Stand: 18.05.2020 17:25 Uhr

Kommentar: Reisen mit Eigenverantwortung gefragt

Die Chance auf Urlaub am Mittelmeer trotz Corona ist gestiegen, zumindest ein bisschen. Man brauche einen "kontrollierten Wiedereinstieg in den europäischen Tourismus", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag nach den Beratungen mit seinen Kollegen aus Spanien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Kroatien, Malta, Österreich, Portugal, Slowenien und Zypern. Die noch bis zum 14. Juni weltweit geltende Reisewarnung für Deutsche soll zumindest für die Europäische Union aufgehoben werden und durch individuelle Reisehinweise ersetzt werden.

Ein Kommentar von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio

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Markus Sambale erinnert beim Thema Reisen in Corona-Zeiten an die Eigenverantwortung.

Eine klare Antwort, wohin die Reise gehen kann - das wäre schön. Jetzt sicher zu wissen, welche gebuchte Sommerreise klappt, oder was wir jetzt noch schnell buchen können. Doch klare Antworten fehlen. Weiterhin. Der Bundesregierung kann man das allerdings nicht vorwerfen. Denn auch wenn der Rückgang neuer Corona-Infektionen europaweit Hoffnung macht: Wie sich die Pandemie entwickelt, das weiß niemand.

Fernreisen dürften diesen Sommer tabu sein

Beliebte Urlaubsländer wie Italien und Spanien sind von Corona besonders hart getroffen, lockern erst jetzt gerade ihre Ausgangssperren. Deshalb ist Vorsicht angesagt. Auch wenn es manche nervt. Die Reisewarnung bis Mitte Juni hat ihren Sinn. Klar ist: Fernreisen dürften diese Sommer tabu sein. Und auch jede Reise innerhalb Europas - sollte sie möglich sein - wird eine Corona-Reise sein. Ständiges Abstandhalten: im Café, am Strand und auf dem Wanderweg. Den Mundschutz griffbereit. Hygiene- und Schutzmaßnahmen überall. Und das Risiko, dass plötzlich ein Ort abgeriegelt, ein Hotel unter Quarantäne gestellt wird.

Ein Urlaub im eigenen Ferienhäuschen, die Anfahrt mit dem Auto - das klingt vorstellbar. Ein Party-Trip mit vollem Strand und vollen Clubs wird es definitiv nicht geben. Eigenverantwortung ist noch mehr gefragt als sonst. Die kann und sollte uns die Politik auch nicht abnehmen.

Bundesregierung muss auf einheitliche Regeln drängen

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Was aber muss die Bundesregierung trotzdem tun? Erstens: Weiter darauf drängen, dass es europaweit so viele einheitliche Regeln gibt wie möglich. Dass Grenzen wieder durchlässig werden und die pauschalen Quarantäne-Regelungen ein Ende haben - überall, wo es verantwortbar ist. Außerdem muss mehr Transparenz her, um die Corona-Ausbreitung im Blick zu behalten. Deshalb darf auch die Idee einer europaweiten Corona-App nicht aufgegeben werden, um Infektionen nachzuverfolgen. Wo, wenn nicht gerade für Urlauber, wäre sie nützlich?

Profit darf nicht vor Gesundheit gehen

Und es ist die gemeinsame Überzeugung nötig, dass Profit nicht vor Gesundheit gehen darf. Behörden vor Ort dürfen niemals die Augen vor Corona verschließen, wie es anscheinend zu Beginn der Pandemie beim Après-Ski in Ischgl passiert ist. Wer eine Reise plant, braucht Informationen über die Lage am Urlaubsort. Und zwar klarer, ausführlicher, aktueller und regionalisierter als derzeit. Die Reisehinweise auf der Homepage und in der Smartphone-App des Auswärtigen Amtes sind nützlich, doch muss man sich derzeit durch Textblöcke mit Behördendeutsch arbeiten. Hier wäre mehr Service angesagt.

Mehr als sonst sind wir alle gefragt, uns zu informieren und abzuwägen, ob es wirklich ein Urlaub im Ausland sein soll. Welche Risiken man eingehen möchte. Oder ob es lieber doch ein Urlaub daheim oder eine Deutschlandreise bleibt.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 18.05.2020 | 18:30 Uhr