Welt der Musik

Skandinavisches Triebwerk für Barockmusik

Sonntag, 19. Dezember 2021, 18:00 bis 19:00 Uhr

"Wir alle kannten diese schönen Barock-Orchester in Holland, aber in Kopenhagen gab es überhaupt nichts. Da haben wir beschlossen, dass wir etwas aufbauen, das man mit den holländischen Orchestern vergleichen könnte." Das sagt Nikolaj de Fine Licht, vor 30 Jahren Blockflötist und Mitbegründer von Concerto Copenhagen - heute der Generalmanager des Ensembles. Gemeinsam mit einem Oboisten und Cembalisten war Nikolaj de Fine Licht gerade von seinen Studien aus den in Sachen historischer Aufführungspraxis schon immer führenden Niederlanden zurückgekehrt. 1991 gab Concerto Copenhagen sein erstes Konzert, mit dabei vor allem dänische und schwedische Musiker. Zwar gab es bereits seit den 1970er-Jahren in Schweden das "Drottningholm Baroque Ensemble", aber das war es auch schon. Um 1990 begann sich dann aber in Skandinavien das Interesse für das historisch informierte Spiel auf originalen oder nachgebauten Instrumenten zu regen. Da wurden gewissermaßen die ersten Triebwerke angekurbelt. Zeitgleich gründeten sich in Finnland und Norwegen Ensembles. Concerto Copenhagen entwickelte sich schnell zum führenden Barockmusikorchester Dänemarks, bis heute dem einzigen mit internationaler Ausstrahlung. Ein Spitzname war auch sogleich vorhanden: CoCo.

Die besten Musiker Südskandinaviens

Das Barockochester Concerto Copenhagen mit Lars Ulrik Mortensen © Mathias Løvgreen
Lars Ulrik Mortensen mit seinem Concerto Copenhagen.

Eines war von Anfang an klar: Es sollten nur die besten Musiker Südskandinaviens bei CoCo spielen. Und hier lag auch in den Gründungsjahren ein Problem, denn Top-Musiker wollen, sollen und müssen auch gut bezahlt werden. Das war aber lange nicht der Fall. Aber es ging immer weiter, weil alle an einem Strang zogen und ein Top-Ensemble aufbauen wollten. Die Anfangshürden wurden genommen. Weitere entscheidende Triebwerke wurden gezündet, als 1999 der Dirigent und Cembalist Lars Ulrik Mortensen die künstlerische Leitung übernahm. Mit seinen Ideen und vor allem seiner nie nachlassenden Energie schärfte er das Profil des Barockmusikorchesters. CoCo habe Qualitäten, verriet Lars Ulrik Mortensen einmal im Interview, die er sonst nirgendwo finde: "Wir haben ein gemeinsames Leben, eine gemeinsame musikalische Sprache entwickelt, die ich noch immer nach so langer Zeit schätze, die für mich einfach Grundvoraussetzung sind, um Alte Musik überhaupt zu spielen." Die Mitglieder von CoCo wiederum schätzen Mortensens Kompromisslosigkeit, er könne es nicht ertragen, wenn etwas ohne Ausdruck und Emotion sei. Er habe einen siebten Sinn für die Essenz der Musik von Bach, Händel oder anderen.

Modernes Klangbild

Viele Jahre musste Concerto Copenhagen - wie auch Barockmusikorchester in anderen Ländern - mit wenig staatlicher Förderung auskommen. Heute wird wenigstens ein Teil der Basiskosten durch Mittel des Kulturministeriums abgedeckt. Einen Wendepunkt gab es im Jahr 2002. Damals übernahm Concerto Copenhagen am Königlichen Theater in Kopenhagen bei Händels Oper "Giulio Cesare in Egitto" den Orchesterpart mit Lars Ulrik Mortensen am Pult. Die Titelpartie sang der deutsche Countertenor Andreas Scholl. Szenisch und musikalisch wurde die Produktion eine der erfolgreichsten von CoCo überhaupt und erschien auch auf DVD. Jedenfalls war fortan der Name "Concerto Copenhagen" in der klassischen Musikszene in Dänemark und mehr und mehr überregional in aller Munde. Allmählich erarbeitete sich CoCo Werke der Wiener Klassiker und auch der frühen Romantik. Entscheidend sind für das Ensemble die alten Instrumente, denn sie prägen das Klangbild einfach anders als moderne Instrumente. Doch Lars Ulrik Mortensen und seine Musiker werden nicht müde zu betonen, dass man die historischen Instrumente nicht verwende, um ein Museum zu etablieren. Mortensen sagt: "Wir behaupten nicht, so hätte es zu Bachs oder Haydns Zeit geklungen. Nein! Unsere Absicht ist, für ein modernes Publikum mit den historischen Instrumenten ein viel moderneres Klangbild zu schaffen, als es mit traditionellen Instrumenten möglich wäre."

Eine Sendung von Elisabeth Richter.

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Zwei Musiker im Senegal spielen Kora (links) und Djembe (rechts) im Gegenlicht vor untergehender Sonne. © picture-alliance / dpa

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