Eine Schülerin meldet sich Unterricht einer 8. Klasse in einem Gymnasium. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Behörde: Keine Vorteile mehr für ältere Lehrer in Hamburg

Stand: 26.08.2022 16:05 Uhr

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat am Freitag rund 540 neue junge Lehrkräfte im Großen Festsaal des Rathauses begrüßt. Unterdessen gibt es Streit darüber, wie die Behörde mit älteren Lehrkräften umgeht. Denn: Ältere Lehrerinnen und Lehrer in Hamburg haben keinen Anspruch mehr, stets an derselben Schule zu bleiben und sich von Klassenfahrten befreien zu lassen.

Die bisherigen Regelungen seien aus juristischen Gründen aufgehoben worden, heißt es in einem Schreiben der Schulbehörde an alle Schulleitungen der staatlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Bislang waren Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen mit Erreichen des 58. Lebensjahres grundsätzlich vor Zwangsversetzungen an andere Schulen geschützt. Darüber hinaus durfte das pädagogische Personal laut einer Vorgabe von 2012 ab dem 55. Lebensjahr nicht zur Teilnahme an Klassenreisen verpflichtet werden. Zudem durfte das Personal ab dem 55. Lebensjahr nur auf eigenen Wunsch beurteilt werden.

Fast 40 Prozent der Lehrkräfte in Hamburg über 50

In diesem Schuljahr unterrichten mehr als 17.000 Lehrkräfte sowie Pädagoginnen und Pädagogen mehr als 260.000 Kinder und Jugendliche. Zuletzt waren knapp 40 Prozent der Lehrkräfte 50 Jahre und älter. Es fehle an einer objektiven Rechtfertigung für das Festsetzen von Lebensaltersgrenzen als alleiniges Ausschlusskriterium für Versetzungen oder die Teilnahme an Klassenreisen, heißt es in dem Schreiben. "Eine solche Altersgrenze verstößt gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und würde die jüngeren Beschäftigten in unzulässiger Form benachteiligen."

Auf ältere Lehrer soll trotzdem Rücksicht genommen werden

Trotz der Rücknahme der bisher geltenden Regelungen mahnte Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack die Schulleitungen in dem Schreiben zur Rücksicht. "Zugleich möchte ich Sie herzlich bitten, auch weiterhin die Belange unserer älteren Kolleginnen und Kollegen insbesondere dann in den Blick zu nehmen, wenn diese aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen weniger belastbar sind."

Lehrergewerkschaft spricht von "Skandal"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte die Änderungen scharf. "Diese Neuregelung ist ein Skandal, war die bisherige Regelung doch eines der sehr wenigen Mittel zur Entlastung", sagte Hamburgs GEW-Vize Yvonne Heimbüchel. Das sei nun eine Ohrfeige für die vielen Lehrkräfte, die gerade in den vergangenen zweieinhalb Jahren unter schwierigsten Corona-Bedingungen gearbeitet hätten. Die GEW und die Personalräte würden den weiteren rechtlichen Umgang mit dem Schreiben der Behörde prüfen, sagte Heimbüchel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.08.2022 | 16:00 Uhr

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