Stand: 21.03.2019 05:00 Uhr

Mallorca-Kita: Neue Vorwürfe gegen Schweriner AWO

Bild vergrößern
Im vergangenen Herbst war bekannt geworden, dass der AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim seit Jahren eine Kita auf Mallorca betreibt. (Archivbild)

Der AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim gerät wegen des umstrittenen Betriebs einer eigenen Kita auf Mallorca immer stärker unter Druck. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV formiert sich jetzt innerhalb der AWO offener Widerstand gegen das Geschäftsgebaren der AWO-Spitze in Westmecklenburg.

Harsche Kritik am Argument der Fachkräfte-Gewinnung

In einem Brief an seine Kollegen in Schwerin zieht der Wismarer AWO-Vorstandschef Walter Baar die angeführten Gründe für den Betrieb der Kita auf der Ferieninsel in Zweifel. Die Argumentation, die Einrichtung werde zur Fachkräfte-Gewinnung betrieben, könne nicht ernsthaft aufrechterhalten werden. Baar, im Hauptberuf Rechtsanwalt, spricht den Schweriner AWO-Chef Bernd Sievers und dessen Geschäftsführer Axel Mielke direkt an: "Mit einem solchen Argument gebt Ihr Euch und damit auch die gesamte AWO Mecklenburg-Vorpommern der Lächerlichkeit preis."

Unterschiedliche Begründungen für Mallorca-Kita

Sievers hatte zuletzt im Sozialausschuss des Landtags behauptet, die Kita diene der Fachkräfte-Gewinnung. Allerdings wirkte das auch vor den Abgeordneten wie eine Schutzbehauptung. In der Anfangszeit ihres Ablegers auf der Ferieninsel hatte die AWO im eigenen Mitteilungsblatt noch eine ganz andere Begründung aufgeführt: Das Engagement habe sich "irgendwie zufällig ergeben", hieß es da. Von dringend benötigten Fachkräften war jedenfalls nicht die Rede.

Umgang mit Medien "verbandsschädigend"

Sievers muss sich auch wegen seines Umgangs mit den Medien Kritik seines Kollegen gefallen lassen. Die Reaktion auf die öffentliche Berichterstattung lasse "jegliche Souveränität vermissen, geht an der Sache vorbei und ist in hohem Maße verbandsschädigend". Der Wismarer AWO-Chef Baar berichtet in seinem Brief an den "lieben Bernd und lieben Axel" auch vom Stimmungsbild in seinem Regionalverband. Es sei die einhellige Meinung gewesen, dass der Betrieb einer Kita "auf einer Tourismusinsel im Ausland nicht geht".

Vorschlag: Höhere Gehälter zahlen

Baar gibt seinen Kollegen in der Landeshauptstadt zwischen den Zeilen den Hinweis, es sei wohl besser, den eigenen Leuten ein vernünftiges Gehalt zu zahlen, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Die AWO habe im Mittelzentrum Wismar damit gute Erfahrungen gemacht. "Und dies können wir uns auch im Oberzentrum Schwerin vorstellen". Bereits in der Vergangenheit hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagt, dass die AWO Soziale Dienste Westmecklenburg ihre Mitarbeiter vergleichsweise schlecht bezahle und auch deshalb auf dem Arbeitsmarkt der Fachkräfte schlechtere Karten habe.

Weitere Informationen

Erneut Kritik an AWO: Ver.di erhebt Vorwürfe

08.10.2018 18:00 Uhr

Die Gewerkschaft ver.di erhebt schwere Vorwürfe gegen den AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim. Grund ist die vergleichsweise schlechte Bezahlung in Kitas und Pflegeheimen. mehr

Flossen Fördermittel in Grundstückskauf auf Mallorca?

Der AWO-Vorstandschef in Wismar hält es - anders als von seinen Kollegen in Schwerin immer wieder behauptet - auch für wahrscheinlich, dass in den Kauf des Kita-Grundstücks auf Mallorca doch Fördermittel geflossen sind. Bei den dafür verwendeten Rücklagen - 150.000 Euro - handele es sich vermutlich um Mittel aus der staatlichen Förderung.

"Kein Unrechtsbewusstsein"

In seinem Fazit wird Baar mehr als deutlich: Die AWO Wismar distanziere sich vom Geschäftsgebaren der AWO Schwerin-Parchim. Der Auftritt der maßgeblichen Personen zeuge davon, dass kein Unrechtsbewusstsein und auch nicht der Wille zur Aufarbeitung bestehe. Ein solches Verhalten sei insgesamt rufschädigend und könne nicht solidarisch mitgetragen werden. Baar endet mit dem Satz: "Tut Euch und insbesondere der Arbeiterwohlfahrt den Gefallen und beendet das Projekt auf Mallorca."

Entscheidung über Mallorca-Kita im Sommer?

Nach eigenen Aussagen will die Schweriner AWO Ende Juni über die Fortführung der Kita entscheiden. Wie viele angebliche Fachkräfte aus Spanien angeworben werden konnten und dauerhaft in Mecklenburg beschäftigt werden, ist bisher nicht bekannt. In der Kita wird eine ehemalige Schweriner Mitarbeiterin und Vertraute von AWO-Geschäftsführer Mielke beschäftigt. Mielke und Sievers sind in der Vergangenheit mehrfach nach Mallorca gereist, um sich auf Verbandskosten ein Bild von der Lage zu machen.

Weitere Informationen

Ministerium kritisiert AWO-Kita auf Mallorca

02.10.2018 07:00 Uhr

Die Arbeiterwohlfahrt Schwerin unterhält auf Mallorca seit Jahren eine Kita. Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerium findet das "ungewöhnlich" - zumal Mallorca nicht gerade als rückständig gilt. mehr

Mallorca-Kita der AWO Thema im Sozialausschuss

27.02.2019 07:00 Uhr

Sinn und Nutzen der Kita des AWO-Kreisverbandes Schwerin auf Mallorca beschäftigt heute den Sozialausschuss. Kritisiert werden auch Reisekosten der Verbandsmitglieder auf die Balearen. mehr

AWO-Kita auf Mallorca soll Ergebnisse liefern

28.11.2018 12:00 Uhr

Der Awo-Kindergarten auf Mallorca verstößt nicht gegen die Satzung, so das Ergebnis einer Prüfung durch den Landesverband. Allerdings sollen bis Juni 2019 konkrete Ergebnisse vorgelegt werden. mehr

AWO verteidigt Mallorca-Kita gegen Kritik

05.10.2018 06:00 Uhr

Der AWO-Kreisverband Schwerin-Parchim hat seine Kita auf Mallorca verteidigt. Der Verband räumte aber auch Fehler bei der Kommunikation ein. Derweil hält die Kritik aus der Landespolitik an. (04.10.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.03.2019 | 05:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:48
Nordmagazin
00:31
Nordmagazin