Stand: 09.11.2012 16:25 Uhr

Alle Stolpersteine in Greifswald gestohlen

Einwohner zeigen sich schockiert: "Uns fehlen die Worte" heißt es auf einem anderen Plakat.

Am Jahrestag der Pogromnacht im November 2012 haben Unbekannte in Greifswald alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen. Die insgesamt elf Gedenksteine waren in den vergangenen Jahren vom Kölner Künstler Günter Demnig entworfen und an zahlreichen Stellen in der Stadt in die Fußwege eingelassen worden. Die Steine erinnern an die während des Nationalsozialismus deportierten und getöteten Juden.

Polizei vermutet politisches Motiv

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und geht derzeit von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus.

Die Polizei setzte eine Belohnung von 2.500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. "Ich verurteile diesen hinterhältigen Anschlag aufs Schärfste", sagte Polizeipräsident Knut Abramowski. Die Polizei werde alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreifen, um den oder die Täter schnellstmöglich zu fassen.

Oberbürgermeister kündigt schnelle Lösung an

Oberbürgermeister Arthur König (CDU) zeigte sich betroffen und kündigte an, eine pragmatische Lösung zu finden, um schnellstens wieder an die aus Greifswald deportierten Juden zu erinnern. «Menschen, die bis heute nicht wahrhaben wollen, dass die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus vernichtet wurden, werden nicht die Oberhand gewinnen", sagte er.

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Am Jahrestag der Pogromnacht haben Unbekannte in Greifswald alle Stolpersteine aus dem Straßenpflaster gebrochen.

"Es ist besonders beschämend, wenn so etwas ausgerechnet am Jahrestag der Pogromnacht geschieht", sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Norbert Nieszery. Von einer "pietätlosen Schändung", die die Opfer des NS-Regimes verhöhnt, sprach der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Wolf-Dieter Ringguth.

Mitglieder des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises legten am Freitag an den betroffenen Orten Blumen nieder. Bürger zeigten sich schockiert. "Hier fehlt ein Stolperstein. Uns fehlen die Worte", hieß es auf einem Plakat in der Brüggstraße.

Auftakt zur systematischen Judenverfolgung

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nationalsozialisten Synagogen in ganz Deutschland in Brand gesteckt. Sie demolierten damals außerdem jüdische Friedhöfe und stürmten Wohnungen. Mehr als 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die Nacht gilt als Auftakt der systematischen Juden-Vernichtung.

Weitere Informationen

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Mit Tausenden Stolpersteinen in Gehwegen erinnert der Künstler Gunter Demnig an die NS-Opfer. Am Jahrestag der Reichspogromnacht finden überall im Norden Putz-Aktionen statt. mehr

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