Stand: 11.02.2020 16:36 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Ministerien uneins über neue Windräder

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Die Firma Enertrag aus Brandenburg will in der Nähe der Friedländer Großen Wiese zwölf Windräder errichten. (Symbolbild)

Das Energieministerium von Mecklenburg-Vorpommern unterstützt den Bau von Windrädern bei Ferdinandshof (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Das geht aus einem Schreiben an die Bürgerinitiative "Freie Friedländer Wiese" hervor. Der Bau sei demnach nötig - auch um den Klimaschutz zu unterstützen. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte sich bei einem runden Tisch im Herbst gegen die Errichtung der Windräder ausgeprochen.

Energieministerium wird um Verständnis

In Vorpommern haben sich mehr als zehn Bürgerinitiativen zusammen geschlossen, die gegen die Errichtung von Windrädern protestieren. Gemeinsam hatten sie ein Schreiben an Manuela Schwesig (SPD) verfasst und die Ministerpräsidentin gebeten, einen vorläufigen Baustopp für Windräder in Vorpommern zu veranlassen. In dem Schreiben aus dem SPD-geführten Energieministerium wird nun um Verständnis für den Bau von zwölf Windkraftanlagen in der Nähe der Friedländer Großen Wiese geworben. Unter anderem heißt es darin, es gehe nur um eine Fläche von 266 Hektar. Das sind etwa 2,5 Prozent der Großen Friedländer Wiese.

Backhaus will Moorgebiet renaturieren

Umweltminister Backhaus ist dagegen für ein Modellprojekt, um das Niedermoorgebiet zu renaturieren. Dazu hatte er gemeinsam mit Landwirten und Umweltschützern im Herbst einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Der Minister verwies damals auch auf den problematischen Untergrund: "Dort haben wir bis in eine Tiefe von zwölf Metern Torf, das wird etwas schwierig", so Backhaus.

Bürgerinitiativen fühlen sich nicht ernstgenommen

Der Brief aus dem Energieministerium sorgt bei den Bürgerinitiativen für Aufregung, da sie vermuten, dass es sich dabei um die Antwort auf ihr Schreiben an die Ministerpräsidentin handelt. Der Protestbrief wird allerdings mit keinem Wort erwähnt. Außerdem fühlen sich die Initiativen nicht ernst genommen, nachdem Umweltminister Backhaus sich schon gegen Windräder in der Friedländer Wiese ausgesprochen hatte.

Absackendes Moor setzt Kohlendioxid frei

Die Friedländer Große Wiese ist ein gut 100 Quadratkilometer großes Niederungsmoor. Es war zu DDR-Zeiten entwässert worden, um höhere Erträge in der Landwirtschaft zu erreichen. Dort gab es einen der größten Rinderbetriebe mit 44.000 Kühen. Rinder dominieren auch heute noch die Weiden. Kraniche, Rotmilane und Wildgänse haben hier ihr Brut- und Rastgebiet. Doch das Moor sackt immer weiter ab und setzt jedes Jahr mehr klimaschädliches Kohlendioxid frei. Das soll durch die Renaturierung gestoppt werden.

Verein wertet Brief als "Dummfug"

Der Verein "Freie Friedländer Wiese" ist in erster Linie für den Erhalt von Natur und Umwelt und nicht gegen die Windräder. Mit dem Bau der Anlagen würde nur ein Umweltproblem gegen ein anderes ausgetauscht, meinen die Kritiker. Das Kohlendioxid-Problem lässt das Energieministerium unerwähnt. Wohl auch deshalb sprach die Bürgerinitiative in einer ersten Reaktion auf das Ministeriumsschreiben von "Dummfug".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.02.2020 | 16:00 Uhr

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