Schüler tragen Mundschutz in einer zum Schulraum umfunktionierten Turnhalle bei der Prüfungsvorbereitung fürs Abitur. © dpa-Bildfunk Foto: Arne Dedert

Corona: Hamburg ändert Regeln fürs Abitur

Stand: 05.02.2021 19:21 Uhr

Weil Schülerinnen und Schüler im letzten Halbjahr kaum Präsenzunterricht hatten, soll es für sie Erleichterungen beim Abitur geben. In Hamburg soll es mehr Prüfungszeit und Hinweise für eine gezieltere Vorbereitung geben.

Hamburgs Schülerinnen und Schüler, die dieses Jahr ihren Abschluss machen sollen, stehen vor einer schwierigen Situation: Sie hatten fast ein halbes Jahr kaum Präsenzunterricht. Deshalb soll es jetzt Erleichterungen auch beim Abitur geben. Für den Mittleren und den Allgemeinen Schulabschluss waren Erleichterungen schon zuvor beschlossen worden.

Mehr Zeit in den Abitur-Prüfungen

Ties Rabe spricht auf der Pressekonferenz über Abiturprüfungen. © NDR Foto: Screenshot
Ties Rabe stellte die Änderungen bei einer Presskonferenz vor.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) stellte am Freitag die geplanten Änderungen beim Abitur vor: Konkret ist geplant, dass dieses Jahr für das schriftliche Abitur 30 Minuten mehr Zeit zur Verfügung steht. Damit soll ausgeglichen werden, dass den Schülerinnen und Schüler gemeinsame Übungszeit fehlte. "Dadurch verlängern sich die Prüfungen auf viereinhalb bis sechs Stunden", sagte Rabe. "Das entkrampft die Lage sehr."

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Damit sich die Prüflinge besser vorbereiten können, sollen "die Lehrerinnen und Lehrer vorher präziser darüber informieren, welche Themen denn überhaupt drankommen." Die Aufgaben selbst blieben allerdings streng geheim. Noch am Freitag würden Schreiben an die Fachlehrkräfte verschickt, sagte der Schulsenator.

Mehr Auswahl für Matheprüfungen

In den Mathematikaufgaben werde es eine Auswahlmöglichkeit geben - "erstmals in Hamburg". Die jeweilige Lehrkraft kann Aufgaben danach auswählen, wo die Vorbereitungen am besten gelaufen sind. Konkret kann sie aus den drei Komplexen "Lineare Algebra / Analytische Geometrie", "Stochastik" und "Analysis" zwei Komplexe für die schriftliche Prüfung auswählen.

Prüfungen eine Woche später

Um den Schülerinnen und Schülern mehr Vorbereitungszeit zu ermöglichen, werden die schriftlichen Prüfungen um eine Woche nach hinten verschoben. Sie sollen ab dem 23. April beginnen. Wegen der früh beginnenden Sommerferien und der Maiferien in Hamburg sei eine weitere Verschiebung nach hinten nicht möglich gewesen, sagte Rabe.

Lehrer sollen Rücksicht nehmen

Die Lehrkräfte sollen bei den Korrekturen Rücksicht darauf nehmen, wenn es infolge der Corona-Pandemie besondere Situationen im Unterricht gab, etwa Unterbrechungen aufgrund von Präventionsmaßnahmen, Infektionen oder Quarantänemaßnahmen. Das sei dann bei der Korrektur der schriftlichen Prüfungen dort zu berücksichtigen, wo es entsprechende Spielräume in der Bewertung gibt.

Weniger schriftliche Prüfungen

Die Zahl der schriftlichen Klausuren wird im letzten Semester der Oberstufe eingeschränkt. Es soll dann nur jeweils eine Klausur in den Prüfungsfächern geben. "Bei den anderen Fächern darf diese Klausur komplett entfallen - es sei denn, die Schülerinnen und Schüler bestehen darauf", sagte Rabe. Schülerinnen und Schülern können jedoch auf Wunsch einen selbstgewählten gleichwertigen Leistungsnachweis erbringen oder an einer von der Lehrkraft optional gestellten Klausur teilnehmen.

Vorbereitung auch in den Schulen

Noch im Februar werden die Schulen gebeten, ihre Prüfungskandidaten und -Kandidatinnen einzuladen, um gezielte Prüfungsvorbereitungen anzubieten - in kleinen Gruppen und in infektionssicherem Rahmen.

"Beim letzten Mal viel weniger gemacht"

Es handele sich nicht um ein "Notabitur", sagte Rabe. Damit die Hochschulreife in ganz Deutschland anerkannt werde, bewege sich Hamburg mit seinen Maßnahmen im von der Kultusministerkonferenz gesteckten Rahmen. Er könne verstehen, dass so mancher Schüler unter den Bedingungen nervöser auf das Abitur blicke als sonst. Die Sorge sei aber unbegründet, weil dieses Mal sehr tiefe Veränderungen vorgenommen worden seien: "Beim letzten Mal haben wir viel weniger gemacht", sagte der Schulsenator. Und dennoch sei das Abitur im vergangenen Jahr trotz Corona das beste in fünf Jahren gewesen.

Gemischte Reaktionen

Die AfD hält die Pläne nicht für sinnvoll: Das Niveau dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Die SchülerInnenkammer sieht diese Gefahr nicht: Wegen der erschwerten Bedingungen in diesem Jahr passen die Veränderungen ins Bild, sagte der Vorsitzende Henry Behrens zu NDR 90,3. Die Linke vermisst kreativere Lösungen. Selbst in Krisenzeiten sei das Abitur eine "heilige deutsche Kuh". Für die CDU kommen die Veränderungen zu spät. Sie fordert zudem, dass Abiturienten und Abiturienten freiwillig eine Klasse wiederholen können - ohne Nachteile.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.02.2021 | 15:00 Uhr

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