Stand: 05.09.2019 11:34 Uhr

Hamburg plant weltgrößte Wasserstoff-Anlage

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"Ich will einen solchen Leuchtturm hier in Hamburg und in Norddeutschland sehen", sagt Wirtschaftssenator Westhagemann.

Im Hamburger Hafen soll die weltweit größte Wasserstoff-Elektrolyse mit einer Leistung von 100 Megawatt entstehen. "Ich will einen solchen Leuchtturm hier in Hamburg und in Norddeutschland sehen", erklärte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). Noch in diesem Jahr soll die finale Entscheidung über den Bau der Anlage fallen, die Gespräche mit potenziellen Kunden und Investoren seien bereits weit vorangeschritten.

Senator rechnet mit Förderung von EU und Bund

Der Wirtschaftssenator - früher Chef der Region Nord beim Industriekonzern Siemens - ist ein glühender Anhänger der Wasserstofftechnologie. Er rechnet mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe für den Bau der Anlage. Er soll durch Fördermittel vom Bund und der EU ermöglicht werden - und Hamburg will die notwendige Fläche bereitstellen.

Zehnmal größer als bestehende Anlagen

Eine 100-Megawatt-Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff wäre eine neue technische Dimension: Die bislang größten Anlagen leisten allenfalls zehn Megawatt, in der Regel weniger. Eine solche Elektrolyse würde nach Angaben des Anlagenbauers Siemens ungefähr zwei Tonnen oder 22.000 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren. Mit dieser Stundenproduktion könnte zum Beispiel ein Auto 200.000 Kilometer weit fahren, ein Lkw 25.000 Kilometer.

Ein Speicher für überflüssigen Strom

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Mit der Stundenproduktion der geplanten Anlage könnte ein Lkw 25.000 Kilometer weit fahren.

Mit der Anlage könnte ein grundlegendes Problem der Energiewende teilweise gelöst werden: Überflüssiger Strom - beispielsweise aus Windkraft - wird dazu verwendet, Wasserstoff herzustellen. Power-to-Gas heißt diese Technologie. Wasserstoff kann unter Druck in großen Tanks gelagert - und später wieder zurück in Strom verwandelt werden. Er könnte regenerativ mit Offshore-Windstrom auf See oder an Land erzeugt und anschließend in Kavernen gespeichert oder unmittelbar verwendet werden. Damit könnten die auf der Nordsee erzeugten Strommengen effektiver genutzt werden.

Der Wasserstoff könnte zum Beispiel in der Grundstoff-Produktion eingesetzt werden: In Hamburg arbeiten unweit des Hafens große Fabriken für Stahl, Aluminium und Kupfer. Der Energieträger könnte aber ebenso in schweren Lkw Verwendung finden, der Schifffahrt und im Hamburger öffentlichen Nahverkehr sowie in der Versorgung des Stadtgebietes mit Fernwärme.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter "grüner" Wasserstoff ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.09.2019 | 12:00 Uhr

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