Stand: 12.08.2020 10:27 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Große Lücken bei Medizinchecks an Schulen in MV

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Ein Arzt untersucht ein Kind © NDR / SH Magazin
Bei den obligatorischen Medizin-Checks in den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns gibt es große Lücken. (Archivbild)

Mecklenburg-Vorpommern vernachlässigt offenbar den Gesundheitsschutz bei Schülerinnen und Schülern. Gut 25 Prozent aller Viertklässler haben nach neuesten Angaben keine schulärztliche Untersuchung bekommen, obwohl das gesetzlich vorgeschrieben ist. Das geht aus einer Antwort des Landesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Große regionale Unterschiede

Die neuesten Zahlen für das Schuljahr 2018/2019 zeigen auch: Regional gibt es bei den obligatorischen Medizinchecks in den Schulen große Unterschiede. In Rostock und den beiden Vorpommern-Kreisen wurden mindestens 90 Prozent aller Viertklässler untersucht, in Schwerin waren es dagegen nur 11 Prozent. Ähnlich unterschiedlich sieht es bei den Achtklässlern aus, auch hier ist eine medizinische Untersuchung laut Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst eigentlich Pflicht.

Ministerium verweist auf Personalmangel

Landesweit wird aber nur jeder zweite in der achten Klasse untersucht, auch hier schneidet Schwerin mit 16 Prozent schlecht ab. Auf NDR Anfrage erklärte die Stadt, krankheitsbedingt habe es 2018 nur ein Team für die Untersuchungen gegeben, seit Juli 2019 sei außerdem die zweite Arztstelle im kinderärztlichen Dienst nicht besetzt. Auf eine Stellenanzeige habe es bisher keine Bewerbung gegeben. Das zuständige Gesundheitsministerium erklärte, die Landkreise und kreisfreien Städte müssten genügend Personal in den Gesundheitsämtern "vorhalten". Das Ministerium räumte Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung in den Gesundheitsämtern ein. "Die Ursache, dass nicht 100 Prozent der Viert- und Achtklässler schulärztlich untersucht werden liegt darin, dass mehr Personal gebraucht wird."

 

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Verbesserungen im Zuge der Corona-Pandemie geplant

Ärzte für den öffentlichen Gesundheitsdienst zu gewinnen, sei eine Herausforderung. Sie würden dort wie Verwaltungsangestellte bezahlt und damit schlechter als in Krankenhäusern oder Praxen, so das Ministerium. Ein Sprecher verwies auf die angekündigten Verbesserungen angesichts der Corona-Pandemie. Der Bund habe einen "Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst" angekündigt. Das Land bringe sich in den Diskussionen ein.

"Eine E 15 lockt keinen Arzt hinter dem Ofen vor"

Die Linke spricht von erschütternd mangelhaften Zahlen, das Land missachte sein eigenes Gesetz. Es müsse den eigenen Ansprüchen gerecht werden und die Gesundheitsämter endlich besser ausstatten. Dazu gehöre auch eine bessere Bezahlung des Personals. "Eine E 15 lockt keinen Arzt hinter dem Ofen vor", so Fraktionschefin Simone Oldenburg. Sie bemängelte auch, dass die Landesregierung noch keine Angaben über das abgelaufenen Schuljahr habe - "sie lassen Schlimmes erahnen", meinte Oldenburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 12.08.2020 | 05:30 Uhr

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