Stand: 31.08.2020 15:19 Uhr

Bekommt Hamburg ein Denkmal für sexuelle Vielfalt?

Adrian Hector.
Adrian Hector wünscht sich ein Denkmal für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.

Er will sichtbar sein. Adrian Hector, 36, ist IT-Projektleiter aus Hamburg-Altona. Ihm wurde bei der Geburt der falsche Geschlechtseintrag zugewiesen: weiblich. Er ist aber ein Mann. Er wird oft diskriminiert, zum Beispiel beim Sport. "Wenn ich zum Beispiel sichtbar als Transmann in die Männerumkleide gehe, kann ich Glück haben, dass ich auf einen sehr toleranten und aufgeklärten Sportverein treffe, mit netten Leuten und es kein Problem ist," sagt Hector. "Es kann aber auch sein, dass ich rausfliege oder körperlich angegriffen werde."

Stark wirkende Zwei-Geschlechter-Norm

Um darauf aufmerksam zu machen, soll in Hamburg ein Denkmal entstehen, dass an die Opfer sexueller Diskriminierung erinnern und Akzeptanz gegenüber der Vielfalt unterschiedlicher sexueller Empfindungen einfordern soll. Auch Wiebke Fuchs vom Magnus-Hirschfeld-Centrum in Hamburg-Winterhude engagiert sich dafür.

Ihre Beratungsstelle fordert immer wieder die Umbenennung von Straßen, etwa nach dem von den Nazis verfolgten jüdischen Paar Alice Ascher und Margot Doctor. "Wir haben in Deutschland immer noch eine sehr stark wirkende Zwei-Geschlechter-Norm: Es gibt Männer, es gibt Frauen, das wird bei der Geburt festgestellt und das bleibt auch so", sagt Fuchs. "Wer davon abweicht, ist irgendwie ein Störfaktor."

Denkmal soll neuer Mittelpunkt werden

Gottfried Lorenz will zusammen mit Wiebke Fuchs noch weitergehen. Der 80-Jährige ist einer der profiliertesten Forscher zur Geschichte Homosexueller in Hamburg und er kämpft schon länger für ein Denkmal für sexuelle Vielfalt. Der Senat hat bereits Mittel zugesagt.

Ein möglicher Standort ist am östlichen Alsterufer. "Es soll für alle Gruppen, die sich darunter verstehen, ein Zentrum, ein Mittelpunkt werden", sagt Lorenz. "Sie sollen sich alle damit identifizieren können und nicht nur eine oder zwei von zehn von vielleicht 20 Gruppen."

Denkmal für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt

Als Standorte sind auch Planten un Blomen oder der Alte Elbpark unterhalb des Bismarck-Denkmals im Gespräch. Anfang September wird es dazu einen öffentlichen Workshop geben. Auch Transsexuelle werden dann mit am Tisch sitzen.

"Mit wäre wichtig, dass es wirklich auch ein Denkmal für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist, dass wir da nicht vergessen werden", sagt Hector. "Wir sollten uns gemeinsam ein queeres Denkmal schaffen, was gut sichtbar ist für BürgerInnen Hamburgs, um auf das Thema hinzuweisen und auch zu zeigen: Wir stehen dahinter, auch als Stadt, um so auch eine Selbstverständlichkeit zu schaffen". Bis zur Selbstverständlichkeit dauere es noch, sagt Hector. Aber ein zentrales Denkmal wäre ein guter Anfang.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.08.2020 | 19:30 Uhr

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