Michael Sack © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Corona-Zahlen Anlass für Koalitions-Streit?

Stand: 08.02.2021 16:44 Uhr

Für den CDU-Landrat in Vorpommern-Greifswald werden die hohen Corona-Zahlen immer mehr zum Problem. Sack unternehme nichts, heißt es bei der SPD, härte Maßnahmen ließen jedenfalls auf sich warten. Die CDU findet die Vorwürfe "menschlich unanständig".

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Wird die Corona-Krise zum Spaltpilz in der Schweriner Koalition und zum Schlamm-Schlacht-Thema im Landtagswahlkampf? Die SPD hat sich den Spitzenkandidaten der CDU, Michael Sack, vorgenommen und wirft ihm schlechtes Krisenmanagement vor. Sack ist Landrat in Vorpommern-Greifswald. Dort werden landesweit die höchsten Corona-Zahlen registriert, die Inzidenz liegt bei über 200. "Was läuft hier schief?", fragte provozierend der SPD-Landtagsabgeordnete Philipp da Cunha - und hatte dabei Sack im Blick. Dass es politisch ungemütlich für den CDU-Spitzenmann werden könnte, deutete sich schon am vergangenen Freitag an. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) referierte in ihrer Pressekonferenz nach dem Kabinett über die Corona-Lage. Für weitere Lockerungsschritte müssten die Corona-Zahlen weiter nach unten gehen, wie das schon in vielen Kreisen passiere, sagte die Ministerpräsidentin. Gerade in Hotspots müsse "konsequent gehandelt werden, damit für das ganze Land mehr möglich ist." Dort - gemeint war Vorpommern Greifswald - müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden.

Schwesig macht Sack für ausbleibende Lockerungen verantwortlich

Was Schwesig damit durch die Blume sagte: Wenn Landrat Sack die Lage in seinem Kreis nicht in den Griff bekomme, könne es wohl keine Lockerungen geben. Macht die SPD also schon mal vorsorglich den CDU-Landrat und Spitzenkandidaten mitverantwortlich für die Verlängerung des Lockdowns? Der Vorstoß von da Cunha legte das nahe. Die Situation in Vorpommern-Greifswald werde immer dramatischer, schrieb da Cunha auf Twitter. Es passe nicht, wenn Sack in der aktuellen Lage Lockerungen fordere. Der CDU-Landesvorsitzende hatte sich für Öffnungen bei Frisören und im Einzelhandel ausgesprochen. SPD-Mann da Cunha erklärte: "Eigentlich müsste vor Ort ein noch viel stärkeres Engagement sein, um die Zahlen runterzubekommen, man müsste Appelle hören, dass die Menschen sich einschränken sollen und auch auf eigenen Kappe Kontakte reduzieren." All das passiere nicht, stattdessen kritisiere Sack die Landesregierung. "Das halte ich für unangemessen", so da Cunha im Gespräch mit dem NDR.

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CDU: Vorwürfe gegen Sack "menschlich unanständig"

Die CDU reagierte auf die Vorwürfe angesäuert. Die SPD-Taktik sei ebenso einseitig wie durchsichtig, hieß es. Sack selbst konterte die Vorwürfe nicht. Die Abteilung Attacke überließ er seiner Stellvertreterin, der Vize-CDU-Landesvorsitzenden Ann-Christin von Allwörden. Die Behauptung, die hohen Zahlen in Vorpommern-Greifswald hätten etwas mit schlechtem Krisenmanagment zu tun, nannte sie infam. Hier werde versucht, Wahlkampf der peinlichen Art zu machen. Von Allwörden mahnte "Redlichkeit und Anstand" an. Auch der CDU-Gesundheitsexperte und Schweriner Landtagsabgeordnete Sebastian Ehlers meinte, die Vorwürfe gegen Sack seien menschlich unanständig. "Es ist doch Fakt, dass alle grenznahen Kreise die Probleme mit hohen Corona-Zahlen haben." Lokale Ausbrüche in Pflegeheimen mit hohen Inzidenzwerten habe es auch in SPD-geführten Landkreisen gegeben, beispielsweise in Ludwigslust-Parchim. "Das haben wir als CDU nicht thematisiert. Das muss die SPD wissen, ob sie mit solchen Sachen jetzt Wahlkampf machen will."

Linke unterstützt die SPD

Schützenhilfe bekam die SPD von der oppositionellen Linken. Sack sei mit seiner Forderung nach schnellen Lockerungen unglaubwürdig. "Dass ausgerechnet das Oberhaupt des Landkreises mit den höchsten Corona-Zahlen im Land hier die Stimme erhebt, muss doch sehr verwundern", meinte die Abgeordnete Jeannine Rösler mit Wahlkreis in Vorpommern-Greifswald. Sie erwarte, dass Sack, aber auch CDU und SPD in Regierungsverantwortung an einem Strang ziehen, um die Infektionszahlen landesweit zu drücken.

Schwesig wirbt mit Musik

Unterdessen wird in CDU-Kreisen gefragt, wo eigentlich Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) sei. Der Sozialdemokrat veröffentlichte auf Twitter Fotos vom sonnigen Winterspaziergang mit seiner kleinen Tochter. Die Natur am Strand von Ueckermünde zeige sich von ihrer schönsten Seite, schrieb Dahlemann. Die pandemische Lage im Kreis sei aber ernst. Die Aussage garnierte Dahlemann mit einem Schreckens-Emoji. Gar nicht gut kommt in Teilen der CDU auch der neueste Werbefeldzug der Ministerpräsidentin in den sozialen Medien an. Im Stil eines lächelnd-lockeren Pop-Stars lässt Schwesig ihre Lieblingstitel unter die Leute bringen. Das Motto: "Manus Musik". Im Netz erntete sie für den Einblick ins Private nicht nur Zustimmung, im Lockdown und während der Corona-Krise sei diese Art der Polit-Werbung nicht das richtige. Ein Song aus Schwesigs Play-List heißt: "This girl is on fire." Die Aktion kommentierte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg eher lapidar: Die Ministerpräsidentin müsse für sich selbst entscheiden, ob und wann sie die politische Bühne mit der PR-Bühne tauscht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.02.2021 | 13:00 Uhr

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