Fahrrad-Umfrage in Städten: Hamburg landet im Mittelfeld

Stand: 16.03.2021 16:45 Uhr

Hamburg wird zur Fahrradstadt - das jedenfalls verspricht der rot-grüne Senat. Doch in der neuesten bundesweiten Umfrage des Fahrradclubs ADFC erhält die Hansestadt wieder mal keine guten Noten.

Wo macht das Radfahren Spaß, wo ist es stressig? Das will der ADFC alle zwei Jahre in seinem "Fahrradklima-Test" wissen. Insgesamt 27 Aspekte wurden dieses Mal abgefragt. Bei den etwa 4.250 Hamburgerinnen und Hamburgern, die mitgemacht haben, überwiegt ganz klar der Frust. Hauptkritikpunkte sind der Zustand und die Breite der Radwege und außerdem gibt es demnach Defizite bei der Sicherheit für Radfahrende.

Unsicherheitsgefühl bei Radfahrenden

Beim Thema Sicherheitsgefühl im Hamburger Straßenverkehr vergaben 27 Prozent der Befragten die Schulnote 6, fühlten sich also sehr unsicher. 34 Prozent gaben die Note 5. Eine 1 wurde nur von einem Prozent der Befragten vergeben. Vor allem für junge und ältere Personen seien die Radwege nicht sicher genug, so die häufige Kritik. Außerdem finden viele, dass es oft zu Konflikten zwischen Rad- und Autofahrenden kommt. In diesem Punkt vergaben 39 Prozent eine 5, 33 Prozent sogar die Note 6. Viele Radlerinnen und Radler fühlen sich von Autofahrenden auf der Fahrbahn bedrängt.

Parkende Autos auf Radstreifen

Besonders genervt sind viele auch von Falschparkenden, das Parken auf den Radstreifen wird nach Ansicht der Befragten viel zu großzügig geduldet. Auch die ungünstigen Ampelschaltungen führen zu großem Unmut. Positiv bewertet wird vor allem das Stadtrad-Angebot und im Vergleich zu anderen Städten außerdem, dass man Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen darf.

Platz sieben mit Note "ausreichend"

Insgesamt landet Hamburg unter den 14 größten Städten Deutschlands nur auf Rang sieben. Die Note für Hansestadt lautet 4,1 - also gerade mal "ausreichend". Im Vergleich zur letzten Umfrage hat sich kaum was geändert. Dabei steigen in Hamburg immer mehr Menschen aufs Rad, gerade in Corona-Zeiten. Nach Angaben des Senats wurden im vergangenen Jahr allein an der Alster mehr als 2,3 Millionen Fahrradfahrten gezählt, sieben Prozent mehr als noch 2019.

ADFC: Ungerechte Verteilung des Verkehrsraums

Die Umfrage zeigt auch: Es wird mehr Werbung für den Radverkehr gemacht. Die allein reiche aber nicht, findet der ADFC. Zwar gebe es auch Lichtblicke bei der Verkehrsplanung, doch der Radverkehr komme immer noch viel zu kurz. Cajus Pruin, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg sagt: "Die Befragung zeigt, dass trotz signifikant gestiegenem Radverkehrsanteil noch immer große Unzufriedenheit über die Verteilung des öffentlichen Verkehrsraums auf die einzelnen Verkehrsträger herrscht." Darüber können auch umfangreiche Kampagnen der vergangenen zwei Jahre nicht hinwegtäuschen.

Bremen liegt vorn

Spitzenreiter bei den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern ist auch diesmal wieder Bremen. Der "Fahrradklima-Test" wurde zum neunten Mal durchgeführt, gefördert wird er auch vom Bundesverkehrsministerium.

Weitere Informationen
Fairnesszone in Hoheluft © NDR / Reinhard Postelt

"Fairness-Zonen" für Radfahrer und Fußgänger in Eimsbüttel

In drei Phasen sollen die Konflikte zwischen Fußgängern, Fußgängerinnen und Radfahrern entschärft werden. (19.02.2021) mehr

Am Hamburger U-Bahnhof Hoheluftbrücke ist unter anderem ein neuer Stellplatz für Fahrräder entstanden. © dpa Foto: Christian Charisius

1.200 neue Fahrradstellplätze an Hamburgs Bahnhöfen

An Hamburgs S- und U-Bahnhöfen gibt es immer mehr Stellplätze für Fahrräder. Für 2021 ist eine weitere Steigerung geplant. (18.02.2021) mehr

Visualisierung des Radverkehrs an der Elbchaussee © Visualisierung LSBG

Hamburger Elbchaussee: "Kopenhagener Radwege" geplant

Wo möglich sollen Radwege baulich sowohl vom Fuß- als auch vom Autoverkehr abgegrenzt werden. Das soll für mehr Sicherheit sorgen. (15.02.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.03.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Blick auf die Hamburger Kunsthalle. © NDR Foto: Eduard Valentin

Staatliche Museen und Ausstellungshäuser öffnen Dienstag

Auch Gedenkstätten und Galerien werden ab nächster Woche wieder geöffnet. Der Besuch ist nur mit einem negativen Test möglich. mehr