Luftfahrt: Airbus will Weichen für die Zukunft stellen

Stand: 20.07.2021 20:00 Uhr

Null Emissionen, angetrieben mit Wasserstoff: So könnte das Flugzeug der Zukunft aussehen. Entwickelt und gebaut von Airbus. Abheben soll der "ZEROe" schon 2035.

In der Luftfahrt ist das schon so gut wie morgen. Airbus hat Zeitdruck - und muss gleichzeitig die durch die Corona-Pandemie entstandenen finanziellen Einbußen wieder auffangen. André Walter, Geschäftsführer von Airbus in Hamburg, sagte dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen: "Wir sind dankbar dafür, dass wir einigermaßen vernünftig aus der Krise herausgekommen sind." Der Konzern habe allerdings im vergangenen Jahr "massiv Rücklagen verbrannt". Das was man jetzt verdiene, diene eigentlich nur dazu, die Rücklagen wieder aufzufüllen. "Um vorbereitet zu sein für die Investitionen in die Zukunft", so Walter.

Streit über Ausgliederung der Strukturmontage

Die erste Investition: Am Standort Finkenwerder soll die Strukturmontage, also die Arbeiten am Rumpf der Flugzeuge, in ein eigenes Unternehmen überführt werden. Luftfahrtexperte Cord Schellenberg: "Weil die Entwicklung hin zu Wasserstoff einfach dazu führt, dass der Rumpf derat wichtig wird - auch wissenschaftlich und technisch - dass man sehr viel Geld investieren muss."

Belegschaft verunsichert

Dass die gerade für die Entwicklung neuartiger Flugzeuge so wichtige Strukturmontage aus dem Kernunternehmen herausgelöst wird, verunsichert die Belegschaft im Hamburger Werk in Finkenwerder. Es gab bereits mehrere Aktionen der Gewerkschaften, die für die Zeit nach der Sommerpause auch Streiks androhen. Sie wollen Klarheit. Sebastian Züge vom Betriebsrat in Hamburg sagte zum geplanten Konzernumbau: "Zu welchen Konditionen? Zu welchen Bedingungen? Das treibt die Leute um. Das sorgt natürlich für schlechte Stimmung."

Corona-Krise als Vorwand?

Betroffen sind in Hamburg rund 4.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Airbus wolle ihre Arbeitsbedingungen "harmonisieren", heißt es intern. Im Klartext bedeutet das: Sie sollen gleichzeitig Modelle wie den A320neo bauen und das Wasserstoff-Projekt voranbringen. Züge: "Wir haben drei Quartale mit schwarzen Zahlen geschrieben, nur eines mit roten. Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass es angeblich so einen großen Druck geben soll." Er frage sich, ob man die Corona-Krise als Ausrede benutzen wolle, um die Sozialbedingungen zu verschlechtern.

"Brauchen Geld, um neue Technologien zu entwickeln"

Die Airbus-Führung zeigte im Gespräch mit dem Hamburg Journal Kompromissbereitschaft. Geschäftsführer Walter: "Die Mitarbeiter werden ihre Verträge so mit rübernehmen. Auf den einzelnen Mitarbeiter wird erstmal gar nichts zukommen." Beide Seiten sollten vor Augen haben, dass man einen Hochlauf der Produktion vor sich habe. "Wir brauchen das Geld aus den Auslieferungen, um die neuen Technologien zu entwickeln."

Nachfrage zieht wieder an

Schon 297 Flugzeuge wurden in diesem Jahr ausgeliefert. Die Nachfrage zieht wieder an. Ein weiterer Arbeitsplatzabbau scheint daher nicht notwendig zu sein. Luftfahrtexperte Schellenberg meint, die Entwicklung könne "sogar zu mehr Arbeitsplätzen führen, denn die konventionellen Flugzeuge, die mit Kerosin fliegen, werden ja weiter gebaut. Die Airlines können ja noch gar kein Wasserstoff-Flugzeug bestellen. Alles was jetzt gebaut wird sind neue Flugzeuge mit Kerosin-Antrieb. Aber später kommt dann der Wasserstoff obendrauf - und es gibt bestimmt auch Airlines, die beides bestellen werden."

Walter: Brauchen Wasserstoff-Infrastruktur

Airbus braucht aber noch Starthilfe. Hamburg plant, im ehemaligen Kraftwerk Moorburg ab 2025 grünen Wasserstoff entstehen zu lassen. Walter: "Wenn wir ein Wasserstoff-getriebenes Flugzeug haben, dann müssen wir es auch irgendwo betanken können. Das heißt, wir brauchen eine Infrastruktur, wir brauchen den grünen Wasserstoff. Und das ist eine Herausforderung an die Politik, an die Wissenschaft und an die ganze Gesellschaft."

Finanzen, Arbeitsbedingungen, Infrastruktur: Der Weg zum emissionsfreien Flieger ist noch weit. Doch der Wille, das kerosinfreie Zeitalter wirklich einzuläuten, ist bei der Führung und bei der Belegschaft von Airbus deutlich spürbar.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.07.2021 | 19:30 Uhr

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