Stand: 03.12.2012 17:15 Uhr  | Archiv

Steuer-verschwendung im Norden

von Daniel Krull

Die Hamburger Elbphilharmonie und der neue Berliner Großflughafen Berlin-Brandenburg - sie sind Sinnbilder für Fehlplanungen, Kostenexplosionen und damit für gigantische Steuerverschwendung. Doch wie im Großen so gibt es auch im Kleinen die eine oder andere "Elbphilharmonie" im Norden: Öffentliche Bauten, deren geplante Kosten mit den endgültigen so gar nichts mehr zu tun haben. Und die Zeche zahlt - wie bei der großen Elbphilharmonie oder dem Prestige-Flughafen: der Steuerzahler.

VIDEO: Baukosten: Steuerverschwendung im Norden (7 Min)

Teure Kindertagesstätte

Die Gemeinden Haseldorf und Haselau in Schleswig-Holstein brauchen eine neue Kindertagesstätte: 1,6 Millionen Euro kostet der Neubau - ein Neubau voller architektonischer Raffinessen. Die Gemeinden hätten auch einen Standard-Kindergarten für 1,3 Millionen Euro haben können.

Doch dann hätten sie auf Zuschüsse zur Regionalförderung vom Land verzichten müssen, weil die billigere Variante von einem Unternehmer gebaut worden wäre, der nicht aus der Region kommt. Also bauen nun heimische Handwerker nach den Entwürfen eines heimischen Architekten. Eigentlich eine gute Sache. Problem: Das führt nun mal zu Mehrkosten in Höhe von 300.000 Euro - getragen vom Steuerzahler.

Doppelt so teuer wie geplant

Die Fertigstellung des Busbahnhofs Hamburg-Bergedorf war doppelt so teuer wie geplant. Die Stadt beauftragte die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH) mit der Planung des Großprojekts. Doch das Unternehmen war offenbar überfordert und übersah kostentreibende Probleme. So liegt der Bahnhof an einem ICE-Gleis, für das besondere Sicherheitsvorgaben bestehen. Und die sind teuer.

Generell war die Bauweise des Bahnhofs sehr komplex. Wohl zu komplex für den Bauherren VHH, wie er gegenüber den "Panorama 3"-Reportern auch einräumt. Zusätzliche Bauverzögerungen und gestiegene Stahlpreise trieben die Kosten in astronomische Höhen: Der Busbahnhof wurde 23 Millionen Euro teurer - zahlen musste der Steuerzahler.

Ist in Hamburg alles noch teurer?

Mehrere Tausend Menschen protestierten in Hamburg mit einer Menschenkette zwischen Elbphilharmonie und Finanzbehörde gegen die Sparpläne von Bund und Senat. © dpa Foto: Markus Scholz
Nicht nur bei der Elbphilharmonie wird am Ende dem Steuerzahler in die Tasche gegriffen. Da nützt meist auch kein Protest.

Hamburg scheint generell Probleme zu haben, die geplanten Baukosten einzuhalten: In einer Senatsdrucksache, die dem NDR vorliegt, werden weitere Beispiele für Steuerverschwendungen aufgelistet: Die Instandsetzung einer Brücke im Hafen sollte eigentlich 4,1 Mio. Euro kosten. Letztlich sind es 3,3 Mio. Euro mehr geworden - weil dem Bauunternehmer wegen schlampig ausgeführter Arbeiten gekündigt werden musste.

Auch der Umbau eines Verkehrsknotens in Harburg wird mit 3,6 Millionen Euro fast doppelt so teuer wie ursprünglich geschätzt. Und die Sanierung eines Straßentunnels gar wird statt 22 wohl über 30 Mio kosten.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 04.12.2012 | 21:15 Uhr

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