Stand: 29.07.2017 15:25 Uhr

Nach dem Messerangriff: Barmbek unter Schock

von Anna Rüter

Es ist der erste Tag seit Wochen, an dem der grauverhangene Himmel über Hamburg angemessen erscheint. Das Leben auf der Fuhlsbütteler Straße im Stadtteil Barmbek nimmt wieder Fahrt auf. Die Läden sind geöffnet, es wird eingekauft wie auch am Vortag. Und trotzdem: Das Viertel nimmt Anteil. Ein stetig wachsendes Blumenmeer entsteht vor dem Supermarkt, in dem am Freitag die unfassbare Attacke passierte. Ein 26-Jähriger hatte am Nachmittag in dem Laden ein Küchenmesser aus dem Regal genommen, aus der Verpackung gerissen und damit auf Kunden eingestochen. Ein 50-Jähriger kam bei dem Angriff ums Leben. Eine 50-jährige Frau und vier Männer im Alter von 64, 57, 56 und 19 Jahren erlitten teils schwere Messerstichverletzungen. Ein 35-Jähriger verletzte sich, als er dabei half, den Angreifer aufzuhalten.

Blumen in Gedenken an die Opfer

Auch Nadine bringt Blumen, weil das ihre Stadt sei, ihr Barmbek und es ihr einfach für die Angehörigen leid tue. "Und ich war froh, dass ich nicht an dem Tag einkaufen war", sagt die Anwohnerin. Das sei schon eine Situation gewesen, die Angst mache.

"Ich wollte mit meiner Enkelin auch in den Supermarkt"

Auch Renate Schwuttke legt ihre Blumen zu den anderen. Sie wisse nicht, wer das Opfer ist, nur, dass es 50 Jahre alt gewesen sein soll. Sie selbst hatte mir ihrer Enkelin nur eine halbe Stunde vor der Tat zu dem Supermarkt gehen wollen. Und, sagt sie unter Tränen, wenn der etwas passiert wäre, wäre sie ihr Leben lang nicht wieder froh geworden.

"Das hätten auch wir sein können"

Auch Eva kann ihre Tränen nicht zurückhalten, während sie eine Kerze anzündet. Sie selbst wohne nur hundert Meter entfernt, erklärt sie: "Es ist einfach ganz furchtbar, was so in der Nachbarschaft geschehen kann. Es berührt uns alle sehr", sagt sie und dann erstickt ihre Stimme. Sie hätte nach dem Vorfall erst einmal alle Freunde und Bekannte aus der Gegend angerufen und gefragt, ob alles in Ordnung sei. "Man weiß ja nicht, wer gerade einkaufen war. Das hätten auch wir gewesen sein können", ergänzt sie. So etwas passiere in Paris, in Brüssel, in London - und nun eben auch in Barmbek.

"Ein ganz normaler Stadtteil"

Wieso gerade Barmbek? Über diese Frage scheint so ziemlich jeder in dem Viertel heute nachzudenken. Auch Martin Motzkau wundert das, Barmbek sei kein aufgeregter oder auffälliger Stadtteil. "Normalerweise taucht dieser Stadtteil nicht so oft in den Medien auf oder ist einfach nicht so bekannt, das ist ein ganz normaler Stadtteil, der sich durch nichts Besonderes wie eine Elbphilharmonie oder so hervorhebt." Und trotzdem, heute ist das sonst so normale Barmbek in allen Medien.

Messerattacke im Supermarkt

Weitere Informationen

Messerattacke: Haftbefehl gegen 26-Jährigen

Gegen den mutmaßlichen Täter einer tödlichen Messerattacke von Hamburg-Barmbek ist Haftbefehl erlassen worden. Am Tatort gedachten Anwohner und Politiker der Opfer und legten Blumen nieder. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 29.07.2017 | 10:45 Uhr

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