Stand: 04.07.2020 08:40 Uhr  - NDR 90,3

Kommentar: Ein neuer Blick auf Bismarck

von Daniel Kaiser

Was wird aus dem riesengroßen Bismarck am Hafen? Kritiker sehen in dem XXL-Bismarck ein Symbol für den Größenwahn Deutschlands und die Verbrechen der Kolonialzeit. Die Diskussion hat nach den Auseinandersetzungen über Rassismus in den USA und auch in Deutschland noch einmal an Fahrt aufgenommen. Die Kulturbehörde will eine Diskussion über die Zukunft des Denkmals ermöglichen. Was muss sich nach der millionenschweren Sanierung des Denkmals ändern? Daniel Kaiser kommentiert.

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NDR 90,3 Redakteur Daniel Kaiser kommentiert die Diskussionen um das Bismarck-Denkmal.

Wir brauchen einen neuen Blick auf den Bismarck. Nach der Sanierung muss eine andere Botschaft von diesem Koloss ausgehen als bisher. Natürlich gehört das Denkmal zur Geschichte unserer Stadt. Aber das Hamburg, für das es steht, gibt es nicht mehr. Wir wollen heute doch demokratisch, freundlich und weltoffen sein. Dieses Denkmal entstand, als Deutschland rassistisch, kolonialistisch und kriegerisch war, und es sendet genau diese Botschaft. Der Riesen-Bismarck ist ja keine pittoreske Park-Deko. Nein, dieses Ding gehört zur Silhouette der Stadt. Es ist das größte Bismarck-Denkmal der Welt.

Bismarck heute mit anderem Blick sehen

Wir müssen heute feststellen: Bismarck war nicht der übermenschliche Held, der immer noch mit Schwert in der Hand den Hamburger Hafen zu bewachen vorgibt. Wir haben heute ein anderes Bismarck-Bild als im Jahr 1906, als das Denkmal eingeweiht wurde. Und wir haben heute einen ganz anderen Blick auf unser Zusammenleben.

"Wir brauchen einen neuen Blick auf das Bismarck-Denkmal"

NDR 90,3 - Der Hamburg-Kommentar -

Wir brauchen einen neuen Blick auf den Bismarck. Nach der millionenschweren Sanierung muss eine andere Botschaft von diesem Koloss ausgehen als bisher, meint Daniel Kaiser.

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Irritieren ohne zu zerstören

Es gibt Vorschläge, das Denkmal abzureißen, es langsam zur Ruine werden zu lassen oder den Kopf abzumontieren. Ich halte nicht viel von einem solchen Bildersturm. Man könnte ihn stattdessen verpacken wie bei Christo. Man könnte ihn schiefstellen wie in Pisa. Vor fünf Jahren gab es schon mal ein wunderbares Kunstprojekt im Rahmen des Architektursommers: Eine Steinbock-Figur saß monatelang auf Bismarcks Kopf wie auf einem Berg. Der heilige Ernst dieser übermenschlichen Statue wurde gebrochen, der XXL-Bismarck wurde so zum Witz. Irritieren ohne zu zerstören, darum muss es gehen. Man schaut hin und kommt ins Gespräch. Und wir müssen als Hamburgerinnen und Hamburger im Gespräch über unsere Geschichte bleiben - auch darüber, dass unsere Stadt reich geworden ist auch mit dem Leid anderer.

Bismarck ist Geschichte

Bismarck und sein Denkmal sind Hamburgs Geschichte. Ja! Aber an einem solch riesengroßen Denkmal soll man auch sehen dürfen, dass wir uns unsere Gegenwart und Zukunft anders vorstellen.

Weitere Informationen

"Kopf ab!“ - Diskussion über Hamburger Bismarck-Denkmal

Für Kritiker wie den evangelischen Pastor Ulrich Hentschel steht das Hamburger Bismarck-Denkmal für deutschen Größenwahn. Im Interview fordert er Irritation statt Sanierung. (02.07.2020) mehr

Brosda: "Wir brauchen ein Störgefühl"

Vielen gilt Bismarck als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda erklärt im Interview, wieso eine Ausstellung am Bismarck-Denkmal allein nicht reicht. (29.06.2020) mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 04.07.2020 | 08:40 Uhr

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