Stand: 21.04.2020 12:39 Uhr  - Hamburg Journal

Corona-Krise: Hamburger Zuhör-Kiosk nun online

Eigentlich begrüßt Christoph Busch mehrmals in der Woche Passantinnen und Passanten in seinem Zuhör-Kiosk in der U-Bahnhaltestelle Emilienstraße. Aufgrund der Corona-Krise musste der Kiosk-Besitzer aber umdisponieren und zog mit seinem besonderen Gesprächsangebot kurzerhand um - ins Internet.

"Der Kiosk ist für uns ein besonderer Ort"

Bis zu 20 Menschen pro Woche kamen vor der Corona-Pandemie im Zuhör-Kiosk von Christoph Busch vorbei, um bei ihm und seinen 15 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen das loszuwerden, was ihnen auf dem Herzen lag. Dass dieses spezielle Vier-Augen-Gespräch so zurzeit nicht mehr stattfinden kann, trifft Busch sehr: "Der Kiosk ist für uns ein besonderer Ort, der durch seine Lage und seine Offenheit, und gleichzeitig Intimität für Gespräche besonders gut ist. Und das fehlt mir und das fehlt den anderen auch", so der Kiosk-Betreiber.

Zuhören in der Corona-Krise "viel wichtiger"

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Das Zuhör-Kiosk ist wegen der Corona-Krise zwar geschlossen. Aber im Internet geht es weiter.

Um den Menschen trotz der Corona-Krise eine Möglichkeit zum Gespräch zu bieten, beschlossen Busch und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter, ins Homeoffice zu wechseln und den Zuhör-Kiosk online zu starten. Auf der Internetseite können Interessierte nun von montags bis freitags per Videochat über alles, was ihnen auf der Seele brennt, sprechen. Das Gespräch über einen Bildschirm sei zwar nicht vergleichbar mit der persönlichen Begegnung im Kiosk, aber "man hat zumindest einen Rest von Gestik und Mimik zur Verfügung. Wir haben beim Zuhören gelernt, dass die Augen unheimlich wichtig sind, dass man mit den Augen zuhört. Und das kann man zumindest rudimentär hier auch machen", erklärt Busch. Für ihn sei das Zuhören gerade jetzt, wo mehr Menschen isoliert von einander seien, noch "viel wichtiger".

Zuhör-Kiosk sollte Schreibwerkstatt werden

Den Zuhör-Kiosk gibt es nun schon seit mehr als zwei Jahren. Dieser war ursprünglich als Schreibwerkstatt für Christoph Busch gedacht. Doch zum Schreiben kam der eigentliche Drehbuchautor nicht, weil wartende Fahrgäste immer wieder das Gespräch mit ihm suchten - und Busch hörte gerne zu. So entwickelte sich aus dem acht Quadratmeter großen Glaskasten der Zuhör-Kiosk. Die Besucherinnen und Besucher sprechen teilweise bis zu eineinhalb Stunden mit Busch oder seinen Kolleginnen und Kollegen. Das Gesprächsangebot ist kostenlos, wird aber von vielen Passantinnen und Passanten durch Spenden unterstützt - zur großen Freude der Zuhörerinnen und Zuhörer: "Die größte Summe waren 300 Euro, überreicht von einer Frau, die nicht so aussah, als hätte sie zu viel Geld. Das war wirklich umwerfend", erzählt Busch.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.04.2020 | 19:30 Uhr

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