Stand: 30.05.2020 08:40 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Lockerungen: Keine ausgewogene Strategie

von Dietrich Lehmann

Hamburg lockert eine Reihe von Corona-Regeln: Fitness-Studios, Indoorspielplätze und Spielhallen dürfen wieder öffnen. Bei den Schulen fährt der Senat dagegen noch einen vorsichtigen Kurs - ganz anders als unser Nachbar Schleswig-Holstein, wo Grundschulen bereits in der übernächsten Woche wieder vollen Unterricht anbieten sollen. Ein Kommentar von Dietrich Lehmann.

VIDEO: Corona-Lockerungen: "Eltern tragen die Hauptlast" (2 Min)

Eine konsequente und vor allem sozial ausgewogene Strategie ist das nicht. Wie Hamburg voranschreitet bei den Corona-Lockerungen, wie es sich treiben lässt, kommt mir vor wie auf einem Jahrmarkt: Wer am lautesten schreit, ist im Vorteil. Die Leisen dagegen müssen in viel zu langen Schlange stehen.

Eltern tragen die Hauptlast

Klar war es richtig, im März Schulen und Kitas weitgehend zu schließen. Hunderttausende Eltern in Hamburg haben es ziemlich klaglos hingenommen, dass sie die Hauptlast der Beschränkungen zu tragen haben. Die Mehrfach-Belastung durch Schule und Kita zu Hause und Beruf, dazu die Unsicherheit, was aus dem eigenen Job wird.

Vieles haben die Schulen schnell und immer besser auf die Beine gestellt, um wenigstens etwas Ersatz für den Unterricht in der Klasse zu bieten. Die Notbetreuung auch in Kitas ist inzwischen ausgeweitet. Aber das reicht nicht.

Vorbild Schleswig-Holstein

Längst liegen bei vielen Eltern die Nerven blank. Erst recht, weil Schleswig-Holstein vormacht, wie es auch geht. Ab 8. Juni öffnen dort wieder die Grundschulen. Unsere Nachbarn gehen ein Risiko ein, aber aus meiner Sicht eines, das es wert ist.

Schulsenator Ties Rabe sagt, er will keinen Überbietungswettbewerb bei den Öffnungen. Aber: Hamburg beteiligt sich ohnehin daran, nur eben mit anderen Schwerpunkten.

Kneipen und Fitness-Studios wichtiger als Schulen?

Wohin das führen kann zeigen die zahlreichen Verstöße, die die Polizei in überfüllten Kneipen mit betrunkenen Besuchern feststellt, nicht nur im Zwick in Pöseldorf. Einen GAU nennt das Innensenator Andy Grote zu recht.

Lohnt es sich wirklich für das Vergnügen von Erwachsenen ein Risiko einzugehen? Und für den Umsatz von Restaurants, Geschäften, Fitness-Studios? Das wirft ein schiefes Bild auf die Zukunft. Eltern, aber vor allem unsere Kinder, haben mehr verdient, als dass man sie auf die Zeit nach den Sommerferien vertröstet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 30.05.2020 | 08:40 Uhr

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