Stand: 02.09.2020 14:18 Uhr

Fall Bergisch Gladbach: Drei Durchsuchungen in MV

Ein Schattenspiel von sich streitenden Menschen. © picture alliance Foto: Maurizio Gambarini
Der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zieht immer weitere Kreise. (Symbolbild)

Die Ermittlungen im Zuge des Missbrauchskomplexes Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) ziehen immer weitere Kreise - auch bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Von den Durchsuchungen am Dienstag in zwölf Bundesländern waren auch drei Objekte im Nordosten betroffen. Wo genau diese Verdächtigen wohnen, teilten die Ermittler nicht mit.

Durchsuchungen bei 50 Verdächtigen

Insgesamt wurden 60 Gebäude von 50 Verdächtigen durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln stehen bundesweit 48 Männer und zwei Frauen im Fokus. Ins Rollen gebracht wurde das alles durch eine Durchsuchung im Oktober 2019 bei einem Familienvater in Bergisch Gladbach bei Köln. Bei ihm hatte die Polizei Tausende Bilder und Videos gefunden. Ausgangspunkt für die weiteren Ermittlungen war ein Chat in einem Messenger, in dem kinderpornografisches Material ausgetauscht wurde. Der Betreiber des Chats half bei der Ermittlung der Klarnamen der mutmaßlichen Täter - dies führte nun zu den Durchsuchungen.

Kinderpornografisches Material - 2.000 Beweismittel sichergestellt

Bei den Ermittlungen geht es um die Verbreitung und den Besitz von kinderpornografischem Material. Rund 2.000 Beweismittel hatten die Beamten sichergestellt, diese müssten nun ausgewertet werden, hieß es. Auch zwei verschlossene Tresore fanden sie. Noch unklar ist, was sich darin befindet.

Ermittlungen gegen rund 30.000 Personen

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft werden sich die Ermittlungen noch über Jahre hinziehen. Die Ermittler setzen nach eigenen Angaben immer mehr Puzzleteile zusammen, um betroffene Kinder zu finden und die Täter zu fassen. Schon mehrfach hatten die Ermittler von einer Art "Schneeball-System" gesprochen: Mit jedem Verdächtigen würden sich weitere Ermittlungen ergeben. Das summiere sich mittlerweile auf 30.000 Personen, gegen die die Behörden im Zusammenhang mit dem Fall Bergisch Gladbach ermitteln.

"Leid der Kinder soll beendet werden"

"Vor allem das Leid der Kinder soll beendet werden", sagte Kriminaldirektor Michael Esser bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Köln. Man habe zwar noch nicht alle Täter, aber es würden alle Register gezogen. "Keiner der Täter, die noch nicht entdeckt wurden, soll noch ruhig schlafen können."

Weitere Informationen
Ein Polizist steht vor Einsatzfahrzeugen. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte

Kindesmissbrauch: Razzien in Norddeutschland

Fahnder haben im Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauchs-Komplex Bergisch Gladbach bundesweit 50 Wohnungen durchsucht - auch im Norden. Details werden am Mittwoch in Köln bekannt gegeben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.09.2020 | 12:00 Uhr

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