Stand: 29.10.2019 16:29 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Mordprozess um Leonie: Vater erhebt Vorwürfe

Leonies Stiefvater wird Mord durch Unterlassen vorgeworfen. (Archivbild)

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow hat der leibliche Vater am Dienstag vor dem Landgericht Neubrandenburg schwere Vorwürfe erhoben. Der 28-jährige Mann aus Wolgast, der auch als Nebenkläger auftritt, war am Dienstag neben anderen Familienmitgliedern als Zeuge geladen.

Streit über Umgangsrecht

Der Vater schilderte unter Tränen, dass Leonies Tod ein fast zwei Jahre langer Umgangs-Streit zwischen ihm und der Mutter vorausgegangen war. Er vermutet, dass Leonies Mutter und der angeklagte Stiefvater nicht wollten, dass er die Verletzungen seiner beiden Kinder sehe. Leonie und ihren jüngeren Bruder hatte er über fast zwei Jahre nicht sehen dürfen, sagte der 28-Jährige vor Gericht. Dies sei ihm von der Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten trotz richterlicher Anordnung immer wieder verwehrt worden.

Leiblicher Vater: Mutter nahm Drogen

Die Mutter und der leibliche Vater hatten sich Ende 2016 getrennt. Zu dieser Zeit habe der Angeklagte im gleichen Betrieb auf Usedom gearbeitet wie er. Man habe sich auch privat angefreundet. Plötzlich habe er bei der Arbeit erfahren, dass der Angeklagte mit seiner Frau in Wolgast Hand in Hand spazieren gehe. Daraufhin habe er seine Sachen geholt und sei ausgezogen. Er habe nicht gedacht, dass die Kinder geschlagen würden. Allerdings habe er mitbekommen, dass die Mutter unregelmäßig auch Amphetamine genommen habe. Das sei an Wochenenden und abends gewesen, wenn die Kinder im Bett waren.

Leonies Mutter wollte sich offenbar von Angeklagtem trennen

Andere Zeugen wie Leonies Großmutter berichteten, dass sich die Mutter des Mädchens am 8. Januar - vier Tage vor Leonies Tod - eigentlich vom Angeklagten trennen wollte. "Sie hatten sich wieder mal gestritten", sagte die 49-Jährige. Der Angeklagte sei immer aufbrausend gewesen und habe ihrer Tochter - im Gegensatz zur Beziehung zum zweifachen Kindesvater - nicht gut getan. Auch Freundinnen der 25-jährigen Mutter berichteten von Streits aus unmäßiger Eifersucht und wegen eines rabiaten Umgangs mit den Stiefkindern beim Angeklagten.

Großmutter bricht in Tränen aus

Irgendwelche Verletzungen habe die Zeugin an ihren Enkeln zu keiner Zeit gesehen, sagte die 49-jährige Großmutter. Die Zeugin beschrieb ihre Tochter als gute Mutter, die ihre Kinder abgöttisch liebe. Das Gericht zitierte auch aus Protokollen aus sozialen Netzwerken zwischen Tochter und Mutter. Darin war zu lesen, dass sich an Leonies Todestag am 12. Januar in Telefonaten und Nachrichten alles um einen Hund drehte, den sich das Mädchen unbedingt gewünscht hatte. Kurz nachdem die Zeugin das erzählt hatte, brach sie in Tränen aus. Eine anwesende Ärztin kümmerte sich gleich um sie. Danach wurde die Befragung abgebrochen.

Angeklagter schweigt bisher

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Leonie so stark misshandelt zu haben, dass sie an den Folgen starb. Der 28-Jährige hatte behauptet, das Mädchen sei eine Treppe heruntergefallen. Während der Ermittlungen verstrickte er sich in zahlreiche Widersprüche. Vor Gericht schweigt er bisher. Auch gegen Leonies Mutter wird ermittelt, weil sie nicht eher Hilfe für Leonie geholt habe.

Bruder offenbar auch misshandelt

Bei Leonies zweijährigen Bruder waren ebenfalls Verletzungen festgestellt worden, die auf grobe Misshandlungen schließen lassen. Eine Kinderärztin aus Wolgast hatte zuletzt vor Gericht erklärt, dass Leonie und ihr Bruder bis zur Trennung der Eltern Ende 2016 keine auffälligen Verletzungen hatten. Der Prozess soll am 1. November mit weiteren Zeugenanhörungen aus dem Umfeld des Angeklagten fortgesetzt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 29.10.2019 | 15:00 Uhr

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