Der Durchmesser einer Kiefer wird ermittelt © NDR Foto: Franziska Drewes

Inventur von 558.000 Hektar Wald in MV

Stand: 16.06.2021 06:11 Uhr

Mitarbeiter der Landesforst MV begutachten derzeit Waldflächen mittels Stichprobenverfahren. Die Bundeswaldinventur wird alle zehn Jahre durchgeführt. Mecklenburg-Vorpommern hat insgesamt eine Waldfläche von rund 558.000 Hektar.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Über Deutschland wurde ein spezielles Raster gelegt, um alle Waldflächen für die Untersuchung zu ermitteln. Ein Ort des Geschehens in Mecklenburg-Vorpommern ist der Naturpark bei Neukloster. Mitten in dem Mischwald sind Jannik Haefke und Kevin Eismann mit einem Magnetsuchgerät unterwegs. Die Forstinspektoren der Landesforstanstalt suchen nach einem Eisennagel im Waldboden, dabei helfen ihnen auch Koordinaten. Auf einmal piept es sehr laut, denn das Gerät hat den Eisennagel entdeckt. Dort befindet sich einer von insgesamt rund 80.000 Stichprobenpunkten der Bundeswaldinventur. Genau diese Waldstücke werden alle 10 Jahre nach bundesweit einheitlichen Kriterien immer wieder untersucht.

Über 150 Merkmale werden aufgenommen

Über 150 Merkmale werden pro Probepunkt aufgenommen. Unter anderem wird geschaut, welche Baumarten überwiegen, einheimische oder fremdländische. Forstinspektor Jannik Haefke misst mit einem speziellen Maßband den Durchmesser einer Kiefer. Er liegt bei 65,6 Zentimetern und zeigt an, dass die Kiefer innerhalb der letzten zehn Jahre etwa zwei Zentimeter dicker geworden ist.

Sein Kollege Kevin Eismann tippt die Daten in den Feldcomputer, den er um den Hals trägt. Er hält auch fest, dass die Kiefer keine Schäden an der Krone aufweist und es am Stamm keine Löcher, etwa vom Specht, gibt. "Anhand dieser Daten kann man Hochrechnungen machen, wieviel Holz in den Wäldern durchschnittlich zuwächst und wieviel Holzvorrat wir überhaupt haben", so Eismann. Die beiden Forstinspektoren vermessen auch Totholz, denn es übernimmt im Wald wichtige Funktionen. Es speichert Wasser und Kohlenstoff und ist Lebensraum für selten gewordene Käfer.

Erstmals genetisches Material untersucht

Zehn Mitarbeiter der Landesforst sind gerade in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs. Sie sind für insgesamt rund 6000 Stichprobenpunkte zuständig. Katja Lindenkreuz koordiniert die Waldinventur. Ihre Kollegen entnehmen erstmals auch Proben der Kiefer, Eiche, Fichte, Weißtanne und Buche, damit das genetische Material im Labor untersucht werden kann. "Das ist wichtig, weil wir immer noch am Anfang stehen bei der Erkenntnis, wie klimastabil unsere Wälder sind. Gibt es vielleicht Regionen, wo die Buche trockenresistenter ist als woanders. Könnte man diese Buche vielleicht woanders anpflanzen, bevor man die Vielfalt erhöht durch fremde Baumarten wie zum Beispiel die Roteiche, die Douglasie oder verschiedene Tannenarten."

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Inventur läuft bis Ende 2022

Bis Ende nächsten Jahres werden die Daten erfasst, dabei zählen alle Eigentumsformen mit, Landeswald, kommunaler oder auch Privatwald. Die Eigentümer werden nicht informiert, dass ihre Flächen Teil des Bundeswaldinventur sind. Andernfalls könne nicht garantiert werden, dass die Proben weiterhin völlig unbeeinflusst bewirtschaftet würden, erklärt Katja Lindenkreuz das Vorgehen. Ihre beiden Kollegen aus Neukloster, Jannik Haefke und Kevin Eismann, sind nun nahezu täglich im Wald unterwegs. Jannik Haefke macht seine Arbeit gern, denn er weiß, dass die aufgenommenen Daten dabei helfen, Aussagen über die Waldentwicklung, die Forstentwicklung und den Waldzustand treffen zu können. Und Kevin Eismann fügt hinzu: "Wir legen so den Grundstein dafür, wie die nächsten zehn Jahre der Wald behandelt wird."

Ergebnisse für 2024 geplant

Das Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde wertet alle Informationen im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus. Ergebnisse soll es 2024 geben. Auf Grundlage der Bundeswaldinventur werden forst-, wirtschafts- und umweltpolitische Entscheidungen getroffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.06.2021 | 05:30 Uhr

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