Ein Mitarbeiter wischt einen Tisch an der Strandpromenade auf Norderney ab. © Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Kommentar: Können wir uns auf einen Sommerurlaub freuen?

Stand: 12.05.2021 15:28 Uhr

Hoteliers an Nord- und Ostseeküste sowie in Bayern und natürlich die Urlaubsländer in Südeuropa bereiten sich auf die vielen Erholungsuchenden vor, die bald kommen sollen. Und möglicherweise auch kommen dürfen, sofern die Inzidenzzahlen weiterhin niedrig bleiben.

Ein Kommentar von Cora Stephan, freie Autorin

Früher kam das Phänomen alle Jahre wieder, ab Juli: der Sommerurlaub. Heutzutage aber wissen wir nicht, wann es ihn je wieder geben wird. Vielleicht womöglich doch noch in diesem Jahr? Oder erst im Jahre 2022? Oder auch dann noch nicht? Nicht nur ein hässliches Virus, auch die sogenannten Maßnahmen dagegen lassen mittlerweile alle Fragen, die sich normale Menschen so stellen, im Ungewissen. Lebensplanung war gestern.

Besser zu Hause bleiben?

Cora Stephan © n.n. Foto: n.n.
Bei der Urlaubsplanung ist Spontaneität gefragt, meint Cora Stephan.

Natürlich gibt es eine besonders edle und ökologisch überaus verantwortungsvolle Haltung dazu: Sommerurlaub wird überschätzt und kann wegfallen. Schon wegen der Hitze. Und der vielen Leute, etwa auch noch an einem überfüllten und verdreckten Strand am Meer, inklusive Ballermann. Was man zu Fuß oder mit dem Rad erreichen kann, mag ja noch angehen. Aber eine Flugreise? Eine lange Autofahrt? Besser nicht. Fürs Klima und der Hygiene wegen: zu Hause bleiben! Bravo.

Die meisten anderen allerdings dürften sich fragen, wann es endlich Klarheit geben wird, wohin die Reise geht mit den regierungsamtlichen Maßnahmen. Die Antwort lautet: Klarheit gibt es nicht. Spontan sein ist alles. Und das in einem Land, das einst berühmt und berüchtigt war für seine - na, nennen wir es: Strukturiertheit.

Ironie beiseite. Vor allem Menschen mit Kindern dürften langsam verzweifeln. Kinder sind aller Voraussicht nach bis zum Sommer nicht geimpft. Wer in Deutschland bleibt, aber nach Mecklenburg-Vorpommern will, muss die Kleinen zu Hause lassen, denn in diese malerische und nur schwach bevölkerte Region dürfen nur Geimpfte einreisen. Wenigstens ist Menschen mit Zweitwohnung dort der Aufenthalt mittlerweile erlaubt, noch vor Kurzem sollte die Schriftstellerin Monika Maron ihres Häuschens verwiesen werden.

Man kann nichts verlässlich planen

Dann lieber ins Ausland. Doch das wird einem auch nicht gerade leichtgemacht: In manchen Ferienländern reicht ein negativer Test für die Einreise, in anderen wiederum nicht, dort muss man zusätzlich in Quarantäne gehen. Gut, man muss ja nicht unbedingt nach Israel, Estland oder Slowenien fahren. Doch man muss eventuell irgendwann auch wieder nach Hause, und dann geht der Spaß weiter. Wer aus Ländern zurückkehrt, die unverhofft zu Risikogebieten erklärt wurden, darf als Geimpfter einreisen, muss aber die ungeimpften Kinder in Quarantäne stecken. Und so weiter und so fort. Stand heute kann man nichts verlässlich planen und muss mit allem rechnen.

Also zu Hause bleiben, in der Hoffnung auf Tagesausflüge und geöffnete Biergärten? Auch hier ist nichts gewiss. Vielleicht dürfen Hotels und Gaststätten, sofern sie bis jetzt überlebt haben, ja sommers wieder öffnen. Aber unter welchen "Auflagen"? Eine völlig entnervte Familie mit Hotel und Restaurant beschreibt, was dann auf sie zukommen könnte: Die Gäste müssen registriert, Impfpass oder negativer Test überprüft werden. Theoretisch könnte ein Schnelltest vor Ort verabreicht werden, das muss allerdings unter Aufsicht geschehen. Das ist zeit- und personalaufwändig.

Richtig lustig wird es, wenn eine Gruppe Gäste vor der Tür steht, von der ein Teil vollständig geimpft ist, weitere Personen erst ein einziges Mal, andere ihre Genesung nachweisen müssen und Kinder unter 14 Jahren dabei sind. Wie soll das gehen? Diese Gastronomen haben beschlossen, erst zu öffnen, wenn der Spuk vorbei ist. Wann das sein wird? Ungewiss.

Modellregion Eckernförde lässt hoffen

Dabei gibt es Vorbildliches. Ein Hoffnungsschimmer erreicht uns etwa aus dem Ostseebad Eckernförde. Dort darf man bereits seit dem 19. April wieder Urlauber willkommen heißen. Restaurants und Cafés haben geöffnet, nicht nur draußen. Und obwohl viel getestet wird, gibt es nur wenige positive Ergebnisse. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag vor einigen Tagen bei 4,6. Also auf nach Eckernförde, wenn das der einzige Ort ist, an dem ein Aufenthalt so ist, wie man sich Urlaub vorstellt! Wir raten ab. Es steht zu befürchten, dass für einen solchen Ansturm der Platz nicht reicht.

Wie sagte noch Jan Josef Liefers? Verzweifeln Sie. Aber zweifeln Sie nicht. Auch wenn Sie keine Antwort darauf finden, warum Ihre Regierung auch nach einem Jahr Pandemie noch immer keine nachvollziehbaren Pläne für den Tourismussektor erarbeitet hat.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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NDR Info | Kommentar | 13.05.2021 | 09:25 Uhr