Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung in Hamburg

Stand: 21.07.2021 17:06 Uhr

Immer mehr Kinder in Hamburg sind zu Hause offenbar nicht sicher. Misshandlungen oder Vernachlässigungen von Kindern haben jüngsten Zahlen des Statistikamts Nord zufolge erheblich zugenommen - möglicherweise wegen der Corona-Pandemie.

Besonders stark ist die Zahl der Verdachtsfälle gestiegen. Im vergangenen Jahr sind rund 2.660 Verfahren eingeleitet worden - etwa 600 mehr als im Jahr 2019. Die Zahl der tatsächlich festgestellten sogenannten Kindeswohlgefährdungen ist auch gestiegen, aber nicht so stark. Dramatisch ist die Zunahme bei sexueller Gewalt gegen Minderjährige - fast 60 Kinder und Jugendliche mussten akut in Sicherheit gebracht werden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor.

Experten vermuten Zunahme wegen Corona

Expertinnen und Experten vermuten auch die Corona-Pandemie als einen Auslöser. Hoch ist zudem die Zahl von Fällen, in denen Hilfen nötig sind. Fast 1.000 Mal stellten die Behörden fest, dass sie sich weiter um Kinder oder deren Familien kümmern müssen.

Weniger Hinweise wegen Schulschließungen?

Expertinnen und Experten gehen von einer höheren Dunkelziffer aus - wegen der Schulschließungen durch Corona. Denn in den Jahren davor kamen viele Hinweise auf mögliche Misshandlungen oder Vernachlässigungen auch aus den Schulen.

Andreas Gaertner im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
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Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes droht oder bereits eingetreten ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.07.2021 | 16:00 Uhr

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