Stand: 08.04.2011 23:55 Uhr

Acht Tote und Dutzende Verletzte auf A 19

Massenkarambolage auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock © dpa Foto: Bernd Wüstneck
Mehr als 250 Helfer von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Rettungsdiensten sind im Einsatz.

Bei einer Massenkarambolage sind am Freitagmittag auf der Autobahn 19 bei Kavelstorf nahe Rostock bis zu 80 Fahrzeuge ineinandergerast. Laut Polizei sind dabei mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Zunächst war von zehn Toten die Rede. Rund 90 Menschen wurden verletzt. 40 wurden in Krankenhäuser der Region gebracht. Notärzte und Feuerwehrleute konnten teilweise erst Stunden nach dem Massen-Crash Tote und Verletzte aus den Fahrzeugwracks bergen. Auch in der Nacht konnte die Polizei noch keine Angaben zur Identität der Opfer machen. Die Bergungsarbeiten dauern noch an und sollen sich bis zum frühen Morgen hinziehen. Seit Anbruch der Dunkelheit leuchtet das Technische Hilfswerk (THW) den Unfallort aus, Feuerwehrleute zogen die verkeilten Wracks auseinander.

Weitere Todesopfer befürchtet

Insgesamt sollen bei dem Unfall etwa 110 Menschen involviert gewesen sein. Wie schwer die Verletzungen der Betroffenen sind, war am Abend noch nicht zu überschauen. Weitere Todesopfer seien möglich, hieß es. Unter einem ausgebrannten Lastwagen ist noch ein Auto eingeklemmt, möglicherweise liegen noch ein oder mehrere Fahrgäste darin. "Das ist der schlimmste Verkehrsunfall, den Mecklenburg-Vorpommern je erlebt hat", sagte eine Polizeisprecherin. Die im beginnenden Wochenendverkehr stark befahrene Autobahn zwischen Rostock und Berlin wurde voll gesperrt. Die Sperrung zwischen Laage und Kavelstorf soll möglicherweise noch den ganzen Sonnabend andauern.

Sellering und Caffier zeigen sich betroffen

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) zeigte sich tief betroffen von dem folgenschweren Unfall. "Das ist ein schreckliches Unglück - mit so vielen Toten und Verletzten. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, schnell zu helfen. Mein Dank gilt allen Feuerwehrleuten, den Rettungskräften und all den anderen Helfern", erklärte Sellering. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach den Angehörigen der Unfallopfer sein Mitgefühl aus. Er sei tief betroffen über das Ausmaß des schrecklichen Massenunfalls, sagte der Minister, der unmittelbar nach Bekanntwerden zur Unfallstelle geeilt war. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) äußerte sich schockiert über das Unglück.

Rund 20 Fahrzeuge ausgebrannt

Die Massenkarambolage ereignete sich gegen 12.50 Uhr nahe der Anschlussstelle Rostock-Laage. Laut Polizei stießen in beiden Fahrtrichtungen Fahrzeuge zusammen. In Richtung Rostock gerieten 17 Autos und drei Lkw in Brand, darunter ein Gefahrguttransporter, wie ein Polizeisprecher sagte. Einer der Laster war offenbar mit einem Gefahrgut - Wasserstoffperoxid - beladen. Das Feuer griff auf einen Lkw über, der Holzwolle transportierte. Mehrere Menschen wurden in ihren Autos eingeklemmt. Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr waren mit rund 250 Einsatzkräften und sechs Rettungshubschraubern vor Ort. Die Feuerwehr brauchte mehrere Stunden, um die Flammen zu löschen. Bis zum Abend war die Fahrbahn in Richtung Berlin geräumt. Auf der Fahrbahn Richtung Rostock dauerten die Arbeiten dagegen an. Die Einsatzkräfte werden durch Psychologen und Seelsorger betreut.

Schwierige Bergungsarbeiten

Massenkarambolage auf der Autobahn A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock © dpa - Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Den Einsatzkräften bot sich ein Anblick des Schreckens.

Die Bergung der Verletzten gestaltete sich wegen der chaotischen Umstände vor Ort schwierig. Die Rettungskräfte versuchten, sich mit Mundschutz und Brillen vor dem feinen Ackerstaub zu schützen, der an der Unfallstelle mit nahezu 100 Stundenkilometern von den Feldern über die vierspurige Straße fegte. Um den Sand zu binden, besprühten zwei Tankwagen eines nahe gelegenen Guts das Feld nahe der Autobahn mit Wasser. Zudem sorgten ausweichende Autofahrer für volle Nebenstrecken, was die Bergung und den Transport der Verletzten zusätzlich erschwerte. Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in Rostock, Güstrow und Bad Doberan gebracht. "Wir haben Ärzte und Schwestern zurückgeholt, zusätzliche Betten vorbereitet", sagte der Ärztliche Direktor der Uniklinik Rostock, Professor Peter Schuff-Werner.

Sandwolke über der Autobahn

Bilder von der Massenkarambolage auf der A 19 nahe Rostock. © dpa Foto: Bernd Wüstneck
Heftiger Wind peitsche am Freitag im nördlichen Mecklenburg vielerorts Sand von den trockenen, kahlen Äckern.

Ursache war nach Angaben der Polizei in Rostock Sand und Erde, die ein Sturm von den Feldern links und rechts der Autobahn auf die vierspurige Fahrbahn wehte. Den Autofahrern in beiden Fahrtrichtungen wurde so schlagartig die Sicht genommen. Augenzeugen berichteten von einer regelrechten Wand, als sie in eine leichte Senke hinter einem Waldstück hineinfuhren. Auf der Fahrbahn lagen Sandverwehungen. Die Sichtweite soll unter zehn Metern betragen haben. Wie schnell die Autos tatsächlich gefahren sind, war am Freitagabend noch nicht ermittelt. An der Unfallstelle gilt kein Tempolimit. Die kriminaltechnischen Untersuchungen laufen.

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