Holstenstraße: Anwohnende wehren sich gegen offene Drogenszene

Stand: 12.07.2021 10:55 Uhr

Dass die Gegend um den S-Bahnhof Holstenstraße in Altona ein raues Pflaster ist, wissen die Anwohnerinnen und Anwohner. Mit der Trinker-Szene haben sich viele arrangiert. Seit ungefähr zwei Jahren beobachten sie aber, dass vermehrt auch harte Drogen konsumiert werden.

Wenn Isabel Maaß und ihre Hündin Pixel vor die Haustür treten, wissen sie nie genau, was sie finden. Müll, Fäkalien, Spritzen - und jede Menge Fetzen von Alufolie, typisches Verpackungsmaterial der Drogen, die hier konsumiert werden. Seit zwei Jahren beobachten Maaß und viele Nachbarn, dass immer mehr Abhängige die Gegend um den S-Bahnhof Holstenstraße als Treffpunkt nutzen. Es würden die Crack-Pfeifen gefüllt, die Drogen miteinander geteilt und gemeinsam konsumiert, erzählt Maaß.

Anwohnende gründen runden Tisch

Vielen Familien geht es vor allem um das Dealen und den Drogenkonsum auf dem Kirchenvorplatz und direkt vor der Kita. Um den Bezirk zum Handeln zu bringen, haben die Nachbarinnen und Nachbarn einen runden Tisch gegründet. Mit dabei: Geschäftsleute vom S-Bahnhof Holstenstraße wie Ilhan und Ugur Düzagac. Sie wünschen sich mehr Polizeipräsenz - auch für ihre Kunden. "Wenn die hier sitzen, dann werden sie alle paar Minuten gefragt, ob sie Kleingeld oder etwas zu rauchen haben", sagt Ugur Düzagac, Bäckereibetreiber. Den Kunden würde auch schon mal das Getränk weggenommen oder das Essen vom Tisch gerissen, erzählt er weiter.

Sozialarbeiter: "Vertreibung ist keine Lösung"

Die Süchtigen mit Polizei vertreiben - für Sozialarbeiter Florian Pittner ist das ein Fehler. Pittner leistet Sozialarbeit rund um die Holstenstraße. "Man merkt, nicht zuletzt wenn man sich die Hamburger Geschichte anschaut, dass Vertreibung noch nie eine Lösung war. Die Menschen verschwinden nicht, sie tauchen irgendwo anders wieder auf. Unabhängig davon, dass die Menschen krank sind und man sich dieser Krankheit annehmen muss", so Pittner.

Verständnis aus der Szene

Mark verbringt seit acht Jahren seine Tage an der Holstenstraße. Zwei Kreuzungen weiter ist seine Substitutions-Ambulanz. Dort bekommt er sein Methadon, jeden Morgen um halb zehn. Drogen nimmt er manchmal noch immer. In der Szene kennt er fast jeden. "Ist schon bisschen viel geworden hier, ich kann verstehen, dass die Bürger ein bisschen Angst haben, wenn die Leute da Drogen nehmen. Manche sind dann so affig, die denken nicht darüber nach, ich war genauso früher", so Mark. "Affig heißt, dass die Leute Suchtdruck haben", erklärt Sozialarbeiter Pittner. Früher sei es hier nicht so schlimm gewesen, ergänzt Mark.

Anwohnende fordern Hilfe vom Bezirk

Maaß und ihre Mitstreitenden vom runden Tisch wünschen sich mehr Hilfe vom Bezirk - für beide: Anwohnende und Abhängige. Mehr Aufklärung und mehr Polizeipräsenz, das sind nur zwei der Vorschläge an die Fraktionen im Bezirk. Einstweilen setzen sie auf Selbsthilfe, sie haben Schilder aufgestellt - "Bitte hier keine Drogen konsumieren!" steht darauf. "Ich hoffe, dass das gesehen wird von den Drogensüchtigen, die hier rumlaufen", sagt Maaß. "Dass sie sich vielleicht auch nicht mehr so wohlfühlen wie jetzt", ergänzt sie. Die Anwohnenden hoffen auf eine Antwort aus dem Altonaer Rathaus auf ihre Vorschläge bis Ende August.

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Hamburg Journal | 12.07.2021 | 19:30 Uhr

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