Stand: 15.07.2020 18:36 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Mediziner: Schulen und Kitas testweise öffnen

Es müsse mehr getan werden, um Kindern und Jugendlichen eine Rückkehr zur Normalität zu ermöglichen, findet der Rostocker Hygiene-Professor Andreas Podbielski. (Archivbild)

Der Rostocker Hygiene-Professor Andreas Podbielski hat sich für mehr Mut bei Öffnungen von Kitas und Schulen in Corona-Zeiten ausgesprochen. Konkret schlägt Podbielski vor, in ausgewählten Einrichtungen testweise und zeitlich begrenzt einen Regelbetrieb unter Vor-Corona-Bedingungen zu erproben. "Ich würde mir den vollen Normalbetrieb möglichst rasch in allen Schulen wünschen, sehe aber das Risiko, wenn man das auf einen Schlag überall machen würden", sagte der Mediziner NDR 1 Radio MV.

"Rasch wieder so leben wie in Vor-Corona-Zeiten"

Dann müsse man schauen, wie sich die Situation in diesen ausgewählten Schulen mit Normalbetrieb entwickelt. Sollte es Rückschläge geben, müsste man zurückrudern. "Aber dann muss man auch nicht so viel umdrehen, als wenn man das gleich in allen Schulen durchführen würde", so Podbielski weiter. Auf der anderen Seite könnte man bei einem erfolgreichen Experiment "rasch wieder so leben wie in Vor-Corona-Zeiten - zumindest in Schulen und eventuell auch in Kindergärten."

Weitere Informationen

Corona: Länder beschließen Hygienekonzept für Schulbeginn

15.07.2020 15:00 Uhr

Die Kultusministerkonferenz hat ein gemeinsames Länderkonzept für Hygieneregeln an Schulen beschlossen. Details regeln die Länder. In Mecklenburg-Vorpommern sollen kommende Woche Ergebnisse vorliegen. mehr

NDR Info

Corona-Ticker: Virologe Drosten empfiehlt Strategiewechsel

NDR Info

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, bis ein Impfstoff gefunden ist, rät Virologe Christian Drosten zur gezielten Nachverfolgung von Übertragungsclustern. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Hygiene-Experte glaubt nicht an großen Corona-Ausbruch in MV

Der Hygiene-Experte sieht für einen solchen Versuch gute Voraussetzungen in Mecklenburg-Vorpommern. "Wir haben in den letzten Wochen überhaupt keine Infektionen mehr - zumindest in Rostock. Insofern, wenn irgendein Bundesland wieder in den Normalbetrieb starten kann, dann ist das Mecklenburg-Vorpommern." Selbst im Falle eines Scheiterns seien die Konsequenzen überschaubar. "Ein voller Lockdown ist dann nicht nötig, denke ich. Man kann das abgestuft tun." Laut Podbielski ist ein großer Corona-Ausbruch hierzulande unwahrscheinlich. "Es wird eher zu einzelnen Erkrankungsfällen kommen, sodass man darauf entsprechend reagieren kann."

Mediziner: Sind alle in einem "Riesen-Experiment"

Den Einwand, dass ein solcher Versuch ein Experiment mit der Gesundheit von Kindern sei, lässt Podbielski nicht gelten. "Wir alle sind gerade in einem Riesen-Experiment. Und egal, was wir tun, es ist weiter ein Experiment." Auch der gegenwärtig eingeschränkte Schul- und Kitabetrieb sei ein Experiment mit dem Wissen und Können und damit auch der Zukunftsfähigkeit der Kinder. Letztlich hänge die Wirtschaftskraft der Gesellschaft von der Zukunftsfähigkeit ihrer Kinder ab. "Und diese Zukunftsfähigkeit unseres Landes bezahlt unser Gesundheitssystem, bezahlt unser Sozialsystem. Und das brauchen wir. Ich finde das persönlich ein akzeptables Risiko in Anbetracht dessen, was tatsächlich dabei passieren kann."

Kinder und Jugendliche sollten im Mittelpunkt stehen

Für Podbielski ist zudem klar, dass Schüler Präsenzunterricht bräuchten. Das besagten wissenschaftliche Erkenntnisse. "Wir werden das Sars-CoV-2-Virus nicht mehr loswerden, es wird künftig zu den ganz normalen Erregern gehören", sagte Podbielski. Welchen langfristigen Erfolg eine Impfung habe, könne heute noch niemand sagen. "Erst ein oder zwei Jahre später werden wir wissen, was die Impfung tatsächlich bringt. Wollen wir uns jetzt wirklich jahrelang nur noch um Corona herumdrehen?", fragt der Mediziner. Deshalb sei es wichtig, möglichst rasch ins "normale Leben" zurückzukehren. Dabei stünden für ihn die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. "Auf ihrem Wissen und Können beruht unsere Zukunft und unser Wohlergehen. Nicht darauf, ob eine Kneipe mehr oder weniger voll ist."

Service

Bürgertelefone zum Coronavirus

Ministerien, Behörden und Verbände in Mecklenburg-Vorpommern haben Bürgertelefone und Hotlines für Fragen zum Coronavirus geschaltet. Hier finden Sie eine Übersicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 15.07.2020 | 17:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

03:04
Nordmagazin
03:36
Nordmagazin