Stand: 17.07.2020 14:55 Uhr  - NDR 90,3

Denkmal-Debatte: Ein Lichtschwert für Bismarck?

Der Streit um das XXL-Denkmal am Hafen nimmt an Fahrt auf. Die einen wollen, dass die Bismarck-Statue nach der Sanierung so bleibt, wie sie ist. Andere fordern, sie verfallen zu lassen oder gar zu köpfen. Die Hamburger Kulturbehörde will einen künstlerischen Wettbewerb organisieren, damit das frisch-sanierte Bismarck-Denkmal sichtbar kommentiert wird. Schon jetzt gibt es in der Stadt viele Ideen. Der Hamburger Notar Jens Jeep bringt jetzt eine bunte Variante ins Spiel.

Was schwebt Ihnen für das Riesen-Denkmal vor?

Fotomontage des Hamburger Bismarck-Denkmals. Bismarck hält ein Jedi-Schwert. © NDR Foto: Jens Jeep
Fotomontage des Hamburger Bismarck-Denkmals. So stellt sich Notar Jens Jeep den Bismarck der Zukunft vor.

Jens Jeep: Wir haben ein Denkmal, das eine Persönlichkeit aus dem 19. Jahrhundert zeigt, es stammt aus dem 20. Jahrhundert und jetzt sind wir im 21. Jahrhundert. Ganz monumental am Denkmal ist das Schwert. Ich habe mich gefragt, welches Schwert sinnbildlich für das 20. Jahrhundert ist: Es ist das Lichtschwert, das Laserschwert. Ich würde daher vorschlagen, aus dem steinernen Bismarck-Schwert ein LED-beleuchtetes, die Farbe wechselndes Lichtschwert zu machen.

Warum? Schwert bleibt doch Schwert.

Jens Jeep: In der Tat. Wir kennen das Laserschwert vor allem aus der Star-Wars-Saga, auch wenn es das in der Science-Fiction-Literatur schon seit den 1930er-Jahren gibt. Da kämpft die gute gegen die böse Seite der Macht. Beide Seiten nutzen dieses Lichtschwert. Die Ambivalenz von Bismarck als Person, die nicht nur gut war, aber auch nicht nur schlecht, würde durch solch ein Laserschwert hervorragend zum Ausdruck gebracht.

Halten Sie Hamburg für verrückt genug, um so etwas zu machen?

Jens Jeep: Es ist sicher verrückter, als blaue Lampen im Hafen aufzustellen. Aber so crazy ist es auch nicht, ich glaube, es hätte eine wahnsinnige Strahlkraft, und die Menschen würden dieses Denkmal dann auch wahrnehmen und darüber reden, während es bisher ein Denkmal war, an dem man einfach vorbeimarschiert ist und sich keine Gedanken gemacht hat.

Wie könnte man das denn technisch umsetzen?

Das wäre doch ganz einfach. Erst einmal ist es ja eine non-destruktive Umsetzung, das heißt, Bismarck würde weder der Kopf abgeschlagen, noch würde man das Steinschwert ersetzen, sondern man baut um das Schwert eine Hülle, die mit LEDs beleuchtet wird. Ich stelle mir vor, dass im Normalbetrieb einmal in der Stunde die Farben langsam wechseln. Ich bin mir sicher, die Menschen würden sich davor fotografieren. Das Denkmal würde weit über Hamburg und über Deutschland hinaus mediale Bedeutung erlangen.

Warum braucht Bismarck denn überhaupt eine neue Deutung und Farbe?

Porträt von Jens Jeep. © NDR Foto: NDR
Findet die Idee des Bismarck mit dem Laserschwert nicht gaga, sondern meint das ernst: Jens Jeep.

Jens Jeep: Da muss man sagen, dass wir dieses Riesen-Denkmal haben, und es ist ignoriert worden. Ich wohne seit 20 Jahren in Hamburg und bin oft dran vorbeigegangen, und ich habe kein einziges Mal über Bismarck nachgedacht. Niemand macht das. Ich glaube, etwas, was schon da ist, in einen neuen Kontext zu setzen, führt dazu, dass man wirklich drüber nachdenkt. Das erreiche ich nicht, in dem ich ein Museum errichte oder Tafeln aufstelle.

