Stand: 28.12.2019 11:07 Uhr

Pflegenotstand: "Patienten dürfen nicht zu Opfern werden"

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Eugen Brysch sieht die Patientensicherheit durch den Personalmangel in Krankenhäusern gefährdet.

Bundesweit sind 17.000 Stellen für Ärzte und Pflegekräfte nicht besetzt. Das hat eine aktuelle Studie gezeigt. Seit gut einem Jahr gebe es Personaluntergrenzen, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, auf NDR Info. Demnach muss ein Teil der Betten geschlossen werden, wenn es zu wenig Pflegepersonal und Ärzte gibt. Personaluntergrenzen seien deswegen entstanden, weil Krankenhäuser über Jahrzehnte auf Kosten der Pflege gespart hätten. Das gefährde die Patientensicherheit, warnte Brysch. Nach seinen Worten gibt es Experten, die sagen, dass der Personalmangel in der Pflege letztendlich Tausende von Menschen das Leben koste.

Es fehlen 6.000 Medizin-Studienplätze

Ebenfalls ein Problem sei seit Jahren der Mangel an Studienplätzen für Medizin. Laut Brysch fehlen mindestens 6.000 Plätze. Die Länder, in deren Verantwortung die Studienplätze lägen, würden die Verantwortung hin und her schieben. "Bei den Investitionen sind die Länder, insbesondere wenn es um marode Krankenhäuser geht, überhaupt nicht bereit, in die Tasche zu greifen," sagte Brysch.

Zukunftskonzept für Krankenhäuser sei notwendig

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müsse seine Verantwortung wahrnehmen und in das System eingreifen. Notwendig sei ein Zukunftskonzept für die Krankenhäuser. Das müsse Spahn gemeinsam mit den Ländern regeln. "Wir brauchen Milliardeninvestitionen," sagte Brysch. Alle Beteiligten müssten sich an einen Tisch setzen, das "Schwarze-Peter-Spiel" zwischen den Ländern, dem Bund, den Krankenhäusern und Krankenkassen müsse aufhören. Patienten dürften nicht Opfer der Tatsache sein, dass sich Politik, Leistungsanbieter und Krankenkassen nicht einigen können.

Krankenhäuser auf dem Land müssen erhalten bleiben

Die Neuregelung der Ausbildung zu Pflegeberufen vom 1. Januar an sei ein Schritt in die richtige Richtung, meinte Brysch. Allerdings werde erst in sechs Jahren überprüft, was diese Maßnahme gebracht hat. "Wir müssen jetzt endlich anpacken. Dinge, die seit 25 oder 30 Jahren schiefgelaufen sind, können wir nicht über Nacht ändern." Auch für junge Leute lohne es sich, in das System Krankenhaus und gesetzliche Krankenversicherung zu investieren. Denn jeder könne auf Hilfe angewiesen sein, vor allem in einer älter werdenden Gesellschaft. Besonders die ländlichen Krankenhäuser müssten im Sinne einer guten bundesweiten Versorgung erhalten bleiben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 | Infoprogramm | 28.12.2019 | 09:20 Uhr