Ein Obdachloser sitzt an seinem Schlafplatz in der Hamburger Innenstadt. © picture alliance/dpa Foto: Marcus Brandt

Armutsrisiko liegt in Hamburg über Bundesdurchschnitt

Stand: 16.12.2021 17:00 Uhr

Fast überall in Deutschland ist das Armutsrisiko zuletzt gestiegen - so auch in Hamburg. In der Hansestadt liegt es über dem Bundesdurchschnitt

Das geht aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach lag die Armutsrisikoquote in der Hansestadt 2020 bei 17,8 Prozent - und damit über dem Bundesschnitt von 16,1. Im Vorjahresbericht war das Armutsrisiko für Hamburg noch mit 15,9 Prozent angegeben worden. Aufgrund methodischer und Corona-bedingter Besonderheiten seien die Daten beider Jahre, die auf Grundlage von Angaben des Statistischen Bundesamtes erhoben werden, aber nur bedingt vergleichbar.

Unterstützung vom Bund und vom Senat

"Dass die Zahlen nicht dramatischer gestiegen sind, liegt offensichtlich an den rasch vom Bund und Hamburger Senat ergriffenen Maßnahmen wie dem Kurzarbeiter- und dem Überbrückungsgeld", sagte die Geschäftsführerin des Paritätischen Hamburg, Kristin Alheit. "Viele Beschäftigte mussten zwar schmerzhafte Einkommenseinbußen hinnehmen, rutschten aber nicht in die Armut ab."

Wann gilt man als arm?

Armut wird in Deutschland über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe definiert. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Für die Armutsquote wurden dem Bericht des Paritätischen zufolge alle Personen gezählt, die in Haushalten leben, deren Einkommen diese Grenze unterschreitet.

Angebot der Tafeln eingeschränkt

Da die Pandemie anhalte, müssten die Maßnahmen auch 2022 fortgeführt werden, forderte sie. Zudem sei die Not derer, die bereits in Armut lebten, durch Corona noch gewachsen. "Zum Beispiel durch das Verschwinden von Pfandflaschen aus dem öffentlichen Raum und das stark eingeschränkte Angebot der Tafeln insbesondere zu Beginn der Pandemie." Dazu kamen pandemiebedingte Mehrkosten für Desinfektionsmittel oder Masken. "Hier ist mehr nötig als einmalige, punktuelle Hilfen", sagte Alheit.

Besonders hoch ist dem Bericht zufolge das Armutsrisiko bei Familien mit drei und mehr Kindern (30,9 Prozent) sowie bei Alleinerziehenden (40,5 Prozent). Erwerbslose und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie Migrationshintergrund seien ebenfalls stark überproportional betroffen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 16.12.2021 | 19:30 Uhr

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