Stand: 21.10.2019 15:45 Uhr

Leonie-Prozess: Mutter belastet Angeklagten

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Der Stiefvater Leonies ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. (Archivbild)

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat am Montag die Mutter des Mädchens vor dem Landgericht Neubrandenburg ausgesagt. Dabei wurden die Öffentlichkeit und der Angeklagte von der Verhandlung ausgeschlossen.

Aussage der Mutter noch nicht abgeschlossen

Der Anwalt der Mutter wollte keine Angaben zu ihrer Aussage machen. Er verwies darauf, dass diese noch nicht abgeschlossen sei. Am Donnerstag soll die Vernehmung fortgesetzt werden. Der Anwalt des leiblichen Vaters von Leonie, der als Nebenkläger vor Gericht auftritt, berichtete, dass die Mutter den Angeklagten schwer belastet habe. Demnach war die Mutter zum Zeitpunkt des angeblichen Treppensturzes nicht in der Wohnung. Nach ihrer Rückkehr soll ihr früherer Lebensgefährte sie aber daran gehindert haben, die Rettungskräfte zu verständigen. Der Angeklagte hatte erst Stunden später den Notarzt gerufen und behauptet, die Sechsjährige sei eine Treppe hinunter gefallen.

Schutz der Mutter und Kinder überwiegt

Den Ausschluss der Öffentlichkeit begründete Richter Jochen Unterlöher am Montag damit, dass die schutzwürdigen Interessen der Frau und ihrer Kinder schwerer wiegen als das Interesse der Öffentlichkeit. Ein Anwalt der 25-jährigen Mutter hatte den Antrag gestellt. Ein Psychiater habe "eine weitere psychische Schädigung" für die Zeugin befürchtet, wenn diese vor Besuchern im Saal aussagen müsste. Im Antrag war auch die Rede davon, dass Leonies Mutter vom Angeklagten misshandelt worden sein soll. Die Mutter ist für die Anklage die einzige Zeugin aus dem Familienhaushalt, in dem noch ein jüngerer Bruder von Leonie und ein gemeinsames Baby des Paares lebten.

Vorwurf: Rettungskräfte zu spät informiert

Dem 28-jährigen Stiefvater von Leonie wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen dermaßen misshandelt haben, dass es infolge der Verletzungen am 12. Januar starb. Der Mann schweigt bisher vor Gericht, will sich aber nach der Anhörung der Mutter äußern. Auch gegen die Mutter wird ermittelt: Ihr wird Tötung durch Unterlassen vorgeworfen, weil sie keine Hilfe holte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 21.10.2019 | 16:00 Uhr

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