Was bedeutet der "Deutschlandtakt" für den Hauptbahnhof?

Stand: 09.05.2021 21:25 Uhr

Der "Deutschlandtakt" für den Fernverkehr soll mehr Verbindungen, mehr Tempo und mehr Pünktlichkeit bringen. Doch der Hamburger Hauptbahnhof ist ein Nadelöhr und damit ein Problem.

Zu wenig Gleise und zu viele Passagiere, auch ohne Pandemie. Das bringt die Pläne für den besten "Deutschlandtakt" durcheinander, meint die Initiative Prellbock. Schaut man sich die Pläne an, "wird man feststellen, dass Hamburg da schlecht wegkommt, weil die Anschlüsse zu sehr auf Kante genäht sind. Das heißt, man wird sie in der Regel verpassen. Das liegt auch mit daran, dass der Hamburger Hauptbahnhof, der dann den Hauptknoten wäre, wie das im "Deutschlandtakt" so heißt, zu eng ist und der sich auch nicht beliebig und leicht erweitern lässt", sagt Michael Jung von der Initiative Prellbock.

Umbau des Hauptbahnhofs ist ein Generationenprojekt

Dabei scheint man dieses Mal alles richtig zu machen. Statt wie früher erst zu bauen und dann zu planen, richtet sich künftig der Streckenausbau nach dem Fahrplan. In Hamburg gehört dazu unter anderem ein neuer Tunnel für die S-Bahn Richtung Altona, um den Hauptbahnhof von S-Bahnreisenden zu entlasten. Allerdings steht die Umsetzung irgendwann an und der Umbau des Hauptbahnhofs? Ein Generationenprojekt, sagt selbst der Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). "Umgekehrt wird ein Schuh draus: Der "Deutschlandtakt" kann nur bei einem vorherigen Ausbau der Infrastruktur in ganz Deutschland komplett gefahren werden", so Tjarks.

Alte Rangiergleise könnten genutzt werden

Ein erster Minischritt: Mehr Treppen noch in diesem Jahr, um die Fahrgäste schneller zu den Zügen zu bekommen. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht noch viele weitere Schritte, bevor der Bahnhof einmal wie geplant komplett umgekrempelt wird. Zum Beispiel nicht genutzte Rangiergleise, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn: "Das könnte man relativ zügig umbauen zu einem Bahnsteig für Regionalzüge, so dass man zumindest in der Hauptverkehrszeit drei oder vier zusätzliche Regionalzüge pro Stunde dort fahren lassen könnte."

Aber wann erleben wir die Pünktlichkeit eines Shinkansens wie in Japan oder den Geschwindigkeitsrausch eines TGV? Die Schweizer Bahn gilt als pünktlichste Bahn Europas - und hat dafür 20 Jahre gebraucht. "Wenn wir uns die großen Neubauprojekte bundesweit anschauen, dann müssen wir damit rechnen, dass die 2040 oder auch wenn wir Pech haben erst 2050 fertig sind, aber man muss einmal anfangen", sagt Naumann. Bis der ausgeklügelte "Deutschlandtakt" funktioniert, wird es nicht nur in Hamburg noch lange dauern.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.05.2021 | 19:30 Uhr

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