg rüttelt die Partei durch - er war neben dem Thüringer Björn Höcke eine Gallionsfigur der völkisch-nationalistischen Kräfte in der AfD. Vor fast einem Jahr fiel er wegen ausländerfeindlicher Entgleisungen, NS-Vokabular und Vetternwirtschaft bei der Parteispitze in Ungnade - jetzt geht er. Landeschef Holm äußerte sich nicht zu der Personalie, in der AfD Mecklenburg-Vorpommerns hatte Poggenburg dabei bis zuletzt etliche Freunde.

Beifall für Poggenburg bei Demo in Rostock

Vor einem Monat - mitten in der Weihnachtszeit - bot ihm die Nordost-AfD in Rostock eine Bühne. Poggenburg beschwor auf einer Demonstration "Heimat, Volk und Vaterland" und wetterte mit grober Rhetorik gegen die CDU, die er als "politische Hure" verunglimpfte. Dafür bekam er Beifall seiner Anhänger. Der Co-Landesvorsitzende Dennis Augustin - ebenso wie Poggenburg ein Mann der ausländerfeindlichen Parolen - zeigte sich in Rostock demonstrativ an seiner Seite, hinter einem islamfeindlichen Banner.

Kommentar

Poggenburg-Abgang: Rechtsdrall bei AfD bleibt

Sachsen-Anhalts AfD-Fraktionschef Poggenburg reagiert auf Kritik an seiner Person: Er will von seinen politischen Ämtern zurücktreten. Dagmar Pepping kommentiert. mehr

Zurückhaltung zu Poggenburgs Weggang

Heute äußerte sich Augustin nicht zu Poggenburgs Parteiaustritt. Der sonst in den sozialen Medien so aktive AfD-Abgeordnete Ralph Weber hielt sich ebenfalls zurück, auch er sympathisierte lange mit Poggenburg. Das tat auch der Neubrandenburger Bundestagsabgeordnete Enrico Komning, der ihn zu Wahlkampfveranstaltungen holte und heute meint: "Der Schritt ist sehr bedauerlich, weil ich auch persönlich ein gutes Verhältnis zu André Poggenburg hatte".

Komning befürchtet Abwanderung von Wählern

Komning sagt zwar, Poggenburgs neue Partei werde weitgehend erfolglos bleiben, dennoch sieht der Bundestagsabgeordnete Auswirkungen auf die AfD in den bevorstehenden Wahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. "Im Endergebnis wird es so sein, dass diese Partei einen Teil der AfD-Wähler abziehen wird".

Fraktionschef sieht keine Schwächung

AfD-Landtagsfraktionschef Nikolaus Kramer sieht Poggenburgs Schritt ganz gelassen. Menschlich bedauere er den Rückzug: "Wir sind seit Bestehen der AfD eng miteinander verbunden". Aber die AfD schwäche der Schritt "überhaupt nicht". Im Gegenteil, meint Kramer: Vielleicht werde die Partei für diejenigen Wähler attraktiver, die die radikalen Töne eines Mannes wie Poggenburg abgeschreckt hätten.

Politikwissenschaftler: MV-AfD verliert Aushängeschild

Auch der Rostocker Politikwissenschaftler Jan Müller sieht in dem Austritt ein Signal für die Gesamtpartei: "Für die AfD ist es eher positiv, weil man nach außen sagen kann, man hat sich von einem der radikalsten Vertreter befreien können". Dennoch: Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern, meint Müller, verliere mit Poggenburg eher ein ideologisches Aushängeschild. Denn im Nordosten verfolge sie eine radikale Linie, mit "weniger Anpassung, mehr Straße, mehr Pegida". Dafür habe Poggenburg auch gestanden. Und sein Austritt werde eher negativ aufgefasst. Allerdings ist von Parteiaustritten in MV bisher nichts bekannt.

Poggenburg Thema bei Parteitag in Lübtheen?

Die Partei trifft sich am 26. Januar zu ihrem Parteitag in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim), quasi bei Augustin und seinem Förderer, dem Unternehmer und Schlossbesitzer Philipp Steinbeck, vor der Haustür. Gut möglich, dass der Umgang mit Poggenburg da noch Thema wird. In der AfD fürchten einige, dass der selbstgewählte Slogan "Mut zur Wahrheit" auch aus Angst vor einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz nichts mehr zählt. Leute wie der Abgeordnete Weber oder Augustin gelten aber nicht als diejenigen, die sich den Mund verbieten lassen.

Weitere Informationen
Link

Poggenburg tritt in Sachsen-Anhalt zurück

Sachsen-Anhalts AfD-Fraktions- und Landeschef Poggenburg tritt Ende des Monats zurück. Er stand zuletzt wegen rassistischer Äußerungen in der Kritik. Mehr bei tagesschau.de. extern

Schwesig: AfD ist Fall für den Verfassungsschutz

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig macht sich für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz stark. Die Partei sei Teil der rechtsextremen Szene, so Schwesig. (03.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.01.2019 | 18:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

01:28
Nordmagazin

Tote Sechsjährige: Stiefvater weiter flüchtig

16.01.2019 19:30 Uhr
Nordmagazin
01:56
Nordmagazin
02:49
Nordmagazin