Stand: 14.02.2020 18:06 Uhr

Elektro-Autos: Scheitern ist keine Option

Ein Kommentar von Arne Schulz, NDR Info

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Arne Schulz ist der Meinung, dass der Wandel hin zur Elektro-Mobilität in Deutschland gelingen könne.

Die größte Gefahr für ein Unternehmen ist der eigene Erfolg. Kodak ging zugrunde, weil es die digitale Fotografie unterschätzte. Nokia verschlief den Wandel zum Smartphone. Und bei Volkswagen brauchte es den Dieselskandal, um zu begreifen: Der Verbrennungsmotor hat keine Zukunft.

Werden Volkswagen, Daimler & Co. die nächsten Kodaks, die nächsten Nokias? Volkswagen-Chef Herbert Diess hat dazu kürzlich eine bemerkenswerte Rede geschrieben, Darin hieß es: "Nokia hatte Rekordjahre, war aber praktisch schon tot."

Elektro-Autos müssen sich gut verkaufen

Auch die Autobranche macht noch Gewinne, doch der Wandel schreitet in dramatischem Tempo voran. BMW-Chef Oliver Zipse sagt: "In zehn Jahren muss sich der Markt für E-Autos verzehnfachen." Anders seien die strengen Klima-Vorgaben der EU einfach nicht zu schaffen.

Auch Volkswagen hat das inzwischen erkannt. Mit einem milliardenschweren Investitions-Programm versucht der Auto-Riese sich in die Zukunft zu retten.In diesem Sommer sollen die ersten Fahrzeuge der neuen, rein elektrischen Marke ausgeliefert werden. Der ID.3 ist dabei ein "Must-get-right-Vehicle", sagen Experten. Auf Deutsch: Wenn das scheitert, hat Volkswagen ein Riesenproblem.

VW: Produktionsstart für Elektro-Auto ID.3

Hallo Niedersachsen -

Knapp zehn Jahre nach dem ersten Autogipfel geht bei VW das erste reine E-Auto in Serie. Mit dem ID.3 nimmt der Konzern Kurs auf massentaugliche Elektromobilität.

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Reichweiten und Ladesäulen sind wichtig

Ob die Kunden bei den E-Autos millionenfach zuschlagen, oder ob das Ganze in einem Desaster endet, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Reichweite, Ladesäulen und Preise.

Die Reichweite hat sich bei neuen Modellen stark verbessert. So gut wie bei herkömmlichen Fahrzeugen ist sie allerdings nur in der Oberklasse. Umso wichtiger ist ein dichtes und zuverlässiges Netz an Schnell-Ladesäulen, das vor allem auch einfach zu bedienen ist. Fortschritte gibt es auch hier. Doch nicht wenige Kunden bleiben noch misstrauisch. Kein Wunder, wenn man täglich mit dem Auto zur Arbeit muss.

Und der Preis darf nicht zu hoch sein

Bleibt der Preis: Auch der ist eine echte Herausforderung, wie eine Studie zeigt. Ergebnis: Viele denken ernsthaft über den Kauf eines E-Autos nach. Deutlich mehr Geld dafür hinlegen wollen die wenigsten.

"Der Sturm geht jetzt erst los"

Und trotzdem kann ich mir vorstellen, dass der Wandel gelingt. Jahrelang riefen Automanager nach der Politik, wenn es um den Ausbau des Lade-Netzes ging. Heute kümmern sie sich selbst. Und wenn es den Kunden zu teuer ist - dann gibt es halt großzügig Rabatte. Warum? Weil Scheitern keine Option ist.

Niemand weiß das besser, als die Vorstände der Autobauer. Was hatte Volkswagen-Chef Diess noch in seiner Rede gesagt? "Wir brauchen die gemeinsame Einsicht in die Radikalität des Wandels." Und: "Der Sturm geht jetzt erst los."

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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NDR Info | Kommentar | 14.02.2020 | 17:08 Uhr