Stand: 10.04.2018 18:43 Uhr

Kriminalitätsstatistik mit Licht und Schatten

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Bei den Wohnungseinbrüchen gab es in MV einen deutlichen Rückgang. (Archivbild)

Die Zahl der Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern ist 2017 auf den tiefsten Stand seit Erhebung der Daten gesunken. Wie Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 110.337 Straftaten registriert. Das sei ein Rückgang von mehr 10,3 Prozent gegenüber 2016. "Mecklenburg-Vorpommern ist ein sicheres Land", sagte Caffier. Die Aufklärungsquote lag mit 62 Prozent knapp unter der des Vorjahres (-0,8 Prozent).

Deutlich weniger Diebstähle und Einbrüche

Der Innenminister wies darauf hin, dass die rückläufige Entwicklung durch eine starke Abnahme aufenthaltsrechtlicher Straftaten begünstigt worden sei. Ohne diese nahm die Straftatenzahl laut Caffier immer noch um 6,1 Prozent (7.074 Fälle) ab. Größere Rückgänge gab es unter anderem beim Diebstahl (34.708 Fälle/-12 Prozent) und bei den Wohnungseinbrüchen (1.180 Fälle/-20 Prozent). Im Bereich Diebstahl lag die Aufklärungsquote bei rund 31 Prozent. Caffier kündigte an, dass die norddeutschen Bundesländer ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen würden, um insbesondere mobilen Tätergruppen auf die Spur zu kommen.

Acht Prozent der Enkeltricks-Betrügereien erfolgreich

Auch bei den Raub- und Betrugsdelikten konnte Caffier auf sinkende Fallzahlen verweisen. Der Minister verwies darauf, dass in diesem Segment insbesondere ältere Menschen hohen Risiken ausgesetzt seien. So seien im vergangenen Jahr etwa 1.000 Fälle registriert worden, in denen sich die Täter als vermeintliche Enkel oder Polizeimitarbeiter ausgegeben hätten. Trotz intensiver Aufklärung über diese speziellen Betrugsmaschen sei es in rund acht Prozent der Fälle zu Geldzahlungen an die Täter gekommen. Caffier appellierte in verdächtigen Situationen, unbedingt misstrauisch gegenüber Unbekannten zu bleiben und im Zweifel die Polizei zu rufen.

Mehr Sexualdelikte, Rauschgiftdelikte und Straftaten gegen das Leben

Entgegen dem Gesamt-Trend verzeichnet die Statistik bei Straftaten gegen das Leben einen Steigerung. Hierzu zählen Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung. Die Statistik weist 55 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte aus, 10 mehr als im Jahr davor. Knapp 90 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Auch bei den Sexualdelikten wurde ein Zuwachs verzeichnet. Dies liege aber auch daran, dass seit einer Strafrechtsänderung sexuelle Belästigung, die zuvor nur als Beleidigung gewertet wurde, nunmehr als Sexualdelikt gilt, so Caffier. Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg um neun Prozent auf 5.944 Fälle an.

Schwerin mit höchster Kriminalitätsbelastung

Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns gibt es große regionale Unterschiede: So hatte Schwerin mit 12.201 Fällen pro 100.000 Einwohner die höchste Kriminalität. In Rostock betrug dieser Wert 9.075. Am geringsten war die Kriminalität dagegen im Landkreis Rostock. Zwar seien höhere Zahlen für dicht besiedelte Gebiete typisch, dennoch müsse genauer untersucht werden, warum Schwerin so deutlich herausrage, sagte Thomas Krense vom Landeskriminalamt.

"Jeder zweite ausländische Straftäter ein Zuwanderer"

Mit Sorge sieht Caffier die Entwicklung der Zuwanderer-Kriminalität: "Insgesamt ist etwa jeder zweite ausländische Straftäter ein Zuwanderer." Die von ihnen begangenen Straftaten erhöhten sich um 25 Prozent auf 4.500 Fälle, meist waren es Körperverletzungen, die sich häufig gegen andere Zuwanderer richteten, Ladendiebstähle oder Schwarzfahren. Aufenthaltsrechtliche Verstöße ausgenommen gab es insgesamt 43.431 Tatverdächtige, hiervon waren 5.965 Nichtdeutsche - die meisten von ihnen waren Syrer, gefolgt von Polen und Rumänen.

Caffier: Schwerstkriminelle auch nach Syrien abschieben

Der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer in der jugendlichen Altersgruppe erhöhte sich um annähernd 58 Prozent. "Der Abschiebestopp für Syrien wird offenbar von manchem als Einladung für gesetzeswidriges Verhalten interpretiert. Das dürfen wir nicht dulden", erklärte Caffier. Er sprach sich dafür aus, Schwerstkriminelle auch nach Syrien abzuschieben.

Linke: Lage bei Polizei nicht schönreden

Caffier verteidigte erneut die Polizeireform der vergangenen Jahre: Die hohe Aufklärungsquote von 62 Prozent sei das Ergebnis einer guten und durchdachten Organisationsstruktur. Die Polizei stehe vor neuen Herausforderungen, die Aufklärung werde in Zeiten des Internets immer komplexer. Um die Massen an digitalen Beweismitteln auszuwerten, brauche es nicht nur Rechen- sondern auch Manpower. Die Linksfraktion sprach von einem untauglichen Versuch, die Lage bei der Polizei schönzureden. Die hohe Aufklärungsquote sei ein Verdienst der Polizisten. Die AfD forderte angesichts der steigenden Zuwanderer-Kriminalität ein härteres Durchgreifen des Rechtsstaates.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.04.2018 | 16:00 Uhr

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