Hamburger Senat: 223 Millionen Euro für Wasserstoff-Projekte

Stand: 23.08.2022 15:17 Uhr

Der Hamburger Senat hat für den Ausbau des grünen Wasserstoffs als Ersatz für fossile Brenn- und Treibstoffe 223 Millionen Euro bewilligt. Weitere rund 520 Millionen Euro übernehme der Bund im Rahmen der "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI).

Dabei werden mit Genehmigung der Europäischen Kommission in Europa mit öffentlichen Mitteln Wasserstoff-Projekte der Mitgliedstaaten gefördert, wie die Umweltbehörde am Dienstag mitteilte. Der Bund habe 62 Großprojekte in Deutschland ausgewählt, davon 8 aus Hamburg.

Hamburg bietet ideale Voraussetzungen für Wasserstoff-Projekte

Wenn man alles zusammenrechnet, also Gelder der Stadt, vom Bund und aus der Wirtschaft, dann werden in Hamburg in den kommenden Jahren rund zwei Milliarden Euro in die Umstellung auf grünen Wasserstoff investiert. Im Zentrum einer grünen Wasserstoffwirtschaft stehen den Angaben zufolge in der Hansestadt die Industrie, der Hafen, der Verkehr und die Energienetze. Hamburg bietet nach Ansicht des Senats wegen der räumlichen Konzentration der Industrie, der Nähe zwischen möglichen Produktions- sowie Importstandorten und Abnehmern von Wasserstoff und wegen der zentralen Anbindung ideale Voraussetzungen für grünen Wasserstoff.

Kerstan: "Großer Schritt Richtung Dekarbonisierung der Industrie"

"Ich freue mich ganz besonders, dass auch der Bund die Schlüsselrolle anerkennt, die grüner Wasserstoff bei der Transformation von Industrie und Mobilität spielen kann und in diesem Sinne plant, die Hamburger Projekte (...) mit mehr als einer halben Milliarde Euro an Fördergeldern zu unterstützen", erklärte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) betonte: "Wir haben heute einen großen Schritt Richtung Dekarbonisierung der Industrie vollzogen." Mit der beschlossenen Kofinanzierung werde die Transformation der Hamburger Wirtschaft hin zu Klimaneutralität maßgeblich unterstützt.

CO2-Emissionen sollen deutlich reduziert werden

Die großen Industrieunternehmen brauchen den Wasserstoff, um bei der Umstellung von umweltschädlichem CO2 in der Produktion wegzukommen. Hamburg biete im Wasserstoffverbund mit Shell, Mitsubishi und den Hamburger Energiewerken gleich drei Produzenten und mit Gasnetz Hamburg die Infrastruktur, sodass der Wasserstoff auch da hinkomme, wo er gebraucht werde, so Kerstan. Zum Beispiel zu Airbus oder zum Stahlkonzern Arcelor Mittal. In etwa sechs Jahren könnten so die CO2-Emissionen in der Stadt um rund 600.000 Tonnen reduziert werden, so Kerstan.

Es sei gut, dass sich der Wirtschaft- und Umweltsenator bei der Förderung der Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff in Hamburg einig seien, sagte die FDP-Abgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein. "Noch besser wäre es, wenn Wirtschaftssenator Westhagemann seinen grünen Kollegen auch davon überzeugen könnte, Moorburg kurzfristig zu reaktivieren und die Laufzeit deutscher Kernkraftwerke zu verlängern."

Was ist "grüner Wasserstoff"?

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Dabei wird Wasser (H2O) in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) aufgespalten. Für umweltfreundlichen "grünen Wasserstoff" werden Erneuerbare Energien wie Solar- oder Wind-Energie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.08.2022 | 15:00 Uhr

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