Stand: 16.03.2020 16:57 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Deponie Ihlenberg: Umweltfragen ungeklärt

Die Deponie Ihlenberg bei Schönberg in einer Luftaufnahme. © dpa
Während nach wie vor jeden Tag Altlasten auf der Deponie landen, bleiben viele Umweltfragen ungeklärt (Archivbild).

Die Deponie Ihlenberg hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Erst kürzlich waren beide Geschäftsführer der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG) vorzeitig gegangen. Unterdessen wächst Europas größte Sondermülldeponie weiter, jeden Tag werden Tonnen von Altlasten auf das Gelände gefahren. Ein großes Thema, das Bürgerinitiative, Naturschützer und Experten diskutieren, ist die Luftverschmutzung: Immer wieder fordert die Gemeinde Selmsdorf neue Luftmess-Stationen im Umfeld der landeseigenen Deponie. Es geht um die Frage, ob Bauschutt, Aschen, Brandabfälle, Schlämme und belastete Böden Schadstoffe absondern, möglicherweise auch geruchlose Schadstoffe. Bisher wurden die Forderungen der Gemeindevertreter abgelehnt - aus Kostengründen. Entsprechend Streit gibt es zwischen Bürgern und dem zuständigen Umweltministerium.

Klagen gegen fehlende Umweltverträglichkeitsprüfungen

Auch der Zustand des Grundwassers unter der Deponie und die möglichen Auswirkungen durch giftiges Sickerwasser sind ein Thema. Der Naturschutzbund NABU in Mecklenburg-Vorpommern hat aktuell zwei Klageverfahren am Laufen, eins vor dem Verwaltungsgericht Schwerin und eins vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald. Themen sind zum einen die Genehmigung der Deponie als Ganzes, zum anderen geht es um einen bestimmten Teilbereich der Deponie, der weitergenutzt wird, ohne, dass es dazu eine Umweltverträglichkeitsprüfung gab, sagt NABU Landesgeschäftsführerin Dr. Rica Münchberger: "Unser Bestreben mit beiden Klagen ist es, dass jetzt geltendes Recht und erstmalig überhaupt auf diesem Gelände eine Umweltverträglichkeitsprüfung für irgendwas gemacht wird. Wir wollen, dass das, was dort abgelagert wird, so sicher wie möglich abgelagert wird.“

Frühere Studien: Höheres Krebsrisiko für Mitarbeiter

2008 hatte eine Untersuchung der Universität Greifswald ergeben, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deponie Ihlenberg damals signifikant höher lag, als bei anderen Menschen aus der Region. Bei der Bevölkerung, die in einem Umkreis von 20 Kilometern um die Deponie lebt, wurden seinerzeit keine erhöhten Krebsraten festgestellt, so der zuständige Professor an der Universität Greifswald.

Neues Forschungsprojekt 2020

Aktuell untersuchen Wissenschaftler wieder, ob unter den Menschen, die auf dem Ihlenberg arbeiten oder gearbeitet haben, eine erhöhte Krebsrate besteht. Dabei handelt es sich um eine öffentlich geförderte Studie, die das Wirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben hat. Ergebnisse werden gegen Ende des Jahres erwartet.

Deponie soll 2035 geschlossen werden

Die landeseigene Sondermüll-Deponie Ihlenberg soll nach aktuellen Plänen im Jahr 2035 geschlossen werden. Die rot-schwarze Landesregierung hatte im vergangenen Herbst den Schließungstermin bestätigt. Sie hatte Ende 2019 außerem den Aufsichtsratsvorsitzenden der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG), Hans-Thomas Sönnichsen, abberufen. Der gelernte Diplom-Ingenieur stand bis dahin fast acht Jahre an der Spitze des Gremiums, das die Geschäfte in einem der größten Abfall-Betriebe Europas kontrolliert. Kritiker weisen im Streit um die Deponie immer wieder darauf hin, dass auch das aktuelle Konzept zur Schließung der Deponie nicht in Stein gemeißelt sei. Bis 2035 könne noch viel passieren, möglicherweise werde der Plan in späteren Jahren noch einmal gekippt.

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NDR 1 Radio MV | 16.03.2020 | 16:40 Uhr

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