Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz, spricht auf einer Pressekonferenz. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

WhatsApp-Datennutzung: Hamburger Datenschützer gegen Facebook

Stand: 13.04.2021 14:56 Uhr

WhatsApp muss die Einführung neuer Nutzungsbedingungen in Deutschland womöglich erneut verschieben: Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar will mit einem Dringlichkeitsantrag verhindern, dass Daten von WhatsApp-Nutzern und -Nutzerinnen zum Mutterkonzern Facebook gelangen.

Caspar fürchtet eine"missbräuchliche Ausnutzung der Datenmacht". Denn in den aktualisierten WhatsApp-Bestimmungen steht, dass der Dienst die Daten der Nutzer und Nutzerinnen mit anderen Facebook-Unternehmen teilen kann. Diese Möglichkeiten gibt es zum Beispiel schon im Bereich Fehleranalyse.

Dringlichkeitsverfahren gegen Facebook in Irland

Das könnte künftig aber auch zur Direktwerbung oder anderen Marketingzwecken dienen, meint Caspar. Deshalb hat er jetzt ein Dringlichkeitsverfahren gegen Facebook in Irland, wo die Europazentrale des Unternehmens sitzt, eingeleitet. Entsprechende Maßnahmen wären zunächst auf drei Monate begrenzt. Alles weitere müsste der Europäische Datenschutzausschuss beschließen. Caspar hofft auf eine erste Entscheidung bis Mitte Mai.

Knapp 60 Millionen Menschen nutzen in Deutschland WhatsApp und sie alle müssen den neuen Nutzungsbedingungen bis spätestens Mitte Mai zustimmen. Anderenfalls können sie den Dienst nach jetzigem Stand nicht mehr nutzen.

WhatsApp will Caspars Unterlagen prüfen

WhatsApp betont stets, dass keine erweiterte Datenweitergabe an Facebook vorgesehen sei. Bei den Änderungen gehe es vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. An der sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt. Man werde die Unterlagen des Hamburger Datenschützers prüfen und "Missverständnisse" rund um das Update ansprechen, sagte ein WhatsApp-Sprecher.

Im Januar hatte WhatsApp die Aktualisierung seiner Nutzungsbedingungen angekündigt. Damit soll es dem Messenger ermöglicht werden, Nutzerdaten mit der Mutter Facebook und anderen zum Konzern gehörenden Akteuren wie Instagram zu teilen. Dies sorgte weltweit für einen Aufschrei, weswegen WhatsApp das Inkrafttreten auf Mai verschob. Stimmen Nutzer nicht zu, sollen sie den Dienst nicht mehr verwenden können. Messenger-Rivalen wie Telegram und Signal erhielten zuletzt starken Zulauf.

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WhatsApp, Signal, Telegram: Mehrere Messenger-Apps werden auf einem Smartphone angezeigt. © picture alliance / dpa-tmn | Zacharie Scheurer Foto: Zacharie Scheurer

Nutzungsbedingungen bei WhatsApp: Was, wenn ich nicht zustimme?

Ab dem 15. Mai sollen bei WhatsApp neue Datenschutzrichtlinien gelten. Nun hat WhatsApp in einem FAQ neue Informationen dazu veröffentlicht, was passieren soll, wenn Nutzerinnen und Nutzer bis dahin nicht zustimmen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.04.2021 | 14:00 Uhr

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