Stand: 16.06.2020 18:00 Uhr

Hamburger Kunst-Kita geht bei Kita-Preis leer aus

von Frauke Reinig

Am Dienstag ist in Berlin der Kita-Preis verliehen worden und eine besondere Einrichtung aus Hamburg-Altona war unter den zehn Finalisten. Der begehrte Titel "Kita des Jahres" geht nicht nach Hamburg, aber auch die Nominierung ist schon eine Auszeichnung. NDR 90,3 Reporterin Frauke Reinig hat die Lorenzini Kunst-Kita vor der Preisverleihung besucht.

Zwei Kinder und eine Betreuerin sitzen in der Lorenzini Kunst-Kita in der Stresemannstraße in Hamburg-Altona.  Foto: Frauke Reinig
In der Lorenzini Kunst-Kita in der Stresemannstraße können und sollen die Kinder sich auch künstlerisch austoben.

Nach einem wochenlangen Corona-Ausnahmezustand kehren die Hamburger Kitas am Donnerstag wieder in den sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb zurück. Durch die noch immer geltenden Corona-Regeln müssen sich viele Einrichtungen jetzt aber anders aufstellen und ihre Arbeit dem Infektionsschutz anpassen. Das gilt auch für die Lorenzini Kunst-Kita in der Stresemannstraße in Altona. Das Haus ist mit seinem eigentlich besonders offenen und freien Konzept für den Deutschen Kita-Preis nominiert, der am Dienstagabend in Berlin vergeben wird. Der Kita des Jahres winken 25.000 Euro Prämie, vier weitere Kitas erhalten jeweils 10.000 Euro.

Eigenständige Entscheidungen der Kinder

Für die Kinder der Lorenzini Kunst-Kita war es eine große Umstellung. Noch im Februar konnten sie durch die offenen Räume "ihrer" Kita toben, hinter großen Glasfenstern in der Stresemannstraße - da war das Coronavirus noch weit entfernt. In dieser Einrichtung entscheiden die Kinder selbst über ihren Tag, sagt Kita-Leiterin Jana Braunschweiger. "Wie das Kind hier am Ende seinen Tag verbringt, womit es spielt, womit es sich beschäftigt - und im Zweifelsfall auch, ob es jetzt wirklich essen möchte oder nicht", erklärt Braunschweiger. Es gehe auch um den Selbstwert und dass man den Kindern zutraue, solche Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

Kinder sollen eigene Ideen umsetzen

Räume der Lorenzini Kunst-Kita in der Stresemannstraße in Hamburg-Altona.  Foto: Frauke Reinig
In dem Atelier der Kita darf auch gerne mal gekleckert werden.

Es gibt eine Vorleseecke, einen Raum zum Toben und Ateliertische, an denen geklebt, getöpfert, gekleistert und gekleckert werden kann - ein Kernpunkt des Konzepts, erklärt Kita-Gründerin Antje Lorenz: "Es ist uns ganz wichtig, dass die Kinder die Ideen, die sie im Kopf haben, auch selber umsetzen können." Ein Mädchen etwa habe ihrer Puppe mal aus Stoff eine Hose getackert, weil die Mutter keine Puppenhose kaufen wollte. Das Kind sei hinterher sehr zufrieden und glücklich gewesen - genau das funktioniere nur, wenn man auch ein Atelier habe.

"Zur Seite stehen, nicht lenken"

Corona-bedingt sei die Freiheit der Kinder in den Häusern derzeit leider eingeschränkt, sagt Lorenz mit Wehmut in der Stimme. Aber: "Für mich war immer klar, dass Kinder aus sich selber heraus lernen und dass unsere Aufgabe ist, ihr Lernen zu begleiten und ihnen die Räume zu gestalten und herzurichten", so die Kita-Gründerin. Es sei Aufgabe, begleitend zur Seite zu stehen und nicht zu lenken.

Kita-Preis-Jury zu Gast in Hamburg

Dieses Leitbild beeindruckt auch die eine Delegation der Kita-Preis-Jury, die alle zehn Finalisten für den Preis "Kita des Jahres" genau unter die Lupe nahm. Robert Friedrich ist beeindruckt von den vielen kleinen Lernbereichen für die Kinder. Fachkräfte müssten viel dafür tun, um das jeden Tag so herzustellen. Kinder müssten angeregt werden, Dinge zu tun und Betreuerinnen und Betreuer als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter zur Verfügung stehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.06.2020 | 10:15 Uhr

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