Stand: 15.02.2019 16:27 Uhr

Wir können uns Funklöcher nicht mehr leisten

In ländlichen Regionen klagen viele Menschen über ein schwaches Netz. Mit dem Mobilfunkstandard 5G sollte sich das eigentlich ändern - versprochen wurde "schnelles Internet an jeder Milchkanne". Das aber wird es - nach jetzigem Stand - nicht geben. Deshalb haben Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz den Bund aufgefordert, eine Gesamtstrategie zum Glasfaserausbau und zur Mobilfunkversorgung zu entwickeln. Die beiden Länder fürchten, dass noch mehr Menschen und Firmen aus ländlichen Regionen abwandern.

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Falsche Anreize könnten auch beim 5G-Aufbau zum Problem werden, meint Jürgen Webermann.

Schnelles Internet an jeder Milchkanne, das mag etwas plump klingen. Aber diese Forderung ist richtig. Mecklenburg-Vorpommern wird sie in den Bundesrat einbringen. Im Schweriner Landtag ist die Forderung - für mich wenig verwunderlich - auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Denn Mecklenburg-Vorpommern wäre sonst eines jener Bundesländer, in denen weiterhin Funklöcher drohen. Funklöcher, die die Bundesregierung eigentlich längst schließen wollte, dies aber selbst bei den derzeitigen 4G-Standards nicht geschafft hat. Eine viel diskutierte Studie ergab, dass sogar Albanien eine bessere Netzabdeckung hat als Deutschland.

Ein Grund: falsche Anreize. Genau das könnte auch das Problem beim 5G-Aufbau sein. So wie er jetzt geplant ist, wird es keine Vollabdeckung geben. Zudem setzt der Bund auf ein Roaming-Verfahren, bei dem die Mobilfunk-Anbieter zusammenarbeiten sollen, damit nicht alle überall eigene Masten bauen müssen. Wie das funktionieren soll? Bisher weiß das niemand!

Digitale Revolution macht nicht vor Milchkannen halt

Was der Bundesregierung nicht ganz klar zu sein scheint: Die digitale Revolution macht eben nicht vor den Milchkannen halt. Im Gegenteil: Auch die Landwirtschaft wird immer vernetzter, smarter und digitaler. Und gerade für ländliche Regionen bietet die Digitalisierung eine große Chance. Sie könnte es vielen Menschen ermöglichen, die Jobs, für die sie bisher in die Städte gependelt oder gezogen sind, künftig auch aus einer ländlichen Region zu erledigen. Auch von der Telemedizin könnte gerade der ländliche Raum enorm profitieren. Die Gegenden, in denen aber Funkstille herrscht, werden auf Dauer komplett abgehängt. Mit anderen Worten: Wir können uns Funklöcher nicht mehr leisten.

Staat könnte auf Auktionserlöse verzichten

Eine flächendeckende Versorgung mit 5G würde jedoch auch sehr teuer. Also muss das Auktionsverfahren auf den Prüfstand. Wenn die Mobilfunkanbieter für horrende Summen Lizenzen ersteigern müssen, um überhaupt beim 5G dabei zu sein, wird ihnen das Geld für den Aufbau einer wirklich flächendeckenden Infrastruktur fehlen.

Hier könnte der Staat einspringen: Statt den Konzernen in der Auktion jeden Euro abzupressen, könnte er auf einige Milliarden Euro Auktionserlös verzichten. Angesichts der großen Chancen, die ein flächendeckend ausgebautes 5G-Netz für die gesamte Wirtschaft bietet, wäre das sehr gut angelegtes Geld.

Weitere Informationen

Bundesrat: MV dringt auf Mobilfunk-Vollabdeckung

Mecklenburg-Vorpommern pocht auf eine 100-prozentige Versorgung mit dem Mobilfunkstandard 5G auch in ländlichen Gebieten. Das Land hat eine entsprechende Initiative im Bundesrat eingebracht. mehr

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NDR Info | Kommentar | 15.02.2019 | 17:08 Uhr

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