Corona: Hamburgs Bürgermeister Tschentscher gegen Lockerungen

Stand: 10.02.2021 10:17 Uhr

Der Hamburger Senat lehnt Lockerungen der Corona-Auflagen vorerst ab. Das betonte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor der Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage.

Tschentscher sagte bei der virtuellen Jahrestagung des AGA Unternehmensverbands am Dienstagabend, ohne ein fundiertes wissenschaftliches Wissen über die neuen Corona-Mutationen könne es kaum Lockerungen des Lockdowns geben. "Wir werden keine nennenswerten Lockerungen so lange beschließen können, bis wir eine fundierte Einschätzung haben, in welcher Geschwindigkeit sich die Virus-Mutationen in Deutschland verbreiten und welchen Beitrag sie dann leisten für das Infektionsgeschehen", betonte Tschentscher. Erst danach könne über Lockerungsschritte, Öffnungskonzepte oder Perspektivpläne entschieden werden.

Tschentscher will Öffnungskonzepte nur vorbereiten

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister in Hamburg, setzt nach einer Sonder-Landespressekonferenz im Kaisersaal im Rathaus seinen Mund-Nasenschutz auf. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Hamburgs Bürgermeister Tschentscher sieht noch keinen Spielraum für Lockerungen der Corona-Regeln.

Der Regierungschef warnte: "Wir müssen in dieser Lage noch einige Wochen die Disziplin und die Nerven behalten, nicht zu früh aus den Maßnahmen auszusteigen und dann einen Rückfall zu erleiden." Wer jetzt lockere, der riskiere eine dritte Corona-Welle, so Tschentscher. Und diese dritte Welle könnte alle Probleme noch einmal größer machen. Bis die Erkenntnisse über die Mutationen vorlägen, könnten Öffnungskonzepte nur erörternd vorbereitet werden. Es dürften keine falschen Erwartungen geweckt werden.

Mit Blick auf das heutige Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Regierungschefs der Länder sagte er: "Deswegen erwarte ich (...) noch keinen Terminplan, sondern nur eine Vereinbarung, dass wir - sobald wir die wissenschaftliche Klarheit über die Bedeutung der Virus-Mutationen in Deutschland haben - dann an den richtigen Stellen die Öffnungskonzepte (...) umsetzen."

"Keine Lockerungen in Aussicht"

Bereits bei der Landespressekonferenz am Dienstagmittag hatte Senatssprecher Marcel Schweitzer gesagt: "Die Inzidenz sinkt viel zu langsam, der R-Wert ist zu hoch und das Risiko einer stärkeren Ausbreitung der Virus-Mutationen bleibt bestehen." Vor diesem Hintergrund bleibe der Senat auch bei seiner Haltung. "Lockerungen können wir derzeit nicht in Aussicht stellen", so Schweitzer.

Rabe: Schulen wohl bis Märzferien in jetzigem Modus

Schulsenator Ties Rabe spricht auf der LPK am 09. Februar 2021. © NDR Foto: Screenshot
Schulsenator Rabe: Bis zu den Märzferien vermutlich keine Veränderungen.

Die strenge Haltung des Hamburger Senats betrifft auch die Schulen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, er gehe davon aus, "dass wir in dem jetzigen Modus (...) bis zu den Märzferien bleiben werden - sofern die Ministerpräsidentenkonferenz nicht etwas ganz Ungewöhnliches beschließen wird". Hamburg hat als einziges Bundesland ab Anfang März zwei Wochen Ferien. "Hier eine Woche vor den Ferien noch einmal das gesamte Schulsystem auf neue Beine zu stellen, ist für alle Beteiligten nur auf dem Papier eine vernünftige Lösung", sagte Rabe.

Zahl der Neuinfektionen sinkt

Seit fast einem Monat sinkt der sogenannte Inzidenzwert in Hamburg. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen lag am Dienstag in der Hansestadt bei 67,6. Doch nach Auffassung des Senats sinken die Zahlen zu langsam.

Verschärfte Quarantäne-Regeln

Und auch eine gute Nachricht ändert nichts am Kurs des Senats: Die Gesundheitsämter in Hamburg können längst wieder alle Kontakte von Infizierten nachverfolgen. Denn ein anderes Problem bleibt bestehen. In vielen Fällen bleibt unklar, wo sich die Menschen angesteckt haben. Auch deshalb hat der Senat eine Corona-Regel sogar noch einmal verschärft: Ab sofort gilt grundsätzlich immer eine 14-tägige Quarantäne - die Gesundheitsämter können sie nicht mehr auf 10 Tage verkürzen. Und auch ein negatives Testergebnis ändere daran nichts mehr, teilte die Sozialbehörde mit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.02.2021 | 06:00 Uhr

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