Stand: 27.01.2020 19:11 Uhr  - NDR 1 Radio MV

MV gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

In Mecklenburg-Vorpommern wurde am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vielerorts der Opfer der Judenvernichtung und der NS-Euthanasie gedacht. Dabei standen bei einer Veranstaltung in Güstrow (Landkreis Rostock) zunächst die Behinderten und psychisch Kranken, die während der Nazizeit getötet oder zwangssterilisiert wurden, im Zentrum des Gedenkens.

Holocaust-Überlebender besucht Europaschule

Nordmagazin -

Die Erinnerung wachhalten: Yochanan Ron Singer, einer der noch wenigen Shoa-Überlebenden, hat die Europaschule in Rövershagen besucht und Jugendlichen seine Geschichte erzählt.

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Verband: Tausende Euthanasie-Opfer in Mecklenburg

Veranstalter war der Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern. Dessen Angaben zufolge wurden allein im heutigen Mecklenburg mehr als 2.200 Menschen beim NS-Euthanasie-Programm getötet und mindestens 5.000 Menschen aufgrund der sogenannten Erbgesundheitsgesetze zwangssterilisiert. Für die Psychiatrie in Deutschland sei die Zeit des Nationalsozialismus bis heute ein stellenweise tabuisiertes und zugleich ihr dunkelstes Kapitel, erklärte der Verband. Mehr als 300.000 Menschen seien wegen ihrer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung systematisch ermordet worden, mehr als 400.000 zwangssterilisiert.

Zahlreiche Gedenkveranstaltungen

Landesweit fanden am Montag Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz statt. An der Universität Greifswald wird in diesem Jahr insbesondere an die Verfolgung katholischer Priester erinnert. Stellvertretend für andere werde an das Schicksal des Greifswalder Pfarrers Alfons M. Wachsmann erinnert, der am 21. Februar 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet wurde, hieß es. Im Kulturbahnhof Kröpelin (Landkreis Rostock) wird die Ausstellung "Shoah - Wie war es menschlich möglich?" der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gezeigt.

Befreier stoßen auf grauenhaftes Leid

Schwesig: Extremismus entgegentreten

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) appellierte an die Bevölkerung, jeder Form von Extremismus entgegenzutreten. "Ich sehe mit Sorge, dass es auch in unserer heutigen Gesellschaft Kräfte gibt, die Demokratie und Freiheit in Frage stellen", sagte sie am Montag in Schwerin. Der Angriff auf die Synagoge in Halle, der Mord an Walter Lübcke und die NSU-Mordserie hätten gezeigt, wohin rechtsextremes Gedankengut führe. Es sei wichtig, allen den Rücken zu stärken, die für ein demokratisches und weltoffenes Land einträten.

MV-Antisemitismusexperte: KZ-Besuch sollte freiwillig sein

Sollte nun der Besuch einer KZ-Gedenkstätte zur Pflicht für alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland werden? Davon hält zumindest der Beauftragte für Jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern und Antisemitismus-Experte, Schmutzler, nichts. Gegenüber NDR 1 Radio MV betonte er, solch ein Besuch müsse freiwillig bleiben. Damit widersprach Schmutzler dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Klein, der die Schulen zu einem verstärkten Kampf gegen Judenfeindlichkeit aufgerufen und sich für solch einen Pflichtbesuch ausgesprochen hatte.

Zentrale Veranstaltung im Landtag am Dienstag

Am Dienstag findet im Landtag die zentrale Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag statt. Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, warnte vor einem Wiedererstarken von Antisemitismus und Ausgrenzung. "Erneut breitet sich menschenverachtendes Gedankengut in unserem Land aus", bedauerte sie und betonte: "Wir stellen uns solidarisch an die Seite aller Jüdinnen und Juden. Wir wenden uns entschieden gegen jede Form von Marginalisierung, Hass und Gewalt gegenüber einzelnen gesellschaftliche Gruppen." Die Rede zur Gedenkstunde soll Yochanan Ron Singer, Überlebender der Shoah und Präsident des Weltverbands der Bukowiner Juden, halten.

Hoffmeister: Antisemitismus keinen Platz lassen

Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) sagte, Antisemitismus dürfe kein Platz gelassen werden. "Wir werden alles daran setzen, dass die jüdischen Gemeinden in unserem Land ihre Religion in Sicherheit und Freiheit ausüben können." Auch der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern, Hansjörg Schmutzler, unterstrich die Notwendigkeit des Gedenkens.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.01.2020 | 06:00 Uhr

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