Die Lichtschwert-Idee ist nicht nur eine Gaga-Idee, sondern Sie meinen das ja richtig ernst. Wie geht es denn jetzt weiter?

Jens Jeep: Ich meine das sehr ernst. Diese Idee, dass man Denkmäler am Besten beseitigt, weil der Mensch, den es zeigt, nicht nur gut war, führt doch dazu, dass es eigentlich keine Denkmäler geben kann. Ich habe die Entwürfe schon vielen Leuten gezeigt, auch alle meine Mandanten mussten sich das anschauen, und ich habe bislang nur positive Reaktionen bekommen. Ich werde jetzt eine Petition unter dem Titel "Bismarck reloaded" ins Internet stellen, so dass auch Hamburger Bürger sagen können: "Finde ich gut. Sollten wir machen." Und wenn es nach zwei Jahren keinem gefällt, dann machen wir es eben wieder weg. Wenn ich den Kopf einmal zertrümmert habe, kriege ich ihn nicht wieder zurück, aber das Laserschwert ist definitiv nicht endgültig.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

Weitere Informationen
Baurarbeiten am Bismarck-Denkmal in Hamburg © NDR

Hamburger Bismarck-Denkmal: Streit um die Zukunft

Was wird aus dem Hamburger Bismarck-Denkmal, das zurzeit renoviert wird? Von Abriss bis zur Enthauptung, vom Park bis zur vollständigen Sanierung: Die Vorschläge sind vielfältig. (11.07.2020) mehr

Daniel Kaiser © NDR Foto: Marco Peter

Kommentar: Ein neuer Blick auf Bismarck

Was wird aus der riesengroßen Bismarck-Statue am Hafen? Nach der millionenschweren Sanierung muss eine andere Botschaft von diesem Koloss ausgehen als bisher, meint Daniel Kaiser. (04.07.2020) mehr

Das Bismarck-Denkmal im Hamburger Stadtteil St. Pauli. © NDR Foto: Heiko Block

"Kopf ab!“ - Diskussion über Hamburger Bismarck-Denkmal

Für Kritiker wie den evangelischen Pastor Ulrich Hentschel steht das Hamburger Bismarck-Denkmal für deutschen Größenwahn. Im Interview fordert er Irritation statt Sanierung. (02.07.2020) mehr

Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark in Hamburg © picture alliance / blickwinkel Foto: McPHOTO

Brosda: "Wir brauchen ein Störgefühl"

Vielen gilt Bismarck als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda erklärt im Interview, wieso eine Ausstellung am Bismarck-Denkmal allein nicht reicht. (29.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.07.2020 | 19:20 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Die Hamburger Khaled Narey (l.) und Jan Gyamerah (r.) attackieren Paderborns Christopher Antwi-Adjei. © Witters

Livecenter: HSV gleicht in Paderborn wieder aus

Der Hamburger Sportverein gastiert beim SC Paderborn und kann mit einem Sieg Zweitliga-Tabellenführer werden. Verfolgen Sie die Partie hier im Liveticker. mehr

Eine U-Bahn fährt aus dem Bahnhof. © imago images / Hoch Zwei Stock/Angerer Foto: Angerer

Warnstreik: U-Bahnen fahren am Dienstagmorgen nicht

Wegen des Tarifkonfliktes im öffentlichen Dienst fahren am Dienstag voraussichtlich bis zum Mittag in Hamburg keine U-Bahnen. Auch die Busse werden nur eingeschränkt unterwegs. mehr

Polizisten mit Mund-Nasenschutz im Hamburger Schanzenviertel. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

In Hamburg startet Polizei-Studie zu Rassismus

Die Hamburger Polizei-Akademie will mögliche Vorurteile und radikale Einstellungen bei der Polizei untersuchen. Bundesinnenminister Seehofer lehnt eine solche Studie ab. mehr

Zwei Polizisten und ein Passant gehen durch das Hamburger Schanzenviertel. © dpa/picture alliance Foto: Jonas Walzberg

Corona-Kontrollen: Bezirk kündigt Konsequenzen an

Die Corona-Infektionszahlen bleiben in Hamburg auf einem hohen Niveau. Der Bezirk Mitte ruft daher vor allem Barbetreiber und Kneipenwirte auf, die Hygieneregeln einzuhalten. mehr