Stand: 09.05.2019 20:39 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Flughafen Parchim stellt Insolvenzantrag

Der Flughafen Schwerin-Parchim ist pleite. Die Betreibergesellschaft Baltic Airport Management GmbH habe am 2. Mai einen Insolvenzantrag gestellt, teilte ein Sprecher des Amtsgerichts Schwerin am Donnerstag mit. Über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens sei aber noch nicht entschieden worden. Vom Unternehmen war bisher niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zuletzt kaum noch Betrieb auf Gelände

Die Insolvenz hatte sich seit Längerem angekündigt. Seit Monaten tut sich kaum noch etwas auf dem Airport-Gelände am Rande der 18.000-Einwohner-Stadt Parchim. Zum Jahresbeginn war bereits den Mitarbeitern im Warenverkehr gekündigt worden. Der chinesische Investor Jonathan Pang hatte den einstigen Militärflughafen mit 24-Stunden-Genehmigung und drei Kilometer langer Startbahn 2007 vom Landkreis gekauft.

Viele Millionen vom ursprünglichen Kaufpreis erlassen

Ursprünglich waren 30 Millionen Euro als Kaufpreis vereinbart worden, doch der Landkreis erließ nach langen Verhandlungen zwölf Millionen Euro. In den Folgejahren baute der Investor einen neuen Kontrollturm sowie eine Frachthalle und sanierte die Landebahn. Später wartete die Lufthansa in Parchim Flugzeuge. 2016 wurde für die Mitarbeiter zwischenzeitlich Kurzarbeit angemeldet.

Ambitionierte Pläne - nicht verwirklicht

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Der Flughafen Schwerin-Parchim hat sogar eine 24-Stunden-Fluggenehmigung. (Archivbild)

Pang wollte den Flughafen zu einem Drehkreuz im Warenverkehr zwischen China und Europa ausbauen. Zudem war der Bau einer Shopping-Mall geplant, zu der chinesische Kunden für zollfreie Luxus-Einkäufe eingeflogen werden sollten. Verwirklicht wurde beides nicht. Pang hatte mehrere Versuche gestartet, im deutschen Flughafen- und Fluggeschäft Fuß zu fassen. So hatte er 2016 erfolglos für den Airport Frankfurt-Hahn geboten. Später wollte er die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin kaufen, kam aber auch dort nicht zum Zug.

Landrat: Mögliche Fördermittel-Rückzahlungen prüfen

Der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), reagierte mit Bedauern auf die aktuelle Entwicklung beim Flughafen. Über die Jahre seien große Hoffnungen geweckt worden. "Da hängen ja auch Arbeitskräfte dran. Das macht mich schon betroffen. Auf der anderen Seite entsteht jetzt vielleicht auch eine neue Chance", sagte Sternberg NDR 1 Radio MV. Zu nun entstehenden möglichen Nachteilen für den Landkreis könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. "Das müssen wir prüfen, wenn wir wissen, was jetzt überhaupt als Nächstes passiert." Mögliche Fördermittel-Rückzahlungen müssten geprüft werden, so der SPD-Politiker. "Einige Bindungsfristen sind abgelaufen, einige nicht."

IHK: Flughafen hat großes Potenzial

Die Wirtschaft in Westmecklenburg gibt trotz des Insolvenzantrags die Hoffnung nicht auf, dass Schwerin-Parchim noch eine Erfolgsgeschichte wird. Ungeachtet der aktuellen Situation schätze er das Potenzial des Flughafens als sehr groß ein, erklärte der Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin, Siegbert Eisenach.

Der zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg gelegene Airport sei als einer von fünf Regionalflughäfen im norddeutschen Luftverkehrskonzept verankert und habe aufgrund seiner 24-Stunden-Fluggenehmigung strategische Bedeutung insbesondere für die Luftfracht. "Dieser regionale Standortvorteil muss aus unserer Sicht zwingend aufrechterhalten bleiben", forderte Eisenach.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.05.2019 | 16:30 Uhr

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