Sendedatum: 08.05.2009 13:00 Uhr  | Archiv

Der weite Blick des Fußballstars

Alexander Solloch im Gespräch mit Philipp Lahm

Wenn Bundestrainer Joachim Löw sagt, neben Michael Ballack verkörpere unter den deutschen Fußballprofis gegenwärtig einzig noch Philipp Lahm Weltklasse, dann freut sich der 25-jährige Außenverteidiger des FC Bayern München - aber es reicht ihm nicht: "Ich will nicht nur als Fußballer wahrgenommen werden", sagt Lahm. Er zählt sich zu der Generation Spieler, die nicht bloß von Strafraum zu Strafraum gucken, sondern ihren Blick weiten wollen, weil sie ihren Sport gesellschaftlich orientiert begreifen. Wer berühmt ist und beliebt, kann aus seinem Ruhm doch auch etwas sozial Sinnvolles machen, dachte sich Lahm vor eineinhalb Jahren und gründete die "Philipp Lahm-Stiftung für Sport und Bildung". Unmittelbar inspiriert dazu wurde er durch Besuche in mehreren südafrikanischen Townships, in denen er viele sportliche Begabungen sah, deren Talent aber unter der Last materieller Not zu ersticken droht. Lahm will mit seiner Stiftung benachteiligten Jugendlichen und Kindern vor allem in Afrika helfen, er unterstützt aber auch Projekte in Deutschland.

"Ohne Ehrenamt geht es nicht"

Mit Lahm über soziales Engagement zu sprechen bedeutet auch, über seine Herkunft zu sprechen. Sein größtes Glück sei die Geborgenheit im Elternhaus und in seinem Heimatverein gewesen: Bei der Freien Turnerschaft München-Gern, "einem sehr familiären Verein, den es, wie viele Vereine, ohne das Ehrenamt überhaupt nicht geben könnte", lernte Lahm das Fußballspielen - wobei er es im Grunde gar nicht mehr lernen musste, wenn man den Worten seines Förderers Hermann Gerland glaubt: "Philipp muss schon im Mutterleib Fußball gespielt haben - schlecht spielen kann der gar nicht." Unsportlich auftreten offenbar auch nicht: Nie begeht er grobe Fouls, nie wird er des Feldes verwiesen, nie beklagt er sich beim Schiedsrichter, immer versucht er, ausgleichend zu wirken. Und wenn alle anderen kurz vor einem entscheidenden Spiel sich noch einmal testosterongesteuert aufputschen, pfeift Lahm gelassen ein Lied.

Über den Spaß am Spiel, soziales Engagement, die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs und die Zukunft seiner Stiftung spricht Lahm in der Sendung Klassik à la carte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 08.05.2009 | 13:00 Uhr

